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Freitagstipp: Martin Suters Elefant

Ein kleiner rosa Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Was völlig absurd erscheint, wird plötzlich zu einer Realität, die das triste Leben des Obdachlosen Schoch komplett auf den Kopf stellt. Das seltsame Geschöpf ist Ergebnis eines schiefgelaufenen Genexperiments, das nun von seinen Schöpfern medienwirksam zu einer weltweiten Sensation gemacht werden soll.Der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, sieht in dem Elefant ein heiliges Tier, das beschützt werden muss. Schoch, dem der kleine rosa Elefant zugelaufen ist, nimmt sich dem Wesen an und findet durch ihn einen neuen Lebenssinn.

Martin Suter versteht sein Handwerk und nimmt den Leser leichtfüßig mit in die Welt der Obdachlosen und hinter die Kulissen der modernen Genforschung. Spinnt man den Gedanken weiter, was in der Gentechnik inzwischen alles möglich ist, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Suter schafft es, eine ungefähre Ahnung davon zu vermitteln, welche politischen und finanziellen Interessen dahinter stehen und welchen Einfluss diese Machtindustrie auf uns alle in Zukunft noch haben wird.

Als Kontrast lässt Martin Suter einen Blick auf unsere Randgesellschaft zu. Die Trinker, Bettler und Obdachlosen. Diejenigen, die aus dem System gefallen sind und einen Mikrokosmos für sich geschaffen haben, um zu überleben. Tragische Einzelschicksale, die nachdenklich stimmen und einem den Spiegel vorhalten.

Es ist ein unterhaltsamer Roman, der die Werte unserer heutigen Zeit kritisch hinterfragt. Menschliche Nächstenliebe, machtbesessene Narzissten und der Glaube an eine höhere Instanz verweben sich in seinem neuesten Roman zu einer spannenden Geschichte.

Martin Suter Elefant ist im Diogenes Verlag erschienen.

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