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Der beste Tag der Woche

Frieda Bergmann

Nichts fürchtet Hannah in Frieda Bergmanns Roman Samstag so sehr wie den ersten Tag des Wochenendes, an dem sie meistens zu Hause sitzt und ausführlich ihr Single-Dasein bemitleidet. Bis, ja bis dieser eine Samstag kommt, an dem sie sich doch nach draußen wagt und eine Begegnung macht, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellt … Warum der Samstag der beste Tag der Woche ist, das verrät euch die Autorin Frieda Bergmann exklusiv in ihrem Gastbeitrag.


 

Der beste Tag der Woche

von Frieda Bergmann

„Ich bin jeden Samstagabend einsam!“ Das hat Jennifer Lawrence vergangenen November in einem Interview mit der Vogue zugegeben. Armes Mädchen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das jetzt beruhigend oder einfach nur schrecklich finde. Da spielt sie in Blockbustern mit, hat einen Oscar im Schrank, ist mit Chris Martin ausgegangen, und trotzdem leidet sie an Samstagabenden genauso wie wir Durchschnittsfrauen.

Dabei ist Samstag der beste Tag der Woche – auch oder gerade wenn man Single ist. Samstag bedeutet Ausschlafen, ohne vom Wecker aus den schönsten Träumen gerissen zu werden, Frühstücken im Schlafanzug und dabei gemütlich Zeitung lesen oder die Folge dieser coolen neuen Serie noch einmal ansehen, bei der man am Abend vorher auf dem Sofa eingeschlafen ist. Single-Samstage kommen mit wunderbar langen Einkaufstouren daher, die man bei einem späten Mittagessen mit den Freundinnen und viel Klatsch und Tratsch langsam ausklingen lässt. Wieder daheim angekommen, gibt es den Single-Gemütlich-Samstag auf der Couch mit einem wunderbaren Liebesroman, den man nicht einmal unterbricht, um zu Abend zu essen – die bestellte Pizza lässt sich schließlich auch wunderbar nebenher futtern – bis man schließlich wohlig einschläft (wieder auf dem Sofa) und davon träumt, dem tollen Romanhelden auch einmal im wirklichen Leben zu begegnen. Daneben gibt es selbstverständlich auch den Single-Action-Samstag: Verabredet mit seinem besten Kumpel, den man schon seit Ewigkeiten kennt und von dem man absolut nichts will (und der das glücklicherweise genauso sieht), geht man aus: ein Bier in der ersten Bar, Cocktails in der nächsten, danach Tanzen bis zum Umfallen und hemmungslos mit dem süßen Typen am Rand der Tanzfläche flirten. Seltsame Männer wird man los, indem man sich im richtigen Moment an seinen Kumpel schmiegt. Der spielt mit und freut sich, dass ihn die anderen Männer um die tolle Frau beneiden, die ihm scheinbar hemmungslos verfallen ist. Nach einem fettigen Zwei-Uhr-Morgens-Snack geht es nach Hause oder nach Hause zum Kumpel, der auch noch so sensationell zentral wohnt, und man schläft neben ihm ein. Ohne jegliches schlechtes Gewissen, ohne dass etwas passiert, aber sandkastenfreundschaftsgeborgen. Single-Samstage bedeuten unendliche Freiheit.

Aber es gibt auch noch diese anderen Samstage: An denen man früh nicht aufstehen, sondern einfach nur kuscheln will. Nur leider ist da niemand, nur die eigene Bettdecke, das Kissen und der alte Plüschdino – und die sind allenfalls ein fader Ersatz. Das Frühstück fällt aus, man hätte nämlich eigentlich Lust auf frische Semmeln, findet aber nur ollen Quark im Kühlschrank, und um zum Bäcker zu gehen, fehlt einem der Elan. Zum Anziehen hat man keine Lust und so gammelt man den ganzen Tag im Schlafanzug herum, ohne sich dabei besonders toll zu fühlen. Shopping mit den Freundinnen fällt ebenfalls aus: Erstes Wochenende im kuschligen Hotel mit dem heißen neuen Freund, Geburtstag der Schwiegermama in spe, zu viel zu tun. Alleine shoppen findet man blöd, die einzige, akzeptable Sportstunde im Studio hat schon angefangen und überhaupt bleiben einem heute nur Chips, zwei Schaukelpferdbrotscheiben (die sind so trocken, dass sie beim Belegen auf- und abwippen) und in Ermangelung von Wurst und Käse Knoblauchgrillsauce, die durch die Brotporen tropft und den Teppich bekleckert. Glücklicherweise gibt es da noch den schönen Roman, auch wenn einen das Liebesglück der Protagonisten noch ein bisschen mehr herunterzieht. Man könnte solche Samstage ja Jennifer-Lawrence-Samstage nennen, das gäbe ihnen etwas Glamouröses. Einsam fühlt man sich trotzdem. Nur eben glamourös-einsam, was es nicht eben besser macht.

Und dann geschieht etwas Unerwartetes: Auf dem Telefon ist eine Nachricht. Die allerliebste Freundin fragt an, ob man nicht Lust hätte herüberzukommen, so wie man ist, im Schlabber-Schlamperlook, um einen Serien-Marathon zu starten. Snacks – Sekt – Sex in the City – und die Gewissheit, dass es da doch jemanden gibt, jemand ganz Besonderen. Wollen wir hoffen, dass Jennifer Lawrence auch eine solche beste Freundin hat.

 

 

 

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