Kolumne
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Der Sommer der Entschleunigung

Kanada

Heutzutage kann man keine Zeitschrift mehr aufschlagen, ohne dass dort 100 Tipps und Tricks zum Thema Entschleunigung gegeben werden.Und gerade in der Sommer-Urlaubszeit gibt es vielfältige Orte, wo alles langsamer und achtsamer zugehen soll. Mich hat diese Suche nach Ruhe und Gemütlichkeit immer schon extrem gestresst. Vielleicht, weil ich ein Reisemuffel mit einem Allerweltsgeschmack bin und immer dort nach Entschleunigung suchte, wo alle anderen auch schon waren. Zum Beispiel an der Adria im August. Durch Zufall verschlug es mich dieses Jahr nach Kanada.
Auf eine einsame Insel, weit weg von Vancouver. In eine Yurte (eine Art Zelt in Großformat), ohne fließend Wasser und natürlich auch ohne Flashy (übersetzt WC, sprich, es gab nur ein P…-Klo). Die netten Gastgeberinnen boten mir an, eimerweise Blaubeeren zu ernten und mich für das Abendessen im Gemüsegarten zu bedienen. Gemeinsam versuchten wir, die Waschbären davon abzuhalten, den Pflaumenbaum zu plündern und scheiterten kläglich. Zwischendurch ging ich im kalten Meer schwimmen, erkundete Wälder, in denen ich völlig allein war oder machte einfach nichts. Nach einer Woche stellte ich fest, dass ich jeden Tag die gleiche Jeans trug, mich nicht mehr schminkte und nachts so tief und fest schlief wie zuletzt als vierjährige.

Drei Wochen später verpasste ich fast den Rückflug, weil mir jedes Zeitgefühl abhanden gekommen war. Nun sitze ich wieder im Büro, die Uhr tickt, ich muss noch tausend Dinge erledigen und trotzdem geht es mir gut. Keine Ahnung, ob ich nun entschleunigt bin. Fakt ist, dass es wichtig und gut war, sich mal auf eine völlig andere Welt einzulassen und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wenn ich an meine zerzausten Haare und dreckigen Füße denke, muss ich lachen und die Erinnerung an einen besonderen Urlaub trägt mich sicher noch eine Weile. Und falls ihr Lust habt, das auch mal auszuprobieren, hier sind alle Infos: https://www.airbnb.de/rooms/904381

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