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Filmtipp: Am grünen Rand der Welt

Filmtipp Carey Mulligan

Auch im 19. Jahrhundert standen Frauen auf die falschen Männer!

An einem düsteren, regnerischen Abend brauchte ich mal wieder einen Film fürs Herz: möglichst nicht kitschig, keine banalen Figuren und vielleicht auch kein vorhersehbares Happy End. Wenn man mit diesen Parametern auf die Suche geht, kann das länger dauern. Ich versuchte es abzukürzen: Welches romantische Buch mit Prädikat „anspruchsvoll“ wurde zuletzt verfilmt? Und Bähm! Ich fand Am grünen Rand der Welt. Unter dem englischen Originaltitel Far from the Madding Crowd veröffentlichte der britische Schriftsteller Thomas Hardy 1874 seinen Roman um die junge Gutsbesitzerin Bathsheba Everdene. Eine stolze und unabhängige Frau, die im viktorianischen England von drei Männern begehrt wird, ihre Unabhängigkeit aber nicht durch eine Heirat verlieren will.

Carey Mulligan spielt ihre Rolle als Bathsheba durchaus eindrucksvoll. Wenn sie mit ihrem vom Wind zerzausten Haar über die weiten grünen Felder ihres Besitzes reitet, tut sie das nicht damenhaft. Nein – diese Frau ist tough, die weiß was sie will. Wirklich? Als Zuschauer erfährt man erst nach und nach, wie Bathshebas Seele und vor allem Herz tickt. Hach, diese Figur war ganz nach meinem Geschmack und nach Kitsch sah dieser Streifen nun wirklich nicht aus. Ich war Feuer und Flamme. Nun warf ich einen Blick auf das männliche Gegenüber – wir sprechen hier ja schließlich über einen Liebesfilm! Der einfache Farmer Gabriel Oaks, gespielt von Matthias Schoenaerts, ist einer von drei Männern, die um die Liebe der jungen Frau buhlen. Doch nicht nur seine, sondern auch die Avancen des vermögenden Nachbarn William Boldwood schlägt Bathsheba allesamt aus. An diesem Punkt kam mir erstmals der Gedanke: „Mensch, Du bist eine Frau, die von zwei wirklich guten Typen gewollt wird; zudem ist Oaks überaus attraktiv, nett und arbeitsam und Boldwood – nun ja, wenngleich nicht besonders gutaussehend – auch nett und eine ziemlich gute finanzielle Partie.“ Man sollte bedenken, dass es nicht sonderlich üblich zu jener Zeit war, als Frau einen Gutshof alleine zu führen – so ein anpackender oder wohlhabender Mann kann da enorm hilfreich sein. Das waren so meine Gedanken …  Doch halt, es fehlt der Dritte im Bunde! Als Sergeant Francis Troy in Bathshebas Leben tritt, verändert sich das Wesen der sonst so starken und hochmütigen Frau schlagartig. Was ist passiert? Zugeben, der Typ ist schneidig, hat Charme und Esprit – aber man sieht doch sofort, dass er das verführerisch einnehmende Auftreten eines Frauenhelden hat! Doch unsere Protagonistin ist plötzlich verzaubert – aus der stolzen Frau ist ein verknalltes Mädchen geworden, das sich schmachtend und bewundernd in die Arme dieses Gecken wirft. Unfassbar! Als sie diesen Troy auch noch heiratet, beginne ich wirklich an ihrem Verstand zu zweifeln. Die Sache geht natürlich schief – war ja abzusehen. Ihr Offizier ist ein Blender, ein verirrter Geist, der ausschweifende Gelage mehr schätzt, als die Verantwortung am Hof mitzutragen. Zudem ahnt Bathsheba, das sein Herz nicht wirklich für sie schlägt – tatsächlich bekommt die Geschichte an dieser Stelle eine Wendung, die mich nochmal vom Hocker gehauen hat. Aber das seht selbst.

Am grünen Rand der Welt

Zurück zu unserer Heldin! Die sitzt am Ende wieder alleine da und ist ziemlich geknickt – war ja klar. „Mensch!“, grübele ich. „Jetzt wird es doch endlich mal Zeit, dass sie endlich Mr. Right erkennt.“ Wer ist denn die ganze Zeit nicht von ihrer Seite gewichen, war ein treuer Freund und Ratgeber und man sah förmlich, dass er sich nach ihr verzehrte? Natürlich, Gabriel Oaks! Doch nach dem ganzen Liebes-Tohuwabohu um Troy hat der natürlich die Nase voll, kann man nachvollziehen. Als Gabriel Bathsheba gesteht, dass er auswandern will, um sein Glück in Kalifornien zu suchen, kommt nochmal richtig drive in die Angelegenheit. Was für ein Film, dachte ich mir. Von allem was dabei und ein Happy End nicht in Sicht – fand ich das jetzt gut oder schlecht? Man kann beruhigt sein, es geht gut aus. Aber wie genau? Das muss der geneigte Leser selbst herausfinden. Ich schaue mir heute auf jeden Fall Am grünen Rand der Welt gleich nochmal an. Ich habe eine wahre filmische Perle unter den Liebesromanzen gefunden. Dieses Bangen und Hoffen am Ende hat mich wirklich fertig gemacht – im positiven Sinne.

Mein Fazit: Auch vor über hundert Jahren sind Frauen dem glitzernden Charme von Männern erlegen, die nur erobern wollen. Erst als es fast zu spät war, haben sie gemerkt, dass Mr. Right eigentlich genau vor ihnen sitzt. Gleiches gilt wahrscheinlich auch für die Gegenwart. Also, Augen auf, liebe Damen!

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