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Countdown Tag 1: Interview mit Elizabeth Enfield

Elizabeth Enfield

Ivy und Abe“ ist eine Liebesgeschichte. Zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind, begegnen sich zu verschiedenen Zeiten in ihrem Leben. 

Wie kamen Sie auf die Idee, die Protagonisten in ganz unterschiedlichen Konstellationen zu porträtieren?

Die Frage, die im Mittelpunkt des Romans steht, lautet: „Gibt es den Richtigen oder nur den richtigen Zeitpunkt?“ Ich hatte dabei zwei Menschen im Kopf, die sich stark zueinander hingezogen fühlen, die Umstände jedoch verhindern, dass sie zusammenbleiben. Die einzelnen Episoden erzählen, was passiert wäre, wenn sie sich  beispielsweise 2015 oder 1996 kennengelernt hätten. Ich glaube, darin kann sich jeder wiederfinden. Wir alle haben Beziehungen zu Menschen erlebt, die zu einem anderen Zeitpunkt oder unter anderen Umständen anders verlaufen wären.

Als sich Ivy und Abe zu Beginn des Romans begegnen, sind sie siebzig. Dann erzählen Sie deren Geschichte rückwärts, mit jeder Begegnung werden die beiden jünger, bis sie am Ende des Buches Kinder sind. Warum haben Sie sich für diese umgekehrte Chronologie entschieden?

Diese Erzählweise spiegelt wider, wie wir Menschen normalerweise kennenlernen. Wenn wir jemand Neuem begegnen, fragen wir zunächst nach seiner gegenwärtigen Situation, bevor wir nach und nach etwas über die Vergangenheit erfahren. So finden wir auch über Ivy und Abe heraus, was sie zu den Menschen gemacht hat, die sie am Ende ihres Lebens sind.

Im ersten Kapitel unterhalten sich Ivy und Abe über das Verhalten kleiner Teilchen wie Elektronen, die in der Vergangenheit miteinander interagiert und sich dann voneinander entfernt haben. Was hat die Quantenphysik mit Ihrem Roman zu tun?

Als ich mich mit der Struktur des Romans beschäftigte, stieß ich auf die Quantenphysik und erkannte Parallelen zu menschlichen Beziehungen. So können zwei Teilchen eng miteinander verbunden sein, auch wenn sie getrennt werden. Eine Veränderung bei einem Teilchen wirkt sich auf das andere aus.

Im Buch stelle ich die Analogie her, dass zwei Menschen, die einander einmal sehr nah waren, oft noch Einfluss auf das Leben des anderen haben. Auch wenn sie getrennt sind, tragen sie ihr Leben lang etwas von dem anderen in sich.

Ivy weiß nicht, ob die Huntington-Krankheit bei ihr ausbrechen wird. Die Chancen, dass sie den dafür verantwortlichen Gendefekt von ihrer Mutter geerbt hat, stehen fünfzig zu fünfzig. Eine schwere Last für eine Frau, die selbst Kinder hat. Welche Idee steht dahinter?

Ein zentrales Thema des Buches ist die Zufälligkeit des Lebens. In Abes Vergangenheit gibt es einen Unfall, der sich in den verschiedenen Konstellationen wiederholt. Dazu suchte ich ein Gegenstück in Ivys Familie – etwas, das geschehen kann oder auch nicht, unabhängig davon, was sich sonst noch ereignet. Ich entschied mich für einen Gendefekt, der, trägt man ihn in sich, unweigerlich irgendwann zum Ausbruch kommt. Diese Möglichkeit kann Ivy durch nichts beeinflussen. Es ist ihr Schicksal.

An einer Stelle sagt Ivy zu Abe: „Jemanden zu lieben, heißt, sich zu öffnen. Man nimmt in Kauf, dass der andere einen verletzen kann. Jeder hat Angst, einen anderen Menschen zu lieben, weil er weiß, dass mit der Liebe Verlust, Angst und Schmerz einhergehen – all das gehört dazu.“

Meinen Sie, dass das eine Lektion ist, die wir alle lernen müssen?

Ja, ich glaube, das ist die realistische Kehrseite des „Glücklich bis ans Ende aller Tage“. Davor fürchten wir uns häufig, wenn wir jünger sind. Wir wollen bis in alle Ewigkeit glücklich sein, aber das ist ein unrealistischer Traum. Jeder von uns wird Kummer und Sorgen, aber auch Glück und Freude erleben. Es ist unmöglich, das eine ohne das andere zu bekommen. So ist das Leben, und wir alle hoffen, dass wir, genau wie Ivy und Abe, viele innige Momente mit einem anderen Menschen erleben, für die sich all das lohnt – innige Momente in unglücklichen Zeiten ebenso wie in der Liebe.

Vielen Dank, liebe Elizabeth Enfield!

Die Autorin hat für euch exklusiv Orte fotografiert, die für ihre Protagonisten von Bedeutung sind:

© Elizabeth Enfield

Das war früher das Brighton Aquarium, wo Ivy als Kind die Delphine besucht hat – so wie ich selbst!

© Elizabeth Enfield

Der See im Regents Park: hier macht Abe Ivy mit Anfang zwanzig einen Antrag

© Elizabeth Enfield

Mont St Michel in Frankreich: Im Familienurlaub trifft Teenager Ivy auf Abe

© Elizabeth Enfield

Heuballen. Sehen harmlos aus, spielen aber eine wichtige Rolle in Abes Leben!

© Elizabeth Enfield

Granary Square: Am Ende ihres Lebens begegnen sich Ivy und Abe hier wieder

Schaut unbedingt am Montag, den 18.09. vorbei – wir haben ein tolles Gewinnspiel für euch vorbereitet …

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