Bücher, Rezensionen
Kommentare 3

Ein Klassiker in der Kritik: Jane Eyre

Jane Eyre Charlotte Bronte

Auch auf unserem neuen Blog wollen wir euch jeden Freitag mit Buchempfehlungen versorgen. Doch dieses Jahr muss ich leider mit einer Kritik starten. Wer nun verdutzt die Überschrift anschaut und mich beschimpfen will, wie ich denn JANE EYRE (!) – einen der berühmtesten Liebesromane der Geschichte – nicht empfehlen kann, den möchte ich von Beginn an beruhigen: Hätte ich dieses Buch vor zwei, drei Jahren gelesen, wäre meine Bewertung vermutlich anderes ausgefallen.

Aber von Anfang an: Als ich meine Weihnachtslektüre zusammenstellte und dabei einen Blick in das Bestsellerregal warf, hat mich nichts richtig angesprochen. Daher entschloss ich mich, mir ein Buch vorzunehmen, das schon lange auf meiner Leseliste stand: Jane Eyre von Charlotte Brontë. Der Roman von 1847 – damals unter Pseudonym veröffentlicht – gehört zu den Klassikern der  Britischen Literatur und erzählt die Geschichte des Waisenkindes Jane, die ihre schwere Jugend bei ihrer Ziehmutter und später im Internat überwindet und sich aus eigener Kraft aus ihren ärmlichen Verhältnissen befreit. Einige meiner Kollegen lernten die weniger bekannte der Brontë-Schwestern (Emily Brontë schrieb Wuthering Heights/Sturmhöhe) bereits in der Uni kennen. Ich jedoch stolperte in zeitgenössischen Liebesromanen immer wieder über einen gewissen Mr. Rochester, der ein ganz besonderes Exemplar von Mann zu sein schien.

Wenn ich mir die Leitmotive des Romans und die Komplexität der Geschichte vor Augen führe  – besonders vor dem Hintergrund der Entstehungszeit – ist Brontës Roman ohne Frage ein beeindruckendes Werk. Es gibt Intrigen und Geheimnisse, Magie und für totgeglaubte Ehefrauen, Fremde, die sich als Verwandte entpuppen, und unverhoffte Erbschaften. Die Schauplätze sind detailreich und lebhaft, die Figuren entwickeln sich im Laufe des Romans und überraschen den Leser ein ums andere Mal. Die Protagonistin ist bewundernswert bestimmt und ohne Zweifel eine besondere Figur für diese Epoche. Aber musste man die Geschichte wirklich auf 550 Seiten ausweiten?! Die seitenlangen Beschreibungen von Höfen und Räumen, Küchen und Kindern haben mich zwischenzeitig so gelangweilt, dass ich bis zum nächsten Dialog gesprungen bin. Und diese waren dann irgendwie auch zu lang und kompliziert.

Vielleicht bin ich die viktorianische Sprache nicht gewöhnt oder war nicht in der Stimmung für schwierige Lektüre, vielleicht muss ich als Lektorin auch so viel lesen, dass mich diese epische Länge abgeschreckt hat … Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls kein Fan von Jane und Mr. Rochester geworden. Da lese ich lieber von Mr. Darcy  – der ist mindestens so unnahbar und grantig wie Mr. Rochester.

Habt ihr den Roman gerne gelesen? Und konntet ihr euch für Mr. Rochester erwärmen?

PS: Allerdings gibt es eine Verfilmung mit Michael Fassbender! Der passt zwar optisch gar nicht zu Brontës Helden, aber ein Film mit einem unfreundlichen, strengen und hässlichen Schauspieler wäre wohl auch kein Verkaufsschlager. Bestimmt schaue ich mir den Film mal an einem verregneten Sonntag an.

 

 

3 Kommentare

  1. anna sebald sagt

    Ich finde, dass bei Jane Eyre jedes einzelne Wort seine Berechtigung hat. Vielleicht sind viele Rezipienten heutzutage einfach zu verwöhnt von einfach geschriebenen Büchern, actionreichen Serien und schnellen Schnitten?
    Ich habe mich (leider) mittlerweile auch an extrem schlicht geschriebene Texte und permanente Lacher gewöhnt, aber Jane Eyre habe ich zum ersten Mal als Teenager gelesen, und ich liebe das Buch bis heute.
    Vielleicht geben Sie dem Roman noch eine Chance und lesen ihn noch einmal in Ruhe im Urlaub (oder jedenfalls ohne Internet und ohne Fernseher nebenbei)? Möglicherweise entdecken Sie dann auch in den „langweiligen“ Szenen etwas mehr. Das Buch hätte es verdient.

    • Eileen sagt

      Liebe Frau Sebald,

      ich bin überzeugt, dass Tausende anderer Leser Ihrer Meinung sind, und vielleicht haben Sie recht und ich habe den Roman einfach zum falschen Zeitpunkt gelesen. Aber kennen Sie das nicht auch, dass man manchmal in Geschichten einfach nicht reinkommt, obwohl man weiß, wie gut der Text eigentlich ist? So ging es mir leider. Ich habe dennoch den Reiz und die Meisterschaft in Brontes Geschichte gesehen und dies auch versucht, in meiner „Kritik“ zum Ausdruck zu bringen. Aber ja, vielleicht sollte ich Jane noch eine Chance geben. Mit mehr Ruhe und Geduld …

  2. Hey,
    ich nehme Klassiker immer anders auf, als die zeitgenössische Literatur, sonst hätte ich zu viele Ansprüche daran. Jane Eyre fand ich echt gut, mich hat jedoch gestört, dass Janes Kindheit so viele Kapitel in Anspruch genommen hat, den Anfang hätte man etwas kürzen können. Ansonsten fand ich die anderen Beschreibungen toll.
    lg. Tine =)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.