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Pommes mit …, dazu Dosenmilch-Kaffee und eine Gummischlange – die Schwimmbadsaison ist eröffnet

Sonntag, Sonne, See, das ist das Sommerprogramm in meinem Freundeskreis. Man frühstückt gemütlich auf dem Balkon, schmiert dann Brote für unterwegs, packt die Badesachen ein, und nach zehn WhatsApps mit zwanzig Leuten, die auch alle mitmöchten, sitzt man gegen zwölf endlich im heißen Auto. Eigentlich könnte man auch zu Fuß gehen, denn schon auf der Donnersbergerbrücke steht jeder im Stau. Macht nichts, der Weg ist das Ziel, und wenn man nach einer weiteren Stunde einen Parkplatz weit weg vom See gefunden hat und auf der überfüllten Liegewiese die Decke ausbreiten kann, ist der Stress vergessen.

Ich klinke mich aus dieser Sonntagsplanung immer öfter aus und fahre stattdessen ins Freibad. Nach einem schnellen Kaffee schnalle ich meinen praktischen Klappstuhl aufs Fahrrad und sause morgens um 9:30 Uhr durch fast leere Straßen. Um diese Zeit gibt es noch keine langen Schlangen an den Kassen, € 3,60 werden gezahlt und dann rein ins Vergnügen.

Die älteren Herrschaften mit sonnengegerbter Haut haben ihre Plätze bereits eingenommen, auf ihren mitgebrachten Liegen finden sich Rätselhefte und die Bild am Sonntag. Die Männer trinken bereits das erste Bier, die Frauen schwimmen mit hochgesteckten Haaren langsam im Becken auf und ab und unterhalten sich dabei. In der Profizone ziehen die Sportler ihre Bahnen. Mit Schwimmbrille und Badekappe gleiten sie durchs Wasser, nach einer gekonnten Wende wird gekrault, dann wieder Brust geschwommen. Ich, die noch nicht mal richtig auf dem Rücken schwimmen kann, könnte diesen Experten ewig zuschauen.

Mein kleiner Klappstuhl sieht zwischen den Handtuchinseln natürlich spießig aus. Egal, wie der Stuhl so die Besitzerin, die sich erst mal ihren zweiten Kaffee holt. Und weil Cappuccino für mich nicht ins Schwimmbad passt, trinke ich ihn mit Kondensmilch. Diese Minitöpfchen aus Plastik kann man gar nicht öffnen, ohne sich von oben bis unten zu bekleckern. Zum Trost gibt es eine Gummischlange. Glücklich wandere ich ein bisschen umher.

Zwei dünne Jungs rasen kreischend an mir vorbei. Eine junge Mutter stillt unter einem Baum ihr Baby. Auf der Bank vorm Becken unterhalten sich zwei stark tätowierte Männer, ein dritter gesellt sich dazu, ebenso voller Tattoos. Niedlich, wie er seine kleine Tochter beruhigt, die gerade weinend aus dem Wasser kommt.

Ich liebe diese Ansammlung von Menschen, die sich hier halbnackt begegnen, während sie sich im wahren Leben nicht mal Guten Tag sagen würden. Ich finde es beruhigend, dass der Bademeister in seinem Hochstuhl über allem thront und aufpasst, dass die frechen Kinder nicht vom Beckenrand auf die braven draufspringen. Finde es witzig, dass fast jeder, der ins Wasser steigt, sich erst mal schmerzverzerrt über die Kälte beschwert, um dann langsam, ganz langsam mit Schnappatmung einzutauchen.

Gern würde ich ihnen meinen Supertrick zeigen: kurz kalt duschen und dann mit einem ordentlichen Köpfer rein in die Fluten. Aber hier interessiert sich niemand dafür, jeder macht sein Ding, und das ist herrlich.

Um kurz vor zwölf ziehe ich in den Schatten um, hole mir eine große Portion Pommes mit beidem (Ketchup und Mayo) und beobachte, wie es langsam voller wird. Die Familien trudeln nun ein, mit riesigen Schwimmnudeln und Kühltaschen. Zwei Stunden später ist es rappelvoll, Zeit für mich, nach Hause zu radeln. Schön war es, denke ich, als ich die kühle Wohnung betrete und den Moment der Ruhe genieße. Abends treffe ich die Freunde, die gerade erst vom See zurückgekommen sind, beim Grillen.

„Und wie war es bei euch?“, frage ich.

„Ach, vergiss es“, sagt Anja, „wir sind wieder zu spät losgekommen und standen dann ewig im Stau. Und auf dem Rückweg dasselbe …“ Sie schaut mich nachdenklich an. „Und du warst wahrscheinlich wieder mit deinem Spießerklappstuhl im Schwimmbad?“

Ich nicke lächelnd und genehmige mir zur Feier des Tages eine Bratwurst.