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COUNTDOWN Tag 5 – Und, neugierig geworden? Wollt Ihr noch mehr über Kate Morton erfahren?

Freundin mit Kate Morton

Schaut doch heute mal in die Frauenmagazine Madame (die März-Ausgabe) oder in die freundin (erscheint heute) hinein! Auf der freundin findet Ihr sogar eine Leseprobe aus Das Seehaus. Im Interview erzählt Euch Kate ganz offen und überhaupt viel von sich selbst und ihrer Inspiration. Wir finden: Sehr lesenswert! Für alle, die heute noch keine Ausgabe der freundin in Händen halten, hier auch für euch das Interview mit Kate.


 

Mit Ihren Familienromanen, denen stets ein großes Geheimnis innewohnt, haben Sie enormen Erfolg und zugleich ein neues Genre erschaffen. Was hat Sie dazu inspiriert, über Familien und deren Geheimnisse zu schreiben? Und was hat Sie dazu bewogen, die Geschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen?

Ehrlich gesagt stand für mich nie zur Debatte, worüber ich schreiben würde, da mich Familien seit jeher faszinieren – ihre Geheimnisse, ihre komplexen Beziehungsgeflechte und wie sich diese Beziehungen wandeln. Genauso fesseln mich die Häuser, in denen das Leben stattfindet. Vor allem aber interessiert mich, wie die Vergangenheit ihre Schatten in die Gegenwart wirft. Die historischen Anwesen und die dort ansässigen Familien bergen unzählige Geschichten und erzählen viel über den Wandel der Zeit.

Was, glauben Sie, macht Ihre Romane so erfolgreich?

Die Antwort darauf fällt mir schwer, denn ich habe meine Bücher ja nie aus der Perspektive des Lesers gelesen. Beim Schreiben geht es mir einfach darum, meinen Lesern dasselbe Erlebnis zu ermöglichen, das ich als Kind hatte, wenn ich völlig in eine Geschichte eintauchen und die reale Welt rings um mich herum vergessen konnte. Wenn mir das mit meinen Büchern gelingt, macht mich das glücklich.

Wie entstehen die Ideen zu Ihren Romanen? Basieren sie auf Ihren eigenen Erlebnissen und Ihrer Kindheit? Und falls ja, inwiefern?

Ideen entstehen jederzeit und überall, und letztlich setzt sich ein Buch aus Tausenden solcher Ideenfetzen zusammen, die miteinander verwoben eine Geschichte ergeben. Was ich beim Schreiben am allerliebsten mag, ist die erste Phase, in der ich meiner Fantasie einfach monatelang freien Lauf lasse, Ideen entwickle und mir Notizen mache. Ich schreibe mir dabei alles auf, was mich interessiert, bis sich all diese unterschiedlichen und fragmentarischen Inspirationen langsam zusammenfügen und die Geschichte Gestalt annimmt. Es ist eine unglaublich schöne und kreative Phase, in der ich noch frei von dem Anspruch bin, die »richtigen Worte« finden zu müssen, in der alles möglich ist und es völlig offen ist, wohin die Reise mich letztlich führt. Kenne ich das aus der Kindheit? Als ich klein war, arbeitete meine Mutter als Antiquitätenhändlerin, und ich bin mir sicher, dass mich das in gewissem Maße geprägt hat. Ich war ständig von Gegenständen aus vergangenen Zeiten umgeben und habe mich immer gefragt, welche Geschichten sich wohl damit verknüpfen: wo sie wohl einst standen und wem sie gehörten, ehe sie zu uns gelangten.

Wie würden Sie Ihr neuestes Buch Das Seehaus in drei Sätzen beschreiben?

Bei einem schillernden Mittsommerfest auf einem prächtigen englischen Landsitz verschwindet im Juni 1933 ein Kind spurlos. Die Familie ist am Boden zerstört, und nachdem die Suche der Polizei im Sand verläuft, beschließen sie, das Anwesen für immer zu verlassen. Siebzig Jahre später stößt eine Polizistin aus London zufällig auf den ungeklärten Fall des verschwundenen Kindes, der sie nicht mehr loslässt …

Wenn Sie eine Figur aus Das Seehaus im echten Leben treffen könnten, wen würden Sie wählen?

Auf jeden Fall Alice. Zum einen würde ich ihr gern allerlei Fragen zum Schreiben stellen, und zum anderen hatte ich schon immer ein Faible für sehr direkte, kluge und forsch auftretende ältere Damen, die vielleicht nicht sofort bei jedermann auf Sympathie stoßen.

Das Seehaus ist (wie viele Ihrer Romane) vor der Kulisse von Cornwall angesiedelt. Was verbindet Sie mit dieser Region? Und was sind Ihre Lieblingsorte in Cornwall?

Solange ich denken kann, bin ich in Cornwall gewissermaßen aus der Ferne verliebt. Es ist ein wunderschöner, unvergleichlicher und bezaubernder Ort, den ich nicht nur im echten Leben gern bereise, sondern auch in meiner Fantasie. Diese Region muss man einfach lieben: die alten Schmugglerpfade, die vom Wind gepeitschten Küsten, die üppigen Gärten, Tintagel, The Lost Gardens of Heligan, Daphne du Maurier, das Verschmelzen von Gegenwart und Vergangenheit, die Feenmärchen und Sagen, die Geschichten und Legenden, die Mythen und die ganz besondere Magie, die diesen Landstrich umfängt … Die Liste könnte ich ewig weiterführen! Ich gehe gern spazieren, vor allem in der Natur, und die Küstenpfade in Cornwall sind von überwältigender Schönheit. Einige meiner Lieblingsorte befinden sich an der Nordküste, in der Nähe von Boscastle, wo hoch oben auf den zerklüfteten Klippen farbenprächtige Wildblumen wachsen.

Sie selbst leben in Brisbane in Australien, und dennoch sind all Ihre Romane in England angesiedelt. Was hat Sie dazu bewogen?

Meine Liebe zu England entstand schon in frühester Kindheit, als ich lesen lernte und mich regelmäßig in das alte englische Kinderbuch Der Zauberwald von Enid Blyton vertiefte. Damals wurde England für mich zu einem ähnlich magischen und „fremdartigen” Ort wie Narnia. Mit siebzehn kam ich dann das erste Mal auf die Insel, und es war, als würde ich durch eine magische Pforte hindurch in die Fantasiewelt meiner Kindheit treten. Seither habe ich das Land mit jedem Besuch besser kennengelernt und mich in seine Landschaft, Architektur, Geschichte, Literatur und in seine Menschen verliebt. Vor allem London bin ich verfallen: eine unglaublich dynamische Stadt, in der sich Tradition und Fortschritt aneinander reiben, miteinander verschmelzen und alles beständig im Fluss ist.

Das Seehaus ist Ihr fünfter Roman. Gibt es eines Ihrer Bücher, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Jedes einzelne ist mir auf seine Art wichtig, aber mein Lieblingsbuch ist immer das, das als Nächstes folgt. Sobald ich ein Buch fertig geschrieben habe, schließt sich für mich die Tür zu dieser Welt (während sie sich für die Leser gleichsam öffnet). Das ist der Augenblick, in dem mein Kopf und mein Herz sich dem nächsten Projekt zuwenden und sich mit allerhand neuen Ideen, Vorhaben und Träumen zu füllen beginnen.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Ich lese querbeet: Grundsätzlich mag ich, wenn ein Autor einen prägnanten Stil besitzt und die Protagonisten und Schauplätze so plastisch beschreibt, dass ich sie vor mir sehen und riechen kann. Ich liebe Bücher mit einem ironischen Blick auf die Dinge und einem Rätsel, das ich nicht lösen kann, sosehr ich mich auch anstrenge. Und ich mag Bücher, die mich zum Nachdenken anregen. Aber vor allem schätze ich eine gut erzählte Geschichte, die mich so sehr in ihren Sog zieht, dass ich das Buch gar nicht mehr beiseitelegen kann. Zuletzt habe ich das Sachbuch Rising Ground von Philip Marsden sowie den Roman The Forgetting Time von Sharon Guskin mit Begeisterung gelesen.

Wann und wie haben Sie zum ersten Mal Ihr Talent fürs Schreiben entdeckt?

Meine Liebe zum geschriebenen Wort begann, als ich mit fünf Jahren lesen lernte. Englisch war immer eines meiner Lieblingsfächer in der Schule, und ich hatte gute Noten. Doch mir kam nie der Gedanke, dass Schriftsteller echte Menschen sind und dass ich diesen Beruf ergreifen könnte. Mit dem Schreiben habe ich erst mit Anfang zwanzig angefangen. Damals wusste ich zwar nicht, ob ich Talent dafür besaß, aber ich spürte auf Anhieb, dass es nichts gab, was ich lieber tun wollte.

Gibt es schon Pläne für das nächste Projekt?

Ja, die Idee zu meinem nächsten Buch begleitet mich bereits seit einiger Zeit. Das Problem ist nur, dass ich als Autorin quasi monogam lebe: Offenbar habe ich Schwierigkeiten, mich einer neuen Geschichte mit ganzem Herzen zu widmen, solange ich mich gedanklich noch mit der vorherigen beschäftige. Deshalb bleibe ich noch bis Dezember, wenn der erste Schwung meiner Lesungen endet, glücklich mit dem Seehaus verheiratet. Das heißt nicht, dass die Figuren, Schauplätze und Geschichten des nächsten Buches gänzlich aus meinem Kopf verschwinden, doch sie bleiben bis dahin nur schemenhafte Gebilde am Rande meiner Wahrnehmung – in etwa so, wie wenn man sich darauf freut, einen früheren Traum weiterzuträumen.

PS: Habt ihr den farbigen Buchstaben entdeckt? Im gesamten Countdown verstecken sich sechs davon, die aneinandergereiht das Lösungswort ergeben – eure Chance, zu gewinnen!

So geht’s weiter:

COUNTDOWN Tag 4 – Cornwall! In dieser magischen Landschaft spielt Kate Mortons neuer Roman

6 Kommentare

  1. Ein sehr aufschlussreiches und interessantes Interview. Da lernt man die Autorin gleich noch besser kennen. Habe mir die „Freundin“ gekauft und bin von der Leseprobe begeistert.

  2. Sonjas Bücherecke sagt

    Hallo,

    wieder ein toller BEitrag, der immer mehr Lust auf Bücher von Kate Morton macht.
    Wünsche einen schönen Tag.
    LG Sonja

  3. Guten Morgen,

    danke für das schöne Interview.
    Jetzt hab ich noch mehr Lust auf das Buch bekommen.

    Ich liebe Familiengeschichten! 🙂

    Viele Grüße
    Babsi

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