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»Manchmal haut uns ein Buch total um« – aus dem Leben eines Scouts

Scout

Welche spannenden neuen Manuskripte die Verlage in London gerade entdeckt haben, was die neuesten Trends in der englischen Buchszene sind und was der nächste große internationale Bestseller werden könnte – all das weiß Victoria. Sie arbeitet als literarischer Scout in London. Scouts sind Dienstleister für Verlage. Viele große deutsche Verlage beauftragen Scouts zum Beispiel in den USA, England und Frankreich, um regelmäßig mit den neuesten Informationen und Manuskripten aus dem jeweiligen Land versorgt zu werden. Exklusiv für Herzenszeilen gibt Victoria euch einen Einblick in ihren Arbeitsalltag.

Kannst du kurz erklären, was du als literarischer Scout machst?

Kurz gesagt: Wir sind die Augen und Ohren unserer Verlage im englischen Buchmarkt. Wir lesen die Bücher, die hier für Furore sorgen, und beraten dann die ausländischen Lektoren, ob sie die Übersetzungsrechte für ihren Markt erwerben sollen. Scouts müssen sehr viel gelesen haben, in allen Genres, die verschiedenen Buchmärkte verstehen – die alle ganz schön unterschiedlich sind! – und das internationale Potenzial der Bücher überzeugend einschätzen können.

Wie viele Manuskripte liest du pro Woche?

Das hängt davon ab, wann ihr diese Frage stellt. Kurz vor den großen Buchmessen in London, Frankfurt und Bologna lautet die Antwort: Sehr viel! In dieser Zeit kommen schon mal 20 bis 30 Manuskripte täglich in unserer Inbox an, die wir anschauen. Zu anderen Zeiten ist es meistens ruhiger und wir lesen vielleicht 15 bis 20 pro Woche.

Gibt es noch Manuskripte, die dich überraschen?

Auf jeden Fall! Das ist das Schönste an diesem Job. Immer mal wieder gibt es ein Buch, das uns total umhaut – und dann sind wir richtig aufgeregt und legen sofort los, damit all unsere Verleger das Manuskript so schnell wie möglich lesen und ein Angebot für die Übersetzungsrechte machen können.

Welche Trends seht ihr gerade bei Romanen, die Frauen gern lesen?

Feel-good-Bücher sind sehr beliebt, genauso wie Romane, die Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen, wie zum Beispiel von Kate Morton. Und seit Shades of Grey scheinen Frauen überall auf der ganzen Welt auch große Lust auf Bücher zu haben, die sexy sind.

Was lesen Frauen in England momentan am liebsten?

Psychologische Thriller mit einer starken weiblichen Hauptfigur sind schon seit einer Weile sehr beliebt. Seit Gillian Flynns Gone Girl die internationalen Bestsellerlisten erobert hat, gab es einige große Erfolge in diese Richtung. Momentan verkauft sich The Girl on the Train von Paula Hawkins hier richtig gut. Aber es gibt auch noch viele andere Stoffe für Frauen, die sehr gefragt sind – zum Beispiel von Autorinnen wie Jojo Moyes und Liane Moriarty.

Was gefällt dir am besten an deinem Job?

Die Vielseitigkeit – an einem Tag lese ich, am nächsten treffe ich mich mit einem Lektor hier in London und frage ihn nach den spannendsten Manuskripten, die er gerade auf dem Schreibtisch hat, dann wieder spreche ich mit unseren ausländischen Kunden und berate sie, wie viel sie wohl für die Übersetzungsrechte an einem Buch, das sie lieben, bieten sollen. Langweilig wird einem als Scout nie!

Gibt es ein Buch, das dich in letzter Zeit besonders beeindruckt hat?

Ich fand Maestra von L. K. Hilton großartig, ein wirklich kluger erotischer Thriller über eine Frau, die aus Versehen einen Mann umbringt und sich dann unter die Reichen und Schönen mischt, um sich zu verstecken. Danach solltet ihr auf jeden Fall Ausschau halten. Auch Did I mention I love you von Estelle Maskame gefiel uns allen hier im Büro sehr gut, eine wunderbar romantische Trilogie für jüngere Leser – die uns besonders beeindruckt hat, weil die Autorin noch so jung ist. Sie ist jetzt 17 Jahre alt, begann den ersten Roman aber schon mit 13.

 

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