Kolumne
Schreibe einen Kommentar

Alles neu im neuen Jahr? Bloß nicht!

Ich bin kein Freund von Veränderungen. Spontanität und Überraschungen meide ich wie der berühmte Teufel das Weihwasser. Ich würde nie eine Last-minute-Reise buchen aus Angst, mir könnte das Hotel nicht gefallen, ein Blind-Date käme für mich nicht infrage und wer meint, er müsse mir mit einer ungeplanten Party eine Freude machen, der wird bitter enttäuscht sein. Dieser unangenehme Charakterzug macht sich auch im Job bemerkbar. Hauptsache, alles geht seinen gewohnten Gang, ist auch hier meine Devise. Deshalb bin ich auch bei neuen Kollegen immer erst mal skeptisch. Die müssen mich zunächst siezen, besser erst mal Abstand halten, man weiß ja nie … Einer jungen Frau fiel meine Distanziertheit scheinbar gar nicht auf und sie sagte gleich ihre Meinung. Wohlgemerkt, bevor ich als Chefin mein Urteil abgegeben hatte. „Das Cover ist doch nix“, sagte sie, oder: „Der Text funktioniert so gar nicht!“ Dabei wechselte sie binnen Minuten dreimal ihre Frisur, mal wurde ein Dutt gedreht, dann ein Pferdeschwanz gemacht, um dann etwas später die ganze Haarpracht einfach offen fließen zu lassen. Innerlich rang ich um Fassung und konnte mir dennoch ein Lachen nicht verkneifen. War ich nicht mal genauso, bevor ich fand, dass Regeln dazu da sind, eingehalten zu werden? Wie lange war das her? Gefühlte 100 Jahre. Wann hatte ich zuletzt mal etwas Neues ausprobiert? Zum Beispiel mal ein Foto von mir auf einem Blog gepostet oder gar einer jüngeren Kollegin das letzte Wort erlaubt? Hatte ich je ungeschminkt das Haus verlassen? Ich musste etwas verändern, wenn ich nicht mehr ganz so spießig sein wollte. Zunächst verabschiedete ich mich von dem „Sie“ und ließ mich vor einem Bild mit George Clooney fotografieren, das Foto fand sich dann auf unserem Blog wieder. Ich übte mich darin, andere Meinungen zuzulassen und machte mir zwischendurch auch mal einen Pferdeschwanz. Und irgendetwas veränderte sich. Ich kann gar nicht genau sagen was, der Büroalltag fühlte sich neu und durchgeschüttelt an. Ich bin zwar immer noch nicht ungeschminkt auf der Straße gesichtet worden, aber insgesamt entspannter, wenn es um Veränderungen geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.