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Freitagstipp: Daniel Glattauer, Die Wunderübung

glattauer

Ich habe heute einen etwas ungewöhnlichen Freitagstipp für euch, ich empfehle euch nämlich keinen Roman, sondern ein Theaterstück. Ein Theaterstück? Richtig gelesen. Erstens heißt der Autor Daniel Glattauer und nach Gut gegen Nordwind würde ich so ziemlich alles von ihm lesen. Und zweitens wissen wir spätestens seit Yasmina Rezas Gott des Gemetzels, dass sich Paare nirgendwo so gepflegt zerfleischen können wie im Theater. Die Wunderübung ist ein ganz schmales Bändchen mit nur 112 Seiten, das sich in einem Rutsch durchlesen lässt. Die Handlung ist schnell erzählt: Joana und Valentin, seit 17 Jahren ein Paar, gehen zum Therapeuten, der ihre Ehe retten soll – und erst einmal gnadenlos daran scheitert, die beiden in den Griff zu bekommen. Denn Joana und Valentin gehen bei jeder Gelegenheit aufeinander los, fallen sich ständig ins Wort oder antworten am besten gleich für den anderen mit, lassen alle Kommunikations- und Annäherungsübungen komplett an sich abprallen oder verdrehen sie ins Gegenteil. Was aus den beiden wird, lest am besten selbst, das will ich hier nicht verraten. Das Buch lebt vor allem von dem Sprachwitz, von der großartigen Boshaftigkeit und von den Pointen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt – und auch immer mal wieder ertappt. Denn natürlich treibt Daniel Glattauer hier nur auf die Spitze, was wir alle aus unseren Beziehungen kennen. Spannend finde ich, wie er vorführt, dass uns das Streiten auch verbindet, für Joana und Valentin ist die Polemik so etwas wie ein gemeinsames Hobby. Ob ich das versöhnlich oder bedenklich finden soll, weiß ich noch nicht so genau. Ich nehme jedenfalls mit, dass Streiten auch ganz schön unterhaltsam sein kann. Und, wenn ich ehrlich bin, auch die ein oder andere Pointe für den nächsten Streit mit meinem Freund …

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