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Der Duft nach Holz und Äpfeln

Helenas Männer

In ihrem neuen Roman Helenas Männer schreibt Franziska Stalmann über alte Lieben und neue Freundschaften, erzählt eine warmherzige Liebesgeschichte und entführt uns an die Nordsee und in ein wunderschönes altes Haus, das nach Äpfeln riecht. Mehr über das Buch erfahrt ihr im Interview mit der Autorin.

Frauen neigen dazu, sich zu viel zuzumuten, wenn sie gebraucht werden. Auch Ihre Heldin Helena merkt sehr lange nicht, dass sie keine Kraft mehr hat – warum ist das so?

Weil für Helena – wie für viele Töchter, Mütter, Partnerinnen – Fürsorge vor allem die Sorge für andere ist, nicht für sich selbst. Bis sie merken, dass sie auch etwas brauchen, sind sie oft schon ziemlich leergelaufen. Dass im Buch genau da Helenas Exmann Armin auftaucht und einen Nordseeurlaub anbietet, erscheint als reichlich romanhafter Glücksfall – aber auch er will ja zunächst nur, dass sie sich erholt, damit sie weiter gut für den gemeinsamen Sohn sorgen kann …

Helena ist eine Frau, die alle Krisen in ihrem Leben gut bewältigt zu haben scheint. Selbst mit ihrem Exmann kommt sie gut aus. Und plötzlich hat sie nur noch Schwierigkeiten – wie aus heiterem Himmel. Das ist ja im wirklichen Leben auch oft so. Warum eigentlich?

Weil wir viele Krisen eben nur anscheinend bewältigt haben. Statt sie zu lösen, haben wir uns den Problemen angepasst. Damit kann man lange gut leben. Doch dann passiert irgendetwas, und das leicht schräge Gebäude unseres Lebens fängt an zu wackeln. Ein Dominostein kippt, und alle anderen fallen. Bei Helena ist der Tod ihrer Mutter dieser erste Stein, der alles ins Wanken bringt. So kommen schließlich auch große Gefühle und alte Verletzungen wieder hoch, die vor Jahren nur „weggepackt“, aber nie bewältigt wurden …

Männer reden nicht viel über Probleme, sondern machen sie oft lieber mit sich selbst aus. Helena neigt auch dazu, Schwierigkeiten eher allein anzugehen. Ausgesprochen männlich wirkt sie dadurch aber nicht, oder?

Gar nicht. Ich finde sie ziemlich weiblich. Sie ist das, was wir alle sein können: von beidem etwas. Helenas eigenständige Art, allein mit Schwierigkeiten fertig zu werden, ist eher männlich, ihre Fürsorge und ihr Bemühen, Probleme anzusprechen und zu klären, eher weiblich. In dieser Mischung erscheint sie mir sehr gelungen, liebenswürdig und interessant. Allerdings bin ich voreingenommen. Ich mag meine Hauptfiguren immer sehr, sonst könnte ich es während des Schreibens nicht so lange mit ihnen aushalten.

Sie beschreiben ein wunderschönes Haus mit Garten, das Helena als Kind wie ein Zauberschloss vorkam. Verraten Sie uns, wo dieses Haus steht?

In der Nähe von Hamburg – und in Wirklichkeit sind es zwei. Das eine hatte die hohen Räume, die Fenster mit den vielen Scheiben, das weite Treppenhaus; das andere den großen Garten mit den alten Bäumen, den Erdbeerbeeten und Birnenspalieren und den Keller mit dem Geruch nach Äpfeln.

Für Helena sind das Meer, die dortige Luft und Weite Inbegriffe von Freiheit und Lebensfreude. Was reizt Sie als Schriftstellerin, so einen magischen Ort zu beschreiben?

Die Magie in Worte zu fassen. Das kann nie ganz gelingen, sonst wäre es keine Magie, aber es zu versuchen, ist eine reizvolle Herausforderung. Andererseits ist es auch leicht und schön, etwas zu beschreiben, das ich so liebe wie das Meer. So waren die beiden Kapitel, in denen Helena auf Amrum an der Nordsee und in Prerow an der Ostsee ist, nicht wirklich Arbeit für mich, sondern vor allem Vergnügen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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