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Freitagsfilmtipp: Brooklyn

Brooklyn

Zugegeben: Ich schaue noch DVDs. Die ich hin und wieder aus der Bibliothek ausleihe. Klar ist das hoffnungslos unpraktisch und dauert viel länger, als mich bei iTunes durch die Auswahl zu klicken. Aber ich mag das Gefühl, im DVD-Regal zu stöbern, einen Film zu entdecken, der mich interessiert, und meine Schätze im Fahrradkorb nach Hause zu tragen. Irgendwie altmodisch, langsam und unaufgeregt ist auch der Film, den ich euch heute vorstellen möchte: Brooklyn. Und vielleicht hat er mir deshalb so gefallen.

Brooklyn erzählt die Geschichte von Ellis, die Anfang der 1950er Jahre von Irland in die USA auswandert. In Irland ist das Leben nicht einfach, und durch Beziehungen zur Kirche gelangt Ellis an eine Stelle in einem New Yorker Kaufhaus. Sie macht sich auf die Reise, damals natürlich per Schiff, lässt Schwester und Mutter zurück, und nach der langen Überfahrt beginnt sie ihr neues Leben in New York. Ihr Heimweh verschwindet erst, als sie Tony kennenlernt. Sie ist glücklich, zum ersten Mal, sie beginnt eine Ausbildung und hat Zukunftspläne, alles könnte immer so weitergehen. Doch dann erhält Ellis die Nachricht vom Tod ihrer Schwester. Die alte Mutter in Irland ganz allein lassen? Das bringt Ellis nicht übers Herz, zumindest besuchen will sie sie. Und fährt zurück nach Irland, schweren Herzens, denn Tony ringt ihr vorher ein Versprechen ab. In Irland fühlt sie sich nun wie die Fremde. Doch sie trifft auch alte Freunde. Lernt einen Mann kennen. Erinnert sich an die Schönheit der irischen Küste. Und auf einmal muss sich Ellis zwischen zwei Leben entscheiden.

Ellis‘ Geschichte hat mich sehr bewegt, auf mehreren Ebenen. Zum einen ist da der Neuanfang in der Fremde. Ein hoch aktuelles Thema, umso spannender ist es, daran erinnert zu werden, dass noch vor gar nicht allzu langer Zeit auch Menschen aus Europa aufgebrochen sind, im Gepäck nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und das mit einer Dringlichkeit, die ich als Mitteleuropäerin heute nicht einmal erahnen kann. Wie schwer es ist, die Heimat und die Familie zurückzulassen, und dass darüber auch alle Verheißungen und Abenteuer nicht hinwegtäuschen können, führt dieser Film sehr nuanciert und eindringlich vor. Zum anderen hat mich berührt, dass für Ellis beide Lebenswege die richtigen sein könnten. Beide Männer sind gut für sie, jeder auf seine Art, in beiden Leben kann sie sich zuhause fühlen, beide Wege sind stimmig. Die Schwere ihrer Entscheidung hat mir beim Zuschauen fast das Herz gebrochen, und auch wenn mir das Ende gefallen hat, hätte ich mir genauso einen anderen Ausgang vorstellen können. Es ist kein Film der großen Paukenschläge, sondern der langen Einstellungen, stillen Dramen und leisen Veränderungen, und genau darin liegt für mich seine Qualität.

Brooklyn basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tom Cóibín (die Filmausgabe erscheint bei dtv ), den ich unbedingt noch lesen möchte, das Drehbuch hat Nick Hornby geschrieben, und der Film war 2016 für drei Oscars nominiert. Natürlich darf auch die absolut überzeugende Hauptdarstellerin Saoirse Ronan nicht unerwähnt bleiben. Viel Spaß beim Film – vielleicht habt ihr ja Glück und stoßt irgendwo auf die DVD …

 

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