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»Eine blaßblaue Frauenschrift« von Franz Werfel

Buchempfehlung Franz Werfel

Mit knapp 150 Seiten ist die Erzählung Eine blaßblaue Frauenschrift des österreichischen Schriftstellers Franz Werfel relativ kurz – trotzdem erzählt sie eine der berührendsten Liebesgeschichten, die ich seit Langem gelesen habe.

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Wien, 1936. Leonidas sitzt an seinem massiven, mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Schreibtisch. Zufrieden kann er auf sein Leben blicken: Der Sohn eines armen Lateinlehrers hatte es zum Sektionschef im Ministerium für Kultus und Unterricht geschafft. Die wunderschöne millionenschwere Amélie Paradini hatte ihn zum Gemahl erwählt und ihn so in die Kreise der Reichen und Mächtigen geführt. Sein Leben verläuft geordnet, leicht, gerade. Bis zu jenem Nachmittag, an dem er unter seiner täglichen Korrespondenz einen schmalen Brief mit einer blassblauen Frauenschrift darauf findet. Er bricht das Couvert und öffnet ein Bittschreiben von Vera Wormser, die ihn aufgrund seiner hohen Stellung nach einem Empfehlungsschreiben für den beruflichen Einstieg des Sohnes einer Freundin fragt.

Leonidas hatte während seiner Studentenzeit im Hause Wormser Nachhilfe erteilt – nicht Vera, der überaus intelligenten und ebenso schönen, jedoch abweisenden Schülerin, sondern einem ihrer Brüder. Leonidas, damals armer Student, hatte Veras schneewittchengleiche Kühle begehrt, blieb in ihren Augen jedoch nur der bedauernswerte Angestellte. Jahrzehnte später, Leonidas war bereits mit der imposanten Amélie verheiratet, traf er Vera auf einem Kongress wieder. Seine alte Bewunderung erwachte, und auch sie sah Leonidas mit anderen Augen. Für mehrere Wochen führte er ein Doppelleben – als verheirateter Millionärsgatte und als Verliebter, der scheinbar die neue gemeinsame Zukunft plante.

Damals kehrte er zu Amélie zurück und ließ Vera abrupt und unwissend im Stich. Der Brief scheint nun Anlass zu sein, die vergangenen Jahre Veras zu beleuchten. Vielleicht hat Leonidas sich damals für die Falsche entschieden …?

Eine in klingender Sprache geschriebene Geschichte, die unerwartete Wendungen nimmt! Unbedingt empfehlenswert.

Eure Catherine – Reaktion Herzenszeilen

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