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Freitagstipp: Charlotte Roche, „Mädchen für alles“

Charlotte Roche Mädchen für alles

Ich fand Charlotte Roche immer cool, ihre Sendung „Fast Forward“ habe ich damals regelmäßig geschaut und Charlottes unkonventionelle und eloquente Art bewundert. 

Mit ihrem ersten Roman „Feuchtgebiete“ hat meine Bewunderung für die Halb-Engländerin ihren ersten Dämpfer erhalten, nach zehn Seiten musste ich das Buch weglegen, vermutlich bin Charlotte Roche Mädchen für allesich einfach zu zart besaitet. Ihren zweiten Roman „Schoßgebete“ habe ich von Anfang an ausgelassen, und jetzt, mit „Mädchen für alles“ wollte ich mir und Charlotte noch einmal eine Chance geben.

Das Cover macht was her, die Autorin sieht auf dem Rückseitenfoto wunderschön aus, der pitch klingt spannend:

Ihre Ehe? Horror.

Ihr Kind? Egal.

Ihre Zukunft? Rosig.

Denn sie hat jetzt ein Mädchen für alles

Und einen ziemlich guten Plan.“

Die Protagonistin Christine (Chrissi) ist verheiratet mit Jörg, die beiden haben die gemeinsame Tochter Mila und genügend Geld, um sich ein schönes Leben zu machen. Doch Chrissi erträgt ihren Alltag nur mehr trinkend und zeitweise koksend, kann mit ihrer Tochter nicht viel anfangen und betäubt ihre Langeweile vom Leben, indem sie staffelweise Serien (v.a. die düsteren) schaut –Tag ein, Tag aus. Ein Babysitter muss her, dass Mila versorgt ist und Chrissi nicht immer mit halbem Auge nach ihr schielen muss. So tritt Marie in das Leben der Familie; Marie, die wunderschön, eifrig, jung und unverbraucht ist. Marie, die natürlich eine Gefahr für die eigene Ehe darstellt. Und bevor der Ehemann etwas mit der Babysitterin anfängt, beschließt Chrissi, dass sie diejenige sein soll, die Marie verführt. Soweit, so gut, allerdings ist Chrissi ein derart destruktiver Charakter, dass man schon bald keine Lust mehr hat ihr zu folgen. Da wird nur gejammert, geschimpft, abgelästert, sich bemitleidet, dazwischen gesoffen, alle Welt schlecht gemacht, wieder gesoffen, dazwischen ein paar Mal masturbiert (gähn, das hatten wir nun auch schon zu Genüge), provoziert und im Grunde passiert GAR nichts! Chrissi verführt Marie während einer München-Reise, um dort ein Anti-Flugangst-Seminar zu absolvieren, Marie, das „Mädchen für alles“ macht bereitwillig bei den erotischen Spielchen ihrer Arbeitgeberin mit, bleibt aber ansonsten jedoch die ganze Geschichte hindurch recht blass und unscheinbar; ebenso wie Ehemann Jörg, der bestenfalls als Randfigur auftritt. Mit viel Wohlwollen könnte man das noch als bewusst eingesetztes Stilelement durchgehen lassen, bei genauerer Betrachtung ist Frau Roche aber vielleicht doch einfach nicht mehr eingefallen. Schade, ihre Schreibe ist gut, wenngleich man an vielen Stellen das Gefühl hat, ein 18-jähriges Gör spreche zu einem. Dieser Roman hat der Autorin offensichtlich allerhand abverlangt, was durch perverse Gewaltfantasien, die an Chrissis Eltern mit Messern verübt werden, und die Übersexualisierung überhaupt übertüncht werden sollen.

Ich habe irgendwann quergelesen, überblättert und wurde von Kapitel zu Kapitel zorniger – wieder fragte ich mich, ob ich Mrs. Roche einfach nicht verstehe. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was sie mit ihrem Buch sagen will, um was geht’s hier eigentlich? Lautet die Botschaft, bekomm‘ bloß keine Kinder, denn danach spielen dein Körper und dein Leben verrückt? Oder: heirate niemals, denn dann ist dein Leben ebenfalls im Eimer und Sex findet sowieso nicht mehr statt und wenn, dann garantiert nicht mit dem eigenen Ehegatten. Oder aber sind Provokation, Gewalt und Sex an allen Ecken und Enden die vermeintlich einzige Methode, um heutzutage zum Bestseller zu avancieren? Quasi in vorauseilendem Gehorsam?

Sehr schade, Charlotte, mit uns wird’s einfach nichts mehr!

2 Kommentare

  1. Cappuccino-Mama sagt

    Hallo,

    mit mir und Frau Roche wird das wohl nie etwas, zumal ich sie noch nie mochte. Und FEUCHTGEBIETE war einfach so eklig, dass ich dem Buch gar keine Chance gab, dem Film schon. Insofern kann ich feststellen: Unter meinem Niveau – furchtbar. Und dann folgte SCHOSSGEBETE – das Gleiche in Blau. Und nun nochmal ein solches Buch – gähn! Muss nicht sein. Aber scheinbar gibts ja auch Leser solcher „Literatur“. Alles Geschmackssache, aber eben nicht meiner.

  2. Danke für die sehr interessante „Einleitung“. Ich bin auch ein großer Fan von ihrer Sendung „Fast Forward“. Das neue werk liegt unter dem Weihnachtsbaum 🙂 LG Silvie

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