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COUNTDOWN Tag 4 – Cornwall! In dieser magischen Landschaft spielt Kate Mortons neuer Roman

Cornwall

Habt Ihr schon mal von dieser mystischen, außergewöhnlich schönen Ecke am äußersten westlichen Ende von Großbritannien gehört? Cornwall ist ein wahrgewordener Traum! Wellenumtoste, wilde Küsten, verwunschene Wälder und vergessene Landsitze. Das perfekte Setting für Das Seehaus. Kate erzählt Euch hier, warum Cornwall so besonders ist.


Kate Morton über Cornwall

Solange ich denken kann, verbindet mich mit Cornwall eine Art Liebesaffäre. Es ist ein wunderschöner, unvergleichlicher und bezaubernder Ort, den ich nicht nur im echten Leben gern bereise, sondern auch in meiner Fantasie. Ich bin ein Mensch, der stark von visuellen Reizen inspiriert wird. Dabei ist es egal, ob ich auf dem Land oder in der Stadt, draußen oder drinnen bin, ob es sich um Natur oder vom Menschen Geschaffenes handelt: Ich liebe Landschaften, den Himmel und das Meer, den Anblick von alten Schornsteinen und verwinkelten Gässchen, von versteckten Torbögen und prächtigen Gärten. Außerdem habe ich ein großes Faible für Musik, Kunst und Theater und natürlich Geschichte. Der Gedanke, dass uns die Vergangenheit stets umfängt, fasziniert mich. Und gleichzeitig jagt er mir einen wohligen Schauer über den Rücken.

Mich zieht es vor allem an Orte, die mich fühlen lassen, und Cornwall – mit seinen windgepeitschten Küsten und wunderschönen Wildblumen, seinen üppigen Gärten und weiß gekalkten Häusern, mit seiner von Geschichte, Mythos und Magie geprägten Atmosphäre – ist ein solcher Ort. Als ich die Welt von Das Seehaus erschuf, suchte ich nach einem Setting für meine Geschichte, in dem ein verlassenes Haus völlig verwildert und in Vergessenheit gerät. In den 1930er-Jahren, als die Geschichte der Familie Edevane einsetzt, ist Loeanneth ein überaus kultivierter Ort mit gepflegten Gärten und einem effizienten Haushaltspersonal – der Landsitz einer vornehmen Familie, die ein vornehmes Leben führt.

Als Alice Edevane am Morgen des alljährlichen Mittsommerfests vom Haus aus über den Garten blickt, macht sie folgende Beobachtungen:

Die Hände an die Scheibe gedrückt, ließ sie ihren Blick schweifen. Weiße und rosa Rosen, deren Blütenblätter glänzten, herrliche Pfirsiche am Spalier entlang der Gartenmauer, der lange See, der im Morgenlicht silbrig schimmerte. Das ganze Anwesen war perfekt herausgeputzt und hergerichtet.

Das Landgut Loeanneth des Jahres 1933 ist natürlich ein locus amoenus, ein „lieblicher Ort“. Wie immer bei diesem literarischen Topos verkörpert das Anwesen einen idealisierten Ort der Abgeschiedenheit und Abgeschlossenheit, der den Figuren ebenso wie dem Leser ein Gefühl von Vertrautheit und Zugehörigkeit vermittelt. Doch das Haus mit seinen Gärten befindet sich inmitten einer wilden und zerklüfteten Landschaft, umgeben von dichten Wäldern und unweit des Meeres, wo das Geräusch der sich brechenden Wellen allgegenwärtig ist. Darum war es nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich die Natur diesen Ort innerhalb kürzester Zeit zurückerobern würde, nachdem sich die Tragödie ereignet hat. Nach dem Verschwinden des kleinen Theo ist die Familie Edevane am Boden zerstört und beschließt, ihren Landsitz zu verlassen und nach London zurückzukehren. Siebzig Jahre vergehen, ehe Sadie Sparrow, eine vorübergehend beurlaubte Polizistin, zufällig auf den einst so idyllischen See stößt. Was sie vorfindet, unterscheidet sich erheblich von der heilen Welt des Jahres 1933.

Eine tintenschwarze Wasserfläche breitete sich vor ihr aus, spiegelglatt und reglos. Trauerweiden säumten den See, und in der Mitte erhob sich ein schlammiger Hügel, eine Art Insel. Es wimmelte von Enten, Blesshühnern und Teichhühnern, und über allem lag ein intensiver erdiger Geruch. Dunkle, glänzende Vogelaugen starrten sie an. Eine gespenstische Szenerie.

Auch am Haus sind die Jahrzehnte nicht spurlos vorübergegangen:

Aus der Nähe sah sie, dass das Haus ebenso verwahrlost war wie die Gartenanlage. Überall lagen Scherben von heruntergefallenen Dachpfannen, im oberen Stockwerk war eine Fensterscheibe zerbrochen. Der Rest des Glases war über und über mit Vogelkot bedeckt, der in weißen Streifen über die Fensterbank bis ins glänzende Blattwerk der Kletterpflanze verlief.

Es ist, als ob das Haus in einem Dornröschenschlaf liegt – ein Sinnbild für die Familie Edevane, die die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1933 nie ganz überwinden konnte – und nur darauf wartet, dass die Wahrheit es wieder zum Leben erweckt. In der Vorbereitung für Das Seehaus habe ich viel Zeit mit der Recherche über Cornwall verbracht, aber erst, als ich den fertigen Roman Korrektur las, konnte ich tatsächlich vor Ort recherchieren. Das war ein ganz unwirklicher Moment, als ob ich durch eine geheime Pforte die Welt meines Romans beträte und meine Geschichte plötzlich Realität würde. Ich spazierte auf den Klippen über die gleichen Pfade, auf denen Sadie entlangläuft, blickte über dieselben zerklüfteten Küsten und das weite Meer. Und ich besuchte herrschaftliche Landsitze, die genauso aussahen, wie ich mir Loeanneth vorgestellt hatte, bevor die Familie Edevane das Haus für immer verließ.

Entlang der Küste von Cornwall gibt es zahlreiche malerische Küstenwanderwege, doch einige der schönsten befinden sich an der Nordküste.Diese Fotos sind an einem herrlichen Sommertag in der Nähe von Boscastle entstanden: Hummeln tummelten sich auf den Blumen, Möwen segelten kreischend übers Meer, und Kühe und Pferde grasten zufrieden in den nahe gelegenen Feldern und nahmen keinerlei Notiz von uns.

Es war einfach atemberaubend, durch diese wunderschönen Wildblumen zu spazieren, während die Wellen weiter unten gegen die Klippen peitschten und sich der Himmel strahlend blau über uns wölbte. Eines meiner Lieblingshäuser in Cornwall ist ein alter elisabethanischer Landsitz inmitten prachtvoller Gärten in Trerice in der Nähe von Newquay. Ich bin dort bereits mehrere Male gewesen, und einmal hatten wir traumhaftes Wetter. Es war einer dieser Tage im August, an denen die Luft angenehm warm ist und die Zeit stillzustehen scheint. Am Himmel war keine Wolke zu sehen, und die Blätter und Blumen im Garten glänzten im Sonnenschein. Dieser Anblick erinnerte mich stark an Loeanneth. Daran, wie es ausgesehen hätte an jenem Morgen im Juni 1933, als das Personal die letzten Vorbereitungen für das Mittsommerfest traf, das an diesem Abend stattfinden sollte.

Bei unserer Fahrt entlang der schmalen, gewundenen Straßen von Cornwall, vorbei an hochgewachsenen Hecken, passierten wir unzählige Dörfer mit ihren typischen weiß gekalkten Hausfassaden und Fischerbooten, die nur darauf warteten, erkundet zu werden. Besonders ein Dorf namens Portloe hatte es mir angetan, und ich konnte regelrecht vor mir sehen, wie sich Berties Cottage in den Hügel schmiegt und das weite, tiefblaue Wasser des Atlantiks überblickt.

Ein anderes Dorf, das sich mir einprägte, war Polperro, das mich mit seinen Kopfsteinpflastergassen und schiefen Cottages an die Szenen erinnerte, in denen Sadie durch das Dorf nahe Berties Haus zur Bibliothek läuft, um dort Nachforschungen zum Fall Edevane anzustellen. Als ich im Sommer auf den Spuren meiner Figuren wandelte, lernte ich Cornwall von einer ganz neuen Seite kennen. Während ich zuvor nur aus der Ferne geschwärmt hatte, konnte ich diese wunderschöne Region nun mit eigenen Sinnen erfahren – sie sehen, fühlen, riechen und hören. Und während die Welt aus dem Seehaus um mich herum zum Leben erwachte, kamen mir zugleich lauter Ideen für neue Geschichten. Cornwall ist für mich ein ganz besonderer Ort, an dem ich mich unglaublich geerdet fühle, der mich inspiriert und an den ich sicher noch oft zurückkehren werde – ob im echten Leben oder in meiner Fantasie.

Alle Fotos © Kate Morton

Übersetzung des Interviews von Janine Malz

PS: Wenn ihr Das Seehaus gewinnen wollt, macht bei unseren Gewinnspiel – sammelt die den farbigen Buchstaben in den ersten sechs Posts zum Countdown. Alle sechs aneinandergereiht ergeben das Lösungswort.

6 Kommentare

  1. Wow, das sind wunderschöne Fotos, vielen Dank dafür.
    Es gibt so viele tolle Flecken auf der Erde – Cornwall gehört ganz sicher dazu.

    Viele Grüße
    Babsi

  2. Sonjas Bücherecke sagt

    Hallo,

    ich bin begeistert. Ich weiß schon warum Cornwall auf meiner Wunschliste für Urlaube ganz oben steht. Seit ich denken kann, will ich einmal meinen Urlaub dort verbringen. Ich hoffe, daß es demnächst einmal klappt.

    Wenn ich die Augen schließe und mir die traumhaften Bilder vorstelle, befinde ich mich zumindest geistig in Cornwall.

    Wünsche einen schönen Tag.
    LG Sonja

  3. Wow, was für eine wundervolle bildhafte Darstellung von Cornwall und der Landschaft, dem Ort, dem See und Haus zu den verschiedenen Zeitepochen. Beim Lesen hat man das Gefühl dort zu sein und alles mit eigenen Augen zu sehr und die Empfindungen der Natur zu fühlen. Dazu diese traumhaften Fotos…. Es weckt die Sehsucht für einen Urlaubsaufenthalt.
    Danke für diese tolle Beschreibung.
    LG Rose

  4. Marion sagt

    Was für tolle und stimmungsvolle Fotos! Ich muss da auch unbedingt mal hin, damit ich die Romane, die dort spielen, so richtig „nachfühlen“ kann…

    • Carolin sagt

      Ja, die Fotos hat Kate gemacht – wir finden sie auch ganz großartig. Danke für deinen Kommentar!

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