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Freitagstipp: Kristina Günak, Verliebt noch mal

Verliebt noch mal

Herbst in München: Es regnet, es windet, es ist kalt. Perfektes Lesewetter! Ich gestern Abend also ab aufs Sofa, gemütlich eingekuschelt, losgelesen. Und so viel gegrinst wie schon lange nicht mehr. Meine Freitagsempfehlung: Verliebt noch mal von Kristina Günak.

Verliebt noch mal ist die Geschichte von Thea, 27 Jahre alt, Physiotherapeutin mit eigener Praxis in einem schnuckeligen Fachwerkhäuschen in der Altstadt von Hameln (das es, wie meine Recherche beweist, nicht nur in der Sage, sondern auch in Niedersachsen gibt). Hier knetet Thea verspannte Rücken, schlägt sich mit so witzigen wie liebenswerten Patienten herum und vor allem fühlt sie sich hier richtig wohl. Das liegt an der netten Hausgemeinschaft, denn zusammen mit dem Therapeuten Dr. Gosser, der esoterisch angehauchten Autorin Margarete und dem neu hinzugekommenen IT-Spezialisten Schröder, der keinen Vornamen zu haben scheint, geht Thea durch dick und dünn. Die vier trauen ihren Ohren nicht, als der Vermieter ihnen aus heiterem Himmel kündigt und sie plötzlich auf der Straße stehen. Wie in aller Welt sollen sie nur so schnell ein gemeinsames neues Zuhause finden?

Und also ob das nicht schon genug wäre, hat Thea natürlich auch noch an anderer Front zu kämpfen: mit ihren Gefühlen. Nach einer schmerzhaften Erfahrung hat sie den Männern abgeschworen und bis auf ihre Schildkröte Bernd kein männliches Wesen mehr zu nahe an sich herangelassen. Doch ab und zu sehnt sie sich still und heimlich doch nach einer Schulter zum Anlehnen, und ihre dickköpfige Oma, die Thea unbedingt verheiratet sehen will, tut ihr Übriges, um Thea aus ihrer selbst verordneten Männerlosigkeit zu befreien …

Thea ist eine wahnsinnig sympathische Figur, die man schnell ins Herz schließt. Sie hat nicht nur einen großartigen Humor, sondern auch viel Tiefe, denn sie hat trotz ihres jungen Alters schon viel durchgemacht. Das verleiht dem Buch auch stille Momente, kluge Sätze, über die man lange nachdenken muss, und wie immer gelingt es Kristina Günak hervorragend, das mit einem ungeheuren Wortwitz und einem einzigartigen Blick für skurrile Situationen zu verbinden. Mir wurde auf jeden Fall warm ums Herz – von den berührenden Szenen, den schönen Momenten und immer wieder von dem Grinsen in meinem Gesicht. Solange es solche Bücher gibt, kann der Herbst kommen.

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