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Bücher, die ich nie zu Ende gelesen habe – Ankes kleine Anti-Literatursammlung

Jede von uns hat wohl schon mal ein Buch weggelegt, vielleicht sogar in die Ecke gepfeffert oder ihm einen resignierten Stups mit dem Fuß verpasst, sodass es für immer unterm Bett verschwand. Auch ich habe so manche Bücherleiche in meinem geistigen Keller, und so manches Buch, das ich voller Vorfreude anfing zu lesen, liegt heute noch mit einem Lesezeichen im ersten Drittel bei mir herum. Die magische Grenze ist meistens die Seite 100. Wenn ich danach weiterlese, dann schafft es das Buch in mein Herz. Wenn ich vorher aufgebe, kann es viele ziemlich subjektive Gründe dafür geben, die nicht immer etwas mit dem Text zu tun haben. Gründe für eine vorzeitige Trennung gibt es genug.

Hier sind meine drei Favoriten:

  1. „Ja, liebes Buch, ich habe es kapiert. Du bist wahnsinnig bedeutsam. Aber trotzdem ziemlich überspannt.“ So ging es mir als Literaturstudentin mit einigen Büchern, unter anderem mit James Joyces Meisterwerk Ulysses. Kaum eine Vorlesung kam ohne Bezug auf diesen Jahrhundertroman aus. 24 Stunden erzählt auf 100 Seiten, mit Bezügen zur antiken Literatur, Erinnerungsfetzen, Assoziationen, Sprachspielen etc. Das ist wirklich genial. Aber nachdem ich mich bis Seite 100 durchgequält hatte, beschloss ich: „Das Buch ist toll. Und anstrengend. Ich höre hier jetzt mal lieber auf.“
  2. „Liebes Buch, du bist gut. Aber du ziehst mich runter.“ Das dachte ich mir, nachdem ich Donna Tartts 13-jährigen Held Theo Decker über viele Seiten von Der Distelfink dabei begleitet hatte, wie er hochtraumatisiert um seine Mutter trauert. Wie er längst weiß, dass sie tot ist und immer noch hofft, dass sie jeden Moment an der Tür klingelt. Wie er bei fremden Leuten unterkommt und sich kein Heimweh leisten kann, weil es den Ort und den Menschen nicht mehr gibt, die ihn mit Sehnsucht erfüllen. Das ist meisterhaft beschrieben. So meisterhaft, dass ich mich irgendwann fragte, ob ich vielleicht auch eine Waise bin? Ja, das nennt man wohl die Kraft der Literatur. Ich habe das Buch traurig zugeschlagen und weggelegt.
  3. „Die Hauptfigur nervt!“ Vor ein paar Jahren redeten plötzlich alle nur noch von diesem E-Mail-Roman. Er sei total spannend, man könne ihn nicht mehr weglegen, das sei beste Unterhaltung. Also besorgte ich mir Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind, und ich musste zugeben: Diese Liebesgeschichte in E-Mails war wirklich richtig gut gemacht. Ein Ping Pong der Extraklasse, ein Flirt, bei dem die Funken fliegen. Leider ging mir Emmi, die Frau, die sich für nichts entscheiden kann und alle Feuerchen am Brennen hält, wahnsinnig auf die Nerven. Ich mochte sie einfach nicht. Ich wollte nicht, dass sie den netten Leo bekommt. Irgendwann war ich so wütend auf sie, dass ich ihr am liebsten eine runtergehauen hätte. Tja, das kann passieren: Manchmal kann man jemanden nicht leiden, der in einem tollen Roman die Hauptrolle hat. Darum: Weg damit!

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