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Freitagstipp: Ein Teelöffel Land und Meer

Teheran, 1981. Saba ist 11 Jahre alt, als ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos verschwinden. Ihr Vater erzählt Saba, sie seien bei einem Badeunfall ums Leben gekommen. Doch Saba ist überzeugt, dass ihrer Mutter und ihrer Schwester die Flucht in die USA geglückt ist und sie dort das Leben führen, das die Familie sich immer erträumt hat. Sie glaubt an ihre Intuition als Zwilling, und während sie zurückgezogen und behütet in dem kleinen Dorf Cheshmeh aufwächst, denkt sie sich immer wieder Geschichten aus. Geschichten aus dem Leben von Mahtab in Amerika. Sie lernt Englisch, liest verbotene Bücher aus den USA, hört amerikanische Musik und sieht die zensierten Filme. Doch die Realität des postrevolutionären Iran dringt immer wieder in ihr Leben ein, meist in männlicher Gestalt, und immer wieder bekommt Saba Gewalt und Willkür zu spüren. Ihr Freund Rezah, den sie schon lange heimlich liebt, und die schöne Ponneh sind ihre Weggefährten durch Kindheit und Jugend in einem Land, das wunderschön und reich an Geschichten, Kultur, Gastfreundschaft und Poesie ist. Und das unter der Herrschaft des Gottesstaates leidet.

Zwei Schwestern, die durch rätselhafte Umstände getrennt werden, ein tiefes familiäres Trauma, eine unglückliche Liebe – das alles vor dem Hintergrund der Revolution. Mich hat Dina Nayeris Roman zutiefst berührt, und ich habe bis zur letzten Seite mit Saba gelitten, die sich so sehr nach ihrer Zwillingsschwester sehnt. Zugleich schafft Dina Nayeri es in Ein Teelöffel Land und Meer, die gesellschaftlichen Umstände im Iran aufzuzeigen und mir als Leserin das tägliche Leben in einem diktatorischen Staat vor Augen zu führen. Ich bin eingetaucht in diese fremde Welt, habe mitgelitten und viel gelernt. Eine ganz klare Empfehlung!

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