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Freitagskritik: Ein wunderbares Jahr

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Ich liebe Hörbücher. Wenn ich einer Geschichte zuhöre, kann ich wunderbar entspannen. Diese Woche lag ich zwei heiße Sommerabende lang auf meinem Balkon, blickte ins Grüne und tauchte in die Geschichte von Georgia aus Laura Daves Roman Ein wunderbares Jahr ein.

Georgia ist gerade bei der letzten Ankleide ihres Brautkleides, als ihre Welt aus den Fugen gerät: Sie blickt durch das Schaufenster und sieht auf der Straße ihren Verlobten Ben vorbeigehen – an seiner Seite eine bildhübsche Frau und ein kleines Mädchen. Georgia weiß nicht, was sie denken soll, steigt kurz entschlossen – noch im Brautkleid – ins Auto und fährt zu ihrer Familie nach Kalifornien. Dort, auf einem Weingut im Hinterland, ist sie aufgewachsen, dort erhofft sie sich Geborgenheit und Klarheit. Doch auch in Kalifornien ist die Zeit nicht stehen geblieben. Auch ihre Eltern und ihre Geschwister haben Probleme, Sorgen, Pläne. Die heile Welt der Kindheit, in die Georgia sich fliehen möchte, gibt es nicht mehr und hat es vielleicht auch nie gegeben – das ist eine sehr überraschende und schmerzhafte Erfahrung für sie. Georgias große Bestürzung angesichts der Veränderungen in ihrer Familie konnte ich nicht immer nachvollziehen. Müsste sie als erwachsene Frau nicht besser damit umgehen können, ist es nicht egoistisch von ihr zu erwarten, dass ihre Eltern sich niemals weiterentwickeln, nur um ihr auf alle Zeiten einen Zufluchtsort bieten zu können? Gleichzeitig gefiel mir auch, dass Georgia dadurch Ecken und Kanten bekommt – auch sie wird manchmal von ihren Gefühlen geleitet, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen, auch sie macht vielleicht Fehler, genau wie Ben.

Indes versucht Ben sie zu erreichen, sich zu erklären, reist ihr schließlich nach. Das kleine Mädchen ist seine Tochter, ja – aber er selbst weiß erst seit Kurzem von seiner Vaterschaft, das Ergebnis einer kurzen Beziehung, bevor er Georgia kennengelernt hat. Trotzdem, es bleibt der Vertrauensbruch. Warum hat er ihr noch nicht davon erzählt? Obwohl sie kurz vor der Hochzeit standen? Lange Zeit war ich mir überhaupt nicht sicher, ob Georgia Ben noch eine Chance gibt oder nicht – das war für mich eine große Stärke des Romans, ich war wirklich gespannt und habe mitgefiebert. Denn obwohl es in Kalifornien noch einen anderen ganz und gar nicht uninteressanten Mann gibt, Jacob, macht Ben ganz schön viele Dinge ganz schön richtig …

Mein Fazit: Schöne Unterhaltung, keine Geschichte, über die ich noch lange nachdenken werde, aber nette Sommerlektüre. Luise Helm als Sprecherin hat mir gut gefallen, sie ist übrigens die deutsche Stimme von Scarlett Johansson. Und dass das Hörbuch gekürzt war, fiel mir erst im Nachhinein auf – ich habe nichts vermisst, sechs Stunden waren für diese Geschichte wunderbar, für mich hätte sie nicht länger sein müssen.

Aber wie geht es euch? Hört ihr auch gern Hörbücher? Oder schwört ihr aufs Lesen?

 

 

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