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Carol – Der Klassiker von Patricia Highsmith wurde verfilmt

Britta-Carol

„Man sieht nur, was man weiß“, schrieb Goethe und ich muss diesem schlauen Mann mal wieder Recht geben. Erst nach der Lektüre der faz-Rezension über den Film „Carol“ von Todd Haynes verstehe ich, was der Regisseur mir damit sagen wollte. Die Journalistin Verena Lueken erklärt mir, nachdem ich den Kinosaal enttäuscht verließ, warum der Film eigentlich toll war. Folgt man Frau Lueken, dann ging es hier um wahre Liebe, oder besser um das Verliebtsein und dem Wahnsinn, der diesem trügerischsten aller Gefühle innewohnt. Gesehen habe ich das nicht, oder ist es mir nur nicht aufgefallen? Schließlich geht es in dieser Verfilmung von Patricia Highsmiths Roman „Carol“, der Anfang der 1950ger Jahre unter Pseudonym mit dem Titel „The Price of Salt“ erstmals erschien, ausschließlich um die Liebe. Und zwar um die unerhörte Liebe zweier Frauen – damalcarols ein Skandal. Der Film zeigt mir aber keine nachvollziehbaren Gefühle, sondern vor allem die sinnlich-roten Lippen von Cate Blanchett. Diese wunderbare Schauspielerin verführt mich als Zuschauerin so sehr, dass ich zwischendurch das Gefühl habe, ich selbst hätte mich in Carol verliebt. Aber nein, halt, ich spiele ja gar nicht mit, es ist Therese, die junge, unscheinbare, blasse, nervöse, dünne, arme, naive Person, die Carol mit der berühmten Liebe auf den ersten Blick einfängt. Therese ist so gegensätzlich zu der tollen Carol inszeniert, dass einem dieser dusselige Schmollmund und die weit aufgerissenen Augen von Rooney Mara bald auf die Nerven gehen. Die lesbischen Damen eine Reihe hinter mir hatten offensichtlich auch Mühe, hier emotional mitzugehen. Erst kicherten sie leise, dann immer lauter und bei der Schlussblende pfiffen und buhten sie. Zum Glück richtet die kluge Verena Lueken meinen getrübten Blick wieder auf das Wesentliche, denn es ist der Roman, dieser großen Schriftstellerin, den man lesen sollte. Obwohl Ton und Tempo heute etwas langsam scheinen, gelingt es Patricia Highsmith so lebendig und nachvollziehbar von der Verwirrung zweier Herzen zu erzählen, wie es der Film in keiner Minute schaffte. Der Roman war übrigens ein großer Erfolg verrät uns die Autorin in ihrem Nachwort. Und sie erklärt uns auch, warum sie sich erst nach über dreißig Jahren als Verfasserin des Buches zu erkennen gab.  Der Verlag erwartete damals, dass sie weiter Thriller schreiben sollte. Als Autorin lesbischer Bücher wollte man sie nicht haben. Auch wenn sich vieles geändert hat seitdem, ich fürchte, auch heute werden lesbische Themen in Büchern immer noch als schwierig eingeschätzt. Sicher zu Unrecht, wie die Neuentdeckung dieses Klassikers beweist.

 

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