Allgemein, Bücher, Rezensionen
Schreibe einen Kommentar

Freitagskritik: Dörte Hansen, Altes Land

Buchtipp

Seit Wochen steht Altes Land von Dörte Hansen ganz oben auf der Bestsellerliste. Das kann man natürlich nicht ungelesen an sich vorüberziehen lassen. Also lieh ich mir Ankes Exemplar, um nur mal reinzuschauen, doch schon nach den ersten Seiten war ich hin und weg. Aber irgendwann auch mal etwas gelangweilt und darüber musste ich mich natürlich mit Anke unterhalten.

Von: Britta
Gesendet: Donnerstag, 17. September 2015 15:21
An: Anke
Betreff: Altes Land

Liebe Anke,

ich habe in den Ferien nun endlich Altes Land gelesen und fand’s nach dem fulminanten Anfang in der Mitte etwas langatmig. Es ist genial, wie die Autorin diese spröden Hanseaten porträtiert. „Von mi gift dat nix“ sagt Ida Eckhoff, als sie Ende des 2. Weltkrieges zwei Flüchtlinge in ihrem Haus im Alten Land aufnehmen muss. Man spürt förmlich die Kälte, die in dem alten Kasten herrscht. Und dann wechselt es in die Gegenwart, wir erfahren von der traurigen Anne, die betrogen wird und mit ihrem kleinen Sohn wiederum fliehen muss:  Zu ihrer kauzigen Tante ins alte Land. Aber dann wird für meinen Geschmack etwas zu viel über den drögen Dirk zum Felde mit dem Traktor erzählt, oder?

Liebe Grüße

Britta

 

Von: Anke
Gesendet: Freitag, 18. September 2015 09:24
An: Britta
Betreff: AW: Altes Land

Liebe Britta,

findest du? Mir ging es da ganz anders. Genau diese spröden Hanseaten haben mich zu Beginn unheimlich angestrengt. Soll ich jetzt ein ganzes Buch mit diesen sperrigen Nordlichtern verbringen?, habe ich mich gefragt. Ich fand auch den Text zunächst so nordisch schlicht. Doch dann wurde ich nach und nach in das Buch reingezogen, hatte das Gefühl, in ein Mosaik einzutauchen und immer mehr Facetten an diesen sturen Figuren zu entdecken. Aber vor allem habe ich mich immer mehr auf das Schicksal von Vera und ihrer Mutter eingelassen. Am Ende konnte ich diese hartherzige Frau, die ihre Tochter einfach auf dem alten Hof von Ida zurücklässt, sogar verstehen. Ging dir das nicht so?

Bin gespannt, Anke

 

Von: Britta
Gesendet: Freitag, 18. September 2015 10:40
An: Anke
Betreff: AW: Altes Land

Liebe Anke,

da hatte ich dann wohl als Hamburgerin zu Beginn des Buches einen Heimvorteil. Und du hast recht, wie im wahren Leben erschließen sich die Menschen in diesem Roman erst langsam. Sicher auch, weil die Autorin es schafft, gerade die Frauen mit ihren unglücklichen Liebesgeschichten sehr nachvollziehbar zu erzählen. Vera, das von der Mutter zurückgelassene Flüchtlingskind entwickelt sich zu einer vordergründig hartherzigen Frau, die mit Männern Affären hat und doch nie die wahre Liebe findet. Nur ihre Tiere liebt sie und natürlich den kriegsgeschädigten Vater, den sie schließlich sehr barmherzig von seinen Leiden erlöst. Ist es nicht spannend, wie sehr das alles auch mit dem alten Haus zu tun hat, das schon fast ein Eigenleben zu führen scheint?

Oder habe ich da was falsch verstanden? LG B

 

Von: Anke
Gesendet: Freitag, 18. September 2015 15:01
An: Britta
Betreff: AW: Altes Land

Liebe Britta,

das fand ich auch faszinierend. Das Haus gibt Vera Halt und hält sie zugleich gefangen. Es macht ihr Angst und ist ihre Zuflucht. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Es ist ein großartiges Bild dafür, wie wir alle manchmal an dem festhalten, was uns das Leben schwer macht. Also doch ein weises Buch, oder?

LG A

 

Von: Britta
Gesendet: Freitag, 18. September 2015 15:14
An: Anke
Betreff: AW: Altes Land

Unbedingt, liebe Anke, dann sind wir uns doch mal wieder einig!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.