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Ein französischer Sommer

Ein französischer Sommer Cover vor blauem Himmel

Wir haben Jessica Brockmole ein paar Fragen zu ihrem zweiten Roman gestellt.

In Ein französischer Sommer geht es um die junge Clare, die 1911 nach dem Tod ihres Vaters von Schottland nach Frankreich geschickt wird. Allein in der Fremde findet sie Trost bei Luc, dem Sohn ihrer Gastgeber. Gemeinsam erleben sie einen unvergesslichen Sommer im verwunschenen Schlossgarten seiner Eltern. Als Clares Großvater auftaucht und sie auf seine Weltreisen mitnimmt, werden die beiden getrennt und es vergehen Jahre, bevor sie nach Frankreich zurückkehrt. Doch der Krieg hat Lucs Leben unwiderruflich verändert. Ist die Liebe jenes Sommers stark genug, um wieder zueinanderzufinden?

Die Autorin hat uns sehr interessante Antworten zu ihrem Roman, den Figuren und der Ideenfindung gegeben.

Ein französischer Sommer beschreibt einen Sommer im ländlichen Frankreich mit all seinen Farben und seiner Schönheit. Warum haben Sie die Picardie als Hauptschauplatz Ihres Romans gewählt?

Zu Beginn habe ich einfach einen Schauplatz in Frankreich verwendet, der mir schon vertraut war. Ich habe schon einmal über die Picardie recherchiert, während ich meinen ersten Roman schrieb. Die Geographie der Gegend hat dann meine Entscheidung für dieses Setting noch bestärkt. Ich fand heraus, dass die Region mit Kalkstein-Höhlen und mittelalterlichen Steinbrüchen übersät ist, von denen viele während des Ersten Weltkriegs zu Quartieren umfunktioniert wurden. Soldaten, die dort zur Erholung von der Front untergebracht waren, nutzten die Wände, um sehr bewegende Kunstwerke zu schaffen. Manche sind Gedenktafeln ihrer Truppeneinheit, manche allegorische Szenen, manche Repräsentationen der Dinge, die sie von Zuhause vermissen (Ehefrauen, Kinder, eine gute Tasse Kaffee). Ich wusste, dass mein Roman in so einer Landschaft spielen musste, die an der Oberfläche vom Krieg gezeichnet, aber darunter voller Schönheit ist. Es schien mir symbolisch für meine Geschichte.

Bei ihrer ersten Begegnung im Sommer 1911 ist Clare fünfzehn und Luc neunzehn. Was ist das Besondere an ihrer jungen Freundschaft und Liebe, das über Jahre einen so nachhaltigen Eindruck bei beiden hinterlässt?

Sie begegnen sich an Wendepunkten in ihren Leben. Clare sucht nach einem Zuhause, nachdem ihr Vater gestorben ist. Luc ist etwas älter, aber nicht weniger unsicher, was seine Zukunft betrifft und wo er hingehört. Sie sind beide alt genug, um in die Zukunft zu blicken, aber immer noch jung genug, um zu versuchen, ihren Platz im Leben zu finden. Sie ermutigen einander, verstehen die Ängste des anderen und unterstützen gegenseitig ihre Träume. Das ist das Fundament, auf dem sie ihre Freundschaft und irgendwann auch ihre Liebe bauen.

Dann werden sie auseinander gerissen. Beide Protagonisten verändern und entwickeln sich während der Jahre ihrer Trennung. Clare bereist mit ihrem Großvater die weite Welt und wird eine unabhängige Künstlerin. Der behütet aufgewachsene Luc steht nach dem Kriegsdienst vor den Trümmern seiner Träume. Wie beeinflussen und helfen sich die beiden?

Neben seiner verträumten Seite, ist Luc auch sehr lebenspraktisch veranlagt. Clare hingegen ist manchmal zu idealistisch, glaubt, dass die Kunst wichtiger ist als das richtige Leben. Sie gleichen sich gegenseitig aus: Luc rät Clare, manchmal mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben, Clare hingegen ermutigt ihn, auch vom Fliegen zu träumen.

Ein weiteres Thema im Roman ist Vertrauen. Clare, die in jungen Jahren von ihrer Mutter verlassen wurde, hat Probleme, anderen zu vertrauen. Luc ist in einem liebevollen und intakten Haushalt aufgewachsen und zieht sie hinein in seine Welt, gibt ihr Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen. Dieses Vertrauen wird für beide Figuren auf die Probe gestellt, und sie müssen lernen, sowohl in der Zeit ihrer Trennung als auch bei ihrem Wiedersehen, das Vertrauen des anderen erneut zu gewinnen.

Die Geschichte wird sowohl aus Clares als auch aus Lucs Perspektive erzählt. Ist Ihnen eine Stimme leichter gefallen, und welcher Figur fühlen Sie sich näher?

Anfangs fiel mir Lucs Stimme leichter beim Schreiben. Ich erinnere mich gut an dieses Alter, das Schweben zwischen Kindheit und Erwachsensein, den Versuch, mich für einen Weg zu entscheiden, unsicher, ob ich die richtigen Entscheidungen traf. Clare war schwieriger zu verstehen. Ich habe selbst nie einen Elternteil verloren oder wurde fortgeschickt, um in der Fremde zu leben. Ich habe mir schließlich ihre Einsamkeit und ihre Suche nach Zugehörigkeit vorgenommen, womit ich mich identifizieren konnte.

 In Ihrem Roman thematisieren Sie den Konflikt einer Künstlerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich zwischen der traditionellen Rolle der Selbstverwirklichung zerrissen fühlt. Da ist Lucs Mutter, die ihre Kunst für ihren Mann aufgibt, und dann gibt es Clares Mutter, die ihre Tochter verlässt, um ihre Träume zu erfüllen. Was hat Sie an diesem Konflikt fasziniert?

Ich habe einige Nachforschungen über Frauen in der Kunst im frühen 20. Jahrhundert betrieben. Ihre Ausbildung war oft hart verdient, und viele haben ihre künstlerische Karriere dadurch erbittert beschützt, indem sie sich gegen Heirat und Kinder entschieden. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte sich unsere Gesellschaft davon kaum weiterentwickelt. Heutzutage kämpfen Frauen immer noch darum, Familie und Karriere zu verbinden. Ich entschied mich dafür, über diesen Konflikt zu schreiben, weil er auch Teil meines Leben ist: die Aufgabe, meine Rollen als Mutter, Ehefrau und berufstätige Frau auszubalancieren.

Ein französischer Sommer ist voll von Ihrem Verständnis für den künstlerischen Prozess und Ihrem Wissen um Interpretation und Ausdruck. Was hat Sie dazu inspiriert, Kunst als die treibende Kraft der Charaktere zu wählen?

Anfangs wählte ich das Thema Kunst wegen seines großen Potenzials an menschlichen Dramen. Zudem war die Kunst damals für Frauen eine Gelegenheit, eine Karriere anzustreben, die sie in anderen Bereichen nicht haben konnten. Dieses Sprachrohr verlieh ihnen eine Stimme in männlich dominierten Gesellschaften und ließ sie ihre Geschichten erzählen. Gleichzeitig stellt die Kunst einen direkten Kontrast zu den Ruinen des Kriegs dar. Das eine zerstört Menschen, Landschaften und Gesellschaften, und das andere erschafft sie. Kunst bringt meinen Figuren Schönheit und Erlösung inmitten der Zerstörung.

Bis zum 29. August läuft auf unserer Facebook-Seite ein Gewinnspiel zu diesem wunderbaren Buch. Schaut doch mal vorbei.

 

1 Kommentare

  1. Rose sagt

    Danke für das tolle Interview. Das weckt richtig die Lust diesen wundervollen Roman über die Beziehung, Entwicklung, das Finden, Trennen und Wiederfinden der beiden Hauptprotagonisten zu Lesen. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt. Ich möchte die Geschichte, die vorwiegend in Frankreich spielt gerne kennenlernen. Es ist immer sehr interessant die Handlungen eines Romans aus verschiedenen Sichtweisen / Stimmen zu erfahren. Das macht noch neugieriger. Auch würde ich gerne mehr über die Region in Frankreich und das Hintergrundgeschehen erfahren .
    Danke für die Fragen und die super informativen Antworten zu dem Roman.

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