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Warum wir endlich wieder eine Revolution wollen. Die Fashion Revolution Week!

Who made my clothes? Diese Frage geistert zurzeit durch sämtliche Sozialen Medien und ist Teil einer Kampagne der Fashion-Revolution-Organisation .Wir von Herzenszeilen wollen diese Aktion aktiv unterstützen und möchten euch mehr darüber erzählen.

Im April 2013 stürzte in Bangladesh das Fabrikgebäude Rana Plaza in sich zusammen und verschüttete 1138 Arbeiter unter sich. Die Bilder dieser Katastrophe gingen damals um die Welt und zeigten unfassbares Leid. Teilweise hat es Tage gedauert, bis die Überlebenden aus den Trümmern gerettet worden konnten. Doch für die meisten kam jede Hilfe zu spät.

Grund dieser Tragödie war, dass unsachgemäße Anbauten an dem Gebäude, die eine größere Produktionsauslastung ermöglichen sollten, der Statik nicht Stand hielten. Die auftraggebenden Firmen, die dort produzierten, sind große, bekannte Modehäuser, denen die Sicherheit und Produktionsbedingungen der Arbeiter vermutlich relativ egal waren. Bis heute wurden kaum oder gar keine Ausgleichszahlungen an die teilweise schwer verletzten Arbeiter oder an die Hinterbliebenen der vielen Todesopfer gezahlt.

Das Rana Plaza Gebäude nach dem Einsturz in 2013

Die Arbeitsbedingungen in den sogenannten Sweatshops, die in vielen Billiglohnländern wie China, Bangladesh oder Indien zu finden sind, verstoßen gegen jegliche Menschen- und Umweltrechtskonventionen. Zwangs- und Kinderarbeit und eine viel zu geringe Vergütung, die es nicht möglich macht, davon zu leben, sind an der Tagesordnung. Hinzu kommen sechzehn Stunden Arbeit pro Tag, ohne richtige Nahrung und Pausen – und das sind nur einige Beispiele.

Außerdem ist die Modeindustrie der zweitgrößte Verursacher der weltweiten Umweltverschmutzung. Die unsachgemäße Entsorgung von Chemikalien, die eingesetzt werden, um Textilien zu färben oder Leder zu gerben, haben ganze Landstriche zu einer Giftmülldeponie gemacht, in der jedoch Menschen leben. Verschmutztes Trinkwasser und hochgiftige Substanzen, die die Menschen dort über ihre Nahrung zu sich nehmen, verursachen schwerwiegende gesundheitliche Schäden, die vor allem kleine Kinder treffen.

Dass es so weit gekommen ist, liegt natürlich auch an den Konsumenten selbst. Es wird immer mehr Kleidung gekauft, um den kurzweiligen Trends zu folgen, jedoch darf es nicht viel kosten. Dieser Umstand führt dazu, dass immer mehr zu absoluten Dumpingpreisen produziert wird. Das milliardenschwere Fast-Fashion-Geschäft ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor, an denen sich nur die westlichen Big Player bereichern.

Das alles liest sich nicht angenehm und ist ein Zustand, den wir hierzulande wohl kaum dulden würden. Und irgendwie ahnt man auch, dass das T-Shirt bei H&M nicht 4,99 € kosten könnte, wenn es mit rechten Dingen zuginge. Denn irgendjemand bezahlt diesen niedrigen Preis mit seinem Leben.

Es ist also an uns, die Dinge zu hinterfragen und etwas genauer hinzusehen. Es ist nicht damit getan, ab sofort nichts mehr zu kaufen, das in Billiglohnländern produziert wurde. Die Menschen dort sind angewiesen auf ihren Job, um Geld zu verdienen. Vielmehr geht es darum, die großen Modelabels dazu zu bewegen, ihre Produktions- und Lieferketten transparent zu gestalten und Arbeitsbedingungen zu schaffen, um denjenigen, die unsere Kleidung herstellen, ein würdevolles und gesundes Leben zu ermöglichen. Es gibt einen tollen Dokumentarfilm, THE TRUE COST, den wir jedem ans Herz legen, der mehr über die Zusammenhänge in der Modeindustrie erfahren möchte, aber auch Lösungen an die Hand bekommen will.

Das Herzenszeilen-Team fragt #whomademyclothes?

Und so könnt auch ihr die Kampagne unterstützen:

  1. Stellt die Frage „Who made my clothes?“. Macht ein Foto vom Etikett eures Lieblingsteils, verlinkt es auf Instagram oder Facebook und benutzt den Hashtag #whomademyclothes?
  2. Schaut nach Fair-Fashion-Labels und kauft dort. Inzwischen gibt es jede Menge davon und die stehen den modischen Trends in keiner Weise nach.
  3. Spendet die Kleidung, die ihr nicht mehr tragt, an gemeinnützige Organisationen, geht auf den Flohmarkt, veranstaltet eine Swap Party. Aber bitte schmeißt sie nicht einfach in den Müll.
  4. Kauft weniger, aber dafür mit mehr Qualität. So hält sich das Lieblingsshirt länger und gerät nicht nach dem zweiten Mal waschen völlig aus der Form.
  5. Haltet Ausschau nach Vintage- oder Secondhand Mode. So ergattert man oft günstige und tolle Teile von Designern, die man sich sonst nicht gönnen würde.

Mode hat etwas mit Status zu tun. Damit meinen wir nicht diejenigen, die sich die Labels der teuren Einkaufsstraße leisten können. Sondern vielmehr: Das, was man trägt, entspricht der eigenen Haltung, wie man sich selbst, der Umwelt und seinen Mitmenschen begegnet. Denn Mode ist Herzenssache und soll Spaß machen, jedoch nicht auf Kosten anderer.

An dieser Stelle kommt natürlich die Frage auf: Wo finde ich denn jetzt die tollen Fair-Fashion-Labels? Deshalb haben wir eine Linkliste für euch zusammengestellt, mit der ihr hoffentlich einen leichten Einstieg in die Welt der Fair Fashion findet.

Onlineshops

  • Glore hat in vielen deutschen Städten Läden, aber auch einen großen Onlinestore.
  • Einer der größten Onlineshops für Eco Fashion und Livingprodukte:  Avocadostore
  • Der bekannte britische Onlineshop Asos hat eine eigene Rubrik für Fair Fashion, den Green Room.
  • Für den etwas größeren Geldbeutel wird man im Eco High Fashion Store Fine Birds fündig.

Vintage/Secondhand Shops

  • Der Concept Secondhand Shop Capricorn Store führt auch einige Labels junger Schmuck- und Taschendesigner.
  • iki M. ist ein ehr stylischer Secondhand Shop, der auch Neuware von Fair Fashion Labels anbietet.
  • Diese drei Onlineportale sind unter Jägern von Secondhand und Vintagemode sicherlich schon bekannt: Kleiderkreisel, Mädchenflohmarkt und Ubup.

Fair Fashion Blogs

Der Fashion Blog Daria Daria der Wienerin Madeline Alizadeh, sorgte vor einigen Jahren für Aufregung in der Presse, weil die bis dahin schon sehr erfolgreiche Bloggerin der Fast Fashion öffentlich den Rücken kehrte und in einem beeindruckenden TED Talk erklärte warum.

Das nachhaltige Blogzine My Greenstyle für High Fashion, Beauty und Travel der Journalistin Mirjam Smend bietet sehr viel Infos rund um das Thema Fair Fashion und tolle Interviews.

PS: Noch ein heißer Serientipp. Auf Netflix ist die erste Staffel von GIRLBOSS erschienen. Die Vorlage lieferte Sophia Amoruso, eine taffe junge Frau, die sich mit ihrer Liebe zur Vintagemode zum Erfolg kämpft. Sehr unterhaltsam und für Modeliebhaber ein „Must see“!

1 Kommentare

  1. Stefanie Pietsch sagt

    Danke für den tollen Artikel!
    Ich bin ein großer Fan von vintage-fashion. Nicht nur wegen der besonderen Teile, die sonst keiner hat, sondern auch um das immer neue kaufen von neuen Kleidungsstücken abzubremsen. Mein Tipp für herrliche vintage-Kleidung und Accessoires: http://www.vestiairecollective.com

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