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Freitagstipp: Alles Licht, das wir nicht sehen

Alles Licht Buch vor Hintergrund

Dieses Buch ist ein Phänomen: Von Lesern und Kritikern gleichermaßen geliebt, schafft es in den USA eine Millionenauflage und wird sogar mit dem Pulitzerpreis prämiert. Auch in Deutschland fasziniert Anthony Doerr mit seinem Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“, mit dem ihm eine spannende Mischung aus Mystery und History, Unterhaltung und Poesie, Romantik und Abenteuer gelingt. Sogar der Präsident der USA hat es nachweislich gelesen! Mein Geschmack scheint in diesem Fall mit dem von Obama übereinzustimmen. Was erwartet euch? Auf keinen Fall ein klassischer Liebesroman! Aber dafür Doerrs Liebeserklärung an die Sprache und seine Figuren.

Inhalt

Frankreich, 1944: Marie-Laure, ist im Alter von sechs Jahren an einem grauen Star erblindet. Ihr Vater, ein Angestellter am Naturkunde Museum, baut für sie ein detailreiches Modell ihrer Pariser Nachbarschaft nach, mit dem sie lernt sich zurechtzufinden. Als die beiden das besetzte Paris verlassen, um in der kleinen Stadt Saint-Malos am Meer Schutz bei einem Cover Alles LichtOnkel zu suchen, haben sie einen kostbaren Schatz des Museums bei sich, den auch die Nazis begehren. Dann wird Marie-Laures Vater festgenommen und die junge blinde Frau ist plötzlich allein in einer fremden Stadt, die sie wie ein Labyrinth umgibt.

Parallel wird die Geschichte des deutschen Jungen Werner Hausner erzählt, der mit seiner Schwester in einem Waisenhaus im Ruhrgebiet aufwächst. Werner hat eine große Begabung: Er kann alles reparieren, versteht die Sprache von Maschinen, ihre verborgenen Mechanismen. Als man sein Talent entdeckt, wird er auf eine Eliteschule der Nazis geschickt und dort als Ingenieur und Funktechniker für die Wehrmacht ausgebildet. Schließlich wird seine Einheit nach Saint-Malo geschickt, um dort den Widerstand aufzuspüren, dem Marie-Laures Onkel angehört …

Man fragt sich lange, wie sich die Lebenswege der beiden jungen Menschen letztendlich kreuzen werden und wie diese Begegnung sein wird. Das möchte ich aber nicht vorwegnehmen, denn von dieser Erwartung lebt die kunstvoll gewebte Geschichte um zwei Schicksale.

Fazit

Die Sprache ist Bild gewaltig, atmosphärisch und voller großer Metaphern. Sie ist mal zart poetisch, mal an der Grenze zum Kitsch. Das Bild vom alten Europa ist stark von der amerikanischen Perspektive gefärbt – vielleicht ein Grund, warum das Buch bei uns keinen vergleichbaren Erfolg vorweisen kann. Trotzdem hat mich, wie viele andere Leser, die kunstvolle Konstruktion des Romans in seinen Bann gezogen. Geschickt wird erzählt, wie sich die Schicksale zweier junger Menschen durch ein düsteres, von Krieg gezeichnetes Europa aufeinander zubewegen. Und diese beiden sehr besonderen Hauptfiguren und ihre versäumte Liebesgeschichte sind mir Unterwegs ans Herz gewachsen. Ich kann diesen ungewöhnlichen Roman über den Zweiten Weltkrieg und zwei ungewöhnliche junge Menschen empfehlen! Auf die angekündigte Verfilmung eines so atmosphärischen Romans dürfen wir uns schon freuen.

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