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Freitagstipp: Im ersten Licht des Morgens

Im ersten Licht des Morgens

Als Lektorin einen Buchtipp zu schreiben ist immer eine Gratwanderung. Das beste Buch der Woche, ach was, des Monats oder wieso nicht gleich des Jahres? Keine Frage, natürlich das Buch, das ich entdeckt habe, an dem ich monatelang gemeinsam mit Autorin, Übersetzerin, Grafikerin und allen Kollegen hier im Verlag gearbeitet habe und das mir unendlich ans Herz gewachsen ist. Da bin ich voreingenommen, werdet ihr jetzt sagen, klar. Aber zum Glück bin ich mit meiner Begeisterung für Virginia Bailys Im ersten Licht des Morgens nicht allein: Gerade diese Woche ist eine tolle Rezension in der Brigitte erschienen, auch die Freundin und die Myway sind voll des Lobes, dazu kommt noch die ganze begeisterte Presse aus England, wo der Roman die Bestsellerlisten stürmte. Deshalb stelle ich euch heute ganz ungeniert und auch mit ein wenig Lektorinnenstolz mein persönliches Lieblingsprojekt vor.

Einen Roman, der in Rom spielt und so atmosphärisch geschrieben ist, dass er mich von Anfang an gepackt hat. Virginia Baily erzählt in Im ersten Licht des Morgens die Geschichte von Chiara, die 1943 mitten im Krieg im besetzten Rom einem kleinen Jungen das Leben rettet. Eine Impulsentscheidung, die sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr loslassen wird. Von da an wird Daniele zu ihrem Sohn. Sie beginnt, ihn zu lieben, geht weit, um ihn zu schützen. Und gleichzeitig droht sie auch immer wieder an dieser Verantwortung zu scheitern. Aus Liebe tut sie Dinge, die zum Bruch mit dem heranwachsenden Daniele führen. Jahrzehntelang hat sie keinen Kontakt zu ihm, leidet still an diesem Verlust. Bis eines Tages Maria, eine junge Frau aus Großbritannien, vor ihrer Tür steht. Maria ist auf der Suche nach ihrem Vater – Daniele. Gemeinsam machen sich Chiara und Maria auf, Daniele zu finden.

Dieser Roman erzählt davon, was passiert, wenn wir uns an andere Menschen binden und Verantwortung übernehmen. Wenn wir unser Herz öffnen, setzen wir uns auch Schmerz und Trauer aus, und trotzdem lohnt es sich, denn die Liebe ist ein unglaubliches Gefühl. Das Besondere an dem Text ist für mich, dass er alle Figuren in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit zeigt, allen voran Chiara. Sie begeht eine heldenhafte Tat, ja, aber sie hadert auch mit ihrer Entscheidung und lädt Schuld auf sich. Der Roman bestraft sie nicht dafür, sondern gerade deshalb ist sie so sympathisch und glaubwürdig und uns beim Lesen unglaublich nah. Ihr merkt, Lektorinnen können sehr viel über ihre Lieblingsbücher schreiben. Ich hoffe, ich habe euch ein wenig neugierig gemacht, und ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mir schreibt, wie euch der Roman gefallen hat. Happy Friday und gute Lektüre!

Eure Carolin

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