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Freitagstipp: Die neue Moyes, »Ein ganz neues Leben«

Jojo Moyes Ein ganz neues Leben

DIE Liebesgeschichte der letzten Jahre geht in die zweite Runde. »Ein ganz neues Leben« heißt die Fortsetzung der traurig-schönen Geschichte von Lou und Will. Doch wie kann es nach diesem Ende weitergehen?

Inhalt:

In den ersten Monaten nach Wills Tod war Louisa wie betäubt, doch sie versuchte, seine letzten Worte zu beherzigen und zu leben. Sie ging nach Paris, lernte Französisch, arbeitete in einer Bar und machte neue Freunde. Dennoch fühlte sie sich orientierungslos. Es dauerte Wochen, bis sich Jojo Moyes Ein ganz neues Lebenihre Hände  nicht mehr nutzlos anfühlten, weil sie seinen Körper nicht mehr berührten, sie vermisste seine Stimme, sein seltenes Lachen. Und nicht nur fühlt sie ein Riesenloch in ihrem Herzen (Wie ein Brötchen, aus dem ein Stück herausgerissen wurde – nun ist sie nur noch ein Bagel:), auch zu ihrer Familie hat sie kein gutes Verhältnis. Ihre Mutter ist immer noch entsetzt über das, was sie getan hat. Und so hat Louisa zusammen mit dem Mann, den sie liebt, auch ihre Familie und jede Verbindung zu ihrem früheren Leben verloren.

18 Monate ist es nun her, dass die Traynors mit Louisa in die Schweiz gefahren sind und ohne Will zurückkamen. 18 Monate, in denen sie ihre Eltern kaum gesehen und ihre Europareise frustriert und einsam abgebrochen hat. Nun ist sie zurück in London und arbeitet in einem Irish Pub am Flughafen. Sie hat sich mit Wills Geld eine kleine Wohnung gekauft, doch sie fühlt sich betrogen und von ihm allein gelassen. Sie trinkt zu viel, schläft nicht und wandelt nachts auf dem Sims ihres Dachgartens herum – bis sie eines Tages abstürzt. Durch die Markise ihres Nachbarn auf dessen Balkon zwei Stockwerke tiefer. Die Sanitäter finden sie mit gebrochener Hüfte, Armen, Beinen, einem offenen Bruch im Fuß … Louisa kann froh sein, dass sie noch lebt. Im Krankenwagen klammert sie sich an die Hand des Sanitäters und kann sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal solch intensiven Körperkontakt gehabt hatte.

Mehrere Wochen dauert ihre Genesung. Ihre Eltern und Schwester kümmern sich, doch sie sind besorgt, denn sie vermuten, dass Lou nicht gestürzt, sondern absichtlich gesprungen ist. In Wirklichkeit hatte Louisa die Stimme eines Mädchens gehört und sich derart erschrocken, dass sie das Gleichgewicht verloren hat. Dieses Mädchen steht einige Tage nach Lous Entlassung aus dem Krankenhaus vor der Tür und behauptet, sie sei Wills Tochter. Will wusste nichts von ihr. Ihre Mutter hatte es ihm nie gesagt. Durch Zufall hat sie es herausgefunden, nur um festzustellen, dass sie ihn niemals kennenlernen wird. Lily ist sechzehn und revoltierender Teenager. Sie trinkt, kifft, weigert sich, ihren Stiefvater zu respektieren, fühlt sich chronisch missverstanden und will mehr von ihrem Vater erfahren, in der Hoffnung, dadurch ihre eigene reiche, aber ungeliebte Familie zu ersetzen. Widerwillig lässt Louisa sie bei sich einziehen, und gemeinsam nehmen sie Kontakt zu Wills Eltern auf, Lilys Großeltern. Deren Leben hat sich nach Wills Tod ebenfalls umgekrempelt. Mr. Traynor hat neu geheiratet und erwartet zum Erstaunen aller noch ein Kind. Dass er eine Enkelin haben soll, überrascht und begeistert ihn zunächst, doch bald stellt er fest, dass neben seiner neuen Familie nur wenig Platz für Lily bleibt. Wills Mutter lebt nach der Trennung zu ihrem Mann  eher zurückgezogen. Sie ist sehr skeptisch, als sie Lily kennenlernt, und will zunächst nichts mit ihr zu tun haben.

So haben Louisa und Lily nur einander  – eine Beziehung, die sicher nicht als harmonisch bezeichnet werden kann und von der Trauer um Wills Tod geprägt ist. Louisas Eltern blicken weiter besorgt auf ihre Tochter in London. Die Nähe zu Wills Tochter, so glauben sie, verhindert nur, dass Louisa ihren Verlust verkraftet und weiterlebt. Zudem hat sie einen schrecklichen Job, der gerade so die Rechnungen bezahlt, aber keinerlei Freunde bringt. Sie überreden Louisa, eine Trauergruppe zu besuchen – die Weiterleben-Gruppe. Alle Mitglieder haben einen lieben Menschen verloren, und Louisa fühlt sich anfangs sehr unwohl, weil ihre Liebe zu Will so kurz und unbedeutend wirkt im Vergleich zu den verstorbenen Müttern, Kindern oder Ehepartnern der anderen Betroffenen. Ebenfalls recht fehl am Platz in der Gruppe ist Jake, der seine Mutter an den Krebs verloren hat. Er selbst hat den Verlust jedoch recht gut verkraftet und ist eher in der Gruppe, weil sein Vater den Tod auf seine ganz eigene Weise verarbeitet, indem er seine Einsamkeit mit zahlreiche One-night-Stands füllt. Eigentlich genug Gründe für Louisa, sich fernzuhalten, doch als sie Jakes Vater nach der Sitzung zufällig trifft, ist sie überrascht: Nicht nur, ist es Sam, der Sanitäter, der sie nach ihrem Sturz behandelt hatte, sie kann auch nicht leugnen, dass sie ihn anziehend findet …

Eindruck:

Viel mehr will ich vom Inhalt nicht verraten, weil es durchaus ein paar Twists gibt, die ich nicht geahnt hatte. Doch ist der Roman eine würdige Nachfolge? Nun, mir hat »Ein ganzes halbes Jahr« deutlich besser gefallen. Dennoch ist es eine nette Geschichte, die wohl für sich allein gelungen wäre, wenn sie nicht so eine große Erwartung erfüllen müsste. Sie ist humorvoll, romantisch, chaotisch und nicht zu kitschig. Eigentlich toll, aber eben lange nicht so genial wie der Vorgänger.

Aber was haltet ihr von diesem Ende? Zu sehr auf Fortsetzung geschrieben? Ich weiß ja nicht …

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