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Die Jahresbestseller

Was wurde 2014 gelesen? Welche neuen Autoren wurden entdeckt? Wer hat die größten Erfolge gefeiert? Mit wem hätte man nicht gerechnet?

Uns als Verlag interessieren diese Fragen natürlich besonders. Schließlich wünschen wir uns nichts mehr als mit unseren Büchern ganz oben auf den Bestsellerlisten zu stehen und möglichst viele Leser zu erreichen. Wenn ich mir die Jahresbestsellerliste für 2014 so anschaue, dann fällt mir als erstes auf, dass es wenig Auffälliges gibt. Die meisten Autoren kennt man, die Genre sind auch nicht neu, und gerade in der Paperbackliste gibt es zahlreiche Titel, die schon 2013 oder sogar 2012 erschienen sind. Aber schauen wir uns die Listen der Reihe nach an.

Hardcover Belletristik

Hier fällt auf, dass kaum Liebesromane unter den Top 20 zu finden sind. Sind Liebesromane nicht hardcovertauglich? Vielleicht eine Frage, die wir ein anderes Mal klären können. Der einzig klassische Liebesroman ist Graeme Simsions Rosie-Projekt auf Platz 11. Ganz oben auf der Liste steht der Historische Roman Kinder der Freiheit von Ken Follett. Diesen Autor kennen wir schon viele Jahre, und sein Bestseller ist nun wirklich keine Überraschung. Jan Weilers Pubertier auf dem 2. Platz da schon eher. Zwar kennt man Jan Weiler als Journalist und von seinem Debütroman Maria, ihm schmeckt’s nicht, aber das dieses kleine Büchlein für 12€ ganz oben in der Hardcoverliste zu finden ist, überrascht mich nun doch. Vielleicht ist der Preis heiß?

Weiter geht es mit einem Altbekannten Jonas Jonasson, dessen Analphabetin schon 2013 erschienen ist. Darauf folgen die Bestsellergaranten Frank Schätzing, Sebastian Fitzek, Nele Neuhaus, Simon Beckett, Klüpfel und Kobr, Donna Tartt und Kerstin Gier auf den Plätzen 4-10. Es freut mich sehr, dass Letztere den Sprung von der Chick-Lit zum Jugendbuch (nennt man das Romantasie?) geschafft hat, und ich habe ihre Silber-Reihe sehr gerne gelesen!

Fazit: Wenig Liebe, viele bekannte Gesichter, kaum Überraschungen

 

Paperback Belletristik

3 von 4 heißt hier das Motto. Ein ziemlich guter Schnitt für Jojo Moyes, die mit ihren Romanen die Plätze 1,2 und 4 belegt. Ich muss ja zugeben, Ein ganzes halbes Jahr ist wirklich ein wahnsinnig gutes Buch und wurde zu Recht zum Vorreiter eines neuen Genres: Sick-Lit. Den 3. Platz hat ihr allerdings zu meiner Überraschung eine Debütantin abspenstig gemacht: Lori Nelson Spielman (so will ich auch heißen). Mit ihrem berührenden Roman Morgen kommt ein neuer Himmel über eine Mutter, die noch nach ihrem Tod ihrer Tochter den Weg weisen will, hat sie eine riesige Leserschaft erobert, und dieses geniale Cover hat sicher auch nicht geschadet. Wenn man sich dann allerdings die Top 4 in einer Reihe anschaut, sieht man 4 mal Scherenschnitte auf den Umschlägen … Zufall?

Darauf folgen drei Krimis – Krähenmädchen, Bretonisches Gold und Ich finde dich von Coben Harlan – bis dann endlich, endlich (!) E. L. James auftaucht. Was wäre eine Bestsellerliste in den letzten 2 Jahren ohne Christian Grey gewesen? Genau, grau. Am Valentinstag kommt endlich der Film. Ich muss ja gestehen, ich werde vermutlich reingehen.

In der Paperbackliste insgesamt gibt es schon deutlich mehr Liebe als im HC: Jojo Moyes, Shades of Grey, Helen Fielding (Platz 10) und Guillaume Musso.

Taschenbuch Belletristik

Und auch hier, wie in der Paperbackliste, steht eine Krankheitsgeschichte auf Nummer 1. Der großartige John Green hat 2012 ein Jugendbuch mit dem Originaltitel The Fault in Our Stars (aus einem Shakespear-Zitat) geschrieben, das der Hanser Verlag unter dem – zugegeben genialen – Titel Das Schicksal ist ein mieser Verräter herausgebracht hat. Green hat noch nie vor schwierigen Stoffen zurückgeschreckt, was bereits seine früheren Romane beweisen, und auch die Geschichte von Hazel und Augustus hat einen schwer erträglichen Gegenstand. Wer will schon von krebskranken Kindern lesen? Ich, ich, ich – muss man hier rufen, denn eine so spannende, komische, immer wieder ergreifende, aber nie kitschige Geschichte habe ich selten gelesen. Meiner Meinung nach absolut verdient auf Platz 1 der Jahrescharts.

Beim 2. Platz muss ich leider ein wenig Stöhnen, wenngleich ich die Geschichte des klapprigen Hundertjährigen, der aus seinem Altenheimfenster stieg, sehr genossen habe (damals vor 3 Jahren). Aber wird es nicht langsam Zeit für andere Autoren die Charts zu stürmen? Na, vielleicht ist es am Jahresende von 2015 ja wenigstens aus den Top 5 verschwunden …

Direkt nach dem Schweden steht eine Debütantin und für mich nach Lori Spielman die nächste Überraschung des Jahres. Wo kam denn so plötzlich diese Mary Simses her? Und kann mir jemand erklären, was so toll an ihrem Roman ist? Ich will hier keine Bücher schlecht machen, aber den Hype um dieses Buch habe ich wirklich nicht verstanden. Die Verpackung ist super (geriffeltes Cover, Blaubeerrezept auf der Innenklappe, guter Titel), aber die Geschichte haben wir doch schon hundertmal gelesen, oder? Bitte widersprecht mir, wenn ihr anderer Meinung seid (Auf unserem neuen Blog gibt es tolle Kommentarfelder!). Aber der Erfolg straft mich Lügen, und Mary Simses‘ Sommer der Blaubeeren hat das Rennen um das Sommergeschäft klar gewonnen.

Auf den Plätzen 4-10 stehen Romane, die bereits ein erstes Leben im Hardcover hatten: Wolfgang Herrndorfs Tschick, Anne Gesthuysens Wir sind doch Schwestern, Gillian Flynns Gone Girl (der beste Psychothriller, den ich seit einer Ewigkeit gelesen habe), Rachel Joyce‘ Unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, Mark Elsbergs Blackout und Dan Browns Inferno. Damit ist Mary Simses‘ Roman das einzige Originaltaschenbuch unter den Top 10.

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