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Ein Jahr in Büchern – Kristina Steffan und Janna Hagedorn

Und ein weiteres Schmankerl haben wir für euch in diesen vorfreudigen Tagen: Kristina Steffan und Janna Hagedorn haben ihr Jahr in Büchern für euch zusammengefasst, und ich habe schon wieder zwei Bücher entdeckt, von denen ich noch nie gehört habe und nun dringend lesen will. 


 

Mein Jahr in Büchern  von Kristina Steffan

Kristina Steffan Weihnachtstipps

 

Mein Liebling des Jahres:

Wir beide und er von Alexandra Amber. Ich habe so geweint. Ein Buch voller Höhen und tiefsten Tiefen. Schön.

Gone Girl – Das perfekte Opfer  von Gillian Flynn. Rasend und absolut unvorhersehbar.

Das lese ich in der Weihnachtszeit:Kristina Steffan Weihnachtstipps

Gartenbücher, um meine eigentlich unstillbare Sehnsucht nach Frühling wenigstens ein wenig zu lindern.

Dieses Buch verschenke ich:

Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben. Ich überlege, ob es auffällt, wenn ich es vorher eselsohrfrei durchlese.

Dieses Buch wünsche ich mir:

Buch? Wie, nur eins? Ich wünsche mir Bücher! Totaler Plural. Meine Wunschliste ist leider zu lang, um sie hier niederzuschreiben.

Noch immer ungelesen:

Das verlorene Wochenende von Charles Jackson.

 



 

 

Mein Jahr in Büchern von Janna Hagedorn Janna Hagedorn

 

Mein Lieblingsbuch des Jahres: Die Glücklichen von Kristine Bilkau

Liegt es daran, dass ich die Autorin kenne, wenn auch flüchtig? Oder den Altbau, der Vorbild ist für das Mietshaus der nicht ganz so glücklichen Roman-Familie? Nein, ich glaube, es liegt an etwas anderem: Vor allem kenne ich die Lebenssituation, um die es geht. Aus meinem Bekanntenkreis, aber durchaus auch von mir selbst. Die typischen Abstiegsängste der akademischen Mittelschicht, die zwar nicht wirklich zu verarmen droht, aber dennoch von der Hand in den Mund lebt, im Job ohne mit der Wimper zu zucken ausgetauscht wird, in ständiger Befürchtung lebt, Lebenspläne könnten einfach implodieren. Kristine Bilkaus Geschichte ist relativ undramatisch, ohne enorme Fallhöhe, auch ohne seliges Happy End (aber auch nicht das Gegenteil davon). Ich fühlte mich gemeint, angesprochen und getröstet. Nicht zuletzt von der wunderbar leichten, präzisen und dabei literarischen Sprache.

 

Davon hatte ich mir mehr erhofft: Altes Land von Dörte Hansen

 „Musst du lesen“, so schwärmten sie alle um mich herum. Selten sei ein Buch so unterhaltsam und dabei gleichzeitig sprachlich so fein ziseliert gewesen, selten die Kriegstraumata unserer Eltern- und Großelterngeneration so gekonnt ins Verhältnis gesetzt worden zum heutigen Lebensgefühl, selten ein unsentimentalerer und tragikomischerer Land-Roman erschienen. Stimmt schon. Aber trotzdem hat mich eines gewaltig gestört: Dass eine Autorin sich des schweren Themas „deutsche Vergangenheit“ annimmt, auch wortreich die Einsamkeit, die Verlassenheit eines aus Ostpreußen geflüchteten Kriegskindes schildert, aber nicht mit einem einzigen Wort die andere Seite der Medaille beleuchtet. Nämlich, welches Leid Deutsche damals über andere gebracht haben, über Juden, Russen, Minderheiten, Andersdenkende. Natürlich, die ältere der beiden Hauptfiguren hat die Nazizeit als Kind erlebt und ist deshalb frei von jedem eigenen Schuldvorwurf, aber für mich gehören Leid und Schuld, Opfer- und Täterschaft bei diesem Thema auch heute, 70 Jahre nach Kriegsende, noch untrennbar zusammen. Schade, dass sie sich nicht getraut hat, das heiße Eisen wirklich anzufassen.

Welches Buch verschenke ich: Die Interessanten von Meg Wolitzer

Eine Familiengeschichte, ein großes Zeitporträt von den Siebzigern bis heute, das ist Meg Wolitzers geniale Saga um eine Clique von künstlerisch begabten Jugendlichen, die sich vor 40 Jahren als Teenager in einem Sommercamp kennenlernen und deren Wege auf unvorhersehbare Weise zusammen- und auch wieder auseinander führen. Es stimmt einfach: Keiner schafft es so gut wie amerikanische Autoren, Zeitgeschichte und Charakterzeichnung, persönliches und allgemeingültiges zusammenzubringen – und für lange Winterabende, an denen man sich von seinem Buch gar nicht trennen mag, ist der dicke Schmöker genau das richtige. Also auch ideal als Weihnachtsgeschenk.

 

Welches Buch wünsche ich mir: Schmerz von Zeruya Shalev

Ein Buch mit einem derart deprimierenden Titel zu Weihnachten? Ach je. Aber: ja. Nicht nur, weil der Titel ja leider gerade genau zur deprimierenden Weltlage passt. Zeruya Shalev ist eine der ganz großen israelischen Erzählerinnen, mit einer enormen Beobachtungsgabe und voller sprachlicher Schönheit, die auch schwere Themen und düstere Geschichten zu einem Lesegenuss macht. Ich kenne wenige Autoren, die derart kluges zu sagen haben über Familie, Beziehungen, und damit auch immer über die Gesellschaft als ganzes.

Welches Buch habe ich nicht gelesen, hätte es aber gerne? Träumen von Karl Ove Knausgard

Radikal das eigene Leben ausloten, Nabelschau betreiben, auch wenn’s wehtut: Das künstlerische Konzept des skandinavischen Wunderkindes Knausgard finde ich schon sehr reizvoll. Gleichzeitig habe ich ein bisschen Angst vor dieser Art literarischem Schwarzbrot: Mit Sicherheit enorm gehaltvoll, aber eben auch nichts, was man im entferntesten so wegknabbern könnte, zu Feierabend auf dem Sofa. Ich lese zwar gerne Bücher mit Anspruch, aber vor der Anstrengung habe ich mich bisher erfolgreich gedrückt. Vielleicht als Projekt für 2016?

Ein Buch für die Weihnachtszeit: Die Hochzeit der Chani Kaufman von Eve Harris

Exotisch und trotzdem zeitgenössisch, unterhaltsam und trotzdem tief, und mit einem Hauch von Märchenhaftigkeit – so ist dieser wunderbare, kleine Roman. Eines dieser Bücher, die man nicht weglegen kann und ihnen gleichzeitig ängstlich dabei zusieht, wie der ungelesene Teil der Seiten immer dünner wird. Die Geschichte spielt im Milieu des orthodoxen Judentums in London, eine verborgene, widersprüchliche Welt, von der ich bisher so gar nichts wusste. Eine Art zeitgenössische Variante von „Yentl“ – diesen weiblichen Selbstfindungs-meets-Liebesfilm gebe ich mir schließlich auch jedes Jahr zur Weihnachtszeit, mindestens ein Mal.

 

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