Autoren, Gastbeiträge
Schreibe einen Kommentar

Der Neue im Leben einer verheirateten Frau

Der Neue

Unsere Autorin Fritzi Sommer hat einen Neuen. Er ist etwas ganz Besonderes. Ihren Mann deswegen abservieren? Nein, das will sie nicht. Hier lest ihr, warum.

Du schnarchst. Direkt neben mir. Die Sonne scheint durchs Fenster – und du schnarchst. Vergisst einfach alles, machst dir das Leben schön, so wie es dir gefällt.

Du hast so viel Ähnlichkeit mit meinem Mann. Die Haarfarbe, das muskulöse Erscheinungsbild, so durchtrainiert. Ich streichle dir sanft über den Rücken, hinter dem weichen Ohr, dann setze ich mich wieder an meinen Schreibtisch und erinnere mich daran wie wir uns kennen gelernt haben. Vor ein paar Wochen, beim Italiener. Du am Tisch links von mir. Ich fand dich gleich süß. Aber nicht nur das. Ich sah in deinen Augen, dass du genau weißt, was du willst. Und gleichzeitig war da etwas ganz Sanftes, etwas, das wie ein Weichspüler auf mich wirkte.

Wir tauschten Nummern. Ganz unkompliziert. Dann kamst du zu mir. Meine Güte, war ich aufgeregt. Hatte tausend Mal alles durchdacht. Wird es dir bei mir gefallen? Wirst du dich bei mir wohl fühlen?

Und dann, nach unserem ersten Treffen, fragte ich mich: Würdest du wiederkommen? Ja. Du bist wiedergekommen. Inzwischen ist es unser festes Ritual. Mittwochs kommst du zu mir. Und wir freuen uns beide. Wie kleine Kinder. Ich weiß gar nicht, wann sich zuletzt jemand so umwerfend über mich gefreut hat, so stürmisch, so grenzenlos.

Mein Sohn? Der liebt dich abgöttisch, das war mir sofort klar. Mein Mann? Ja, die Frage ist berechtigt. Mein Mann war natürlich anfangs etwas skeptisch. Wie das werden soll.

Du bist mein Mittwochsmops, Herr Schröder, und wer weiß? Vielleicht kommst du ja auch mal montags oder dienstags, wenn Dein Herrchen keine Zeit hat. Mit oder ohne Schnarchen: Ich finde dich klasse! Aber sag das nicht meinem Mann. Denn der darf nicht schnarchen! Da werde ich fuchsteufelswild.

Und während du so neben meinem Schreibtisch auf deiner Decke liegst, denke ich mir, frei nach Loriot: Ein Mittwoch ohne Mops ist möglich. Aber sinnlos.

Fritzi Sommers neuer Roman Zum wilden Eck ist im Mai bei Heyne erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.