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Freitagstipp: Sophia, der Tod und ich

Thees Uhlmann Sophia der Tod und ich

Die letzten Wochen vor Weihnachten haben wir unsere Autorinnen zu Wort kommen lassen, um euch ihre Leseempfehlungen vorzustellen. Nun sind wir aber wieder an der Reihe, und ich beginne das Jahr mit meinem Freitagstipp von Thees Uhlmanns Debütroman: »Sophia, der Tod und ich«

Den sympathischen (und recht ansehnlichen) Thees Uhlmann kannte ich zuvor nur als Musiker und Mitbegründer der Indi-Band Tomte. Außerdem können sich vielleicht einige von euch an dieses Lied mit den Lachsen erinnern? Genau, da war doch was. »Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf« war 2011 in den Charts vertreten (Hier geht’s zum Video). Nach einigen Recherchen weiß ich nun, dass Thees Uhlmann nicht nur Sänger und Musiker ist, sondern auch sein eigenes Plattenlabel gegründet hat, für zahlreiche Musikmagazine schreibt und zusammen mit Jürgen Vogel und Heike Makkatsch für den Film „Keine Lieder über Liebe“ vor der Kamera stand. Ganz schön umtriebig, der Gute.

Nun überzeugt er auch als Autor mit seinem Debütroman »Sophia, der Tod und ich« und steht seit einigen Wochen auf der Hardcover-Bestsellerliste. Mir hat der Roman sehr viel Spaß gemacht, weil ich die Idee super finde und mir sein Stil sehr gefallen hat – allerdings ist Thees Schreibe recht speziell.

Thees Uhlmann Sophia der Tod und ich

Zum Inhalt und Eindruck

Was passiert, wenn der Tod an der Tür klingelt und sagt, dass du noch drei Minuten zu leben hast. Thees Uhlmann zufolge: so Einiges! Denn sein Tod ist höflich. Er klingelt beim Ich-Erzähler dieses Romans und teilt ihm diese erschreckende Nachricht zärtlich und doch bestimmt mit. Der Held ist ein grübelnder Hänger und Loser, der nicht viel auf die Reihe bekommen hat in seinem Leben. Fußball, Alkohol, sein Job als Altenpfleger – sonst hat er kaum Leidenschaften. Außer natürlich die täglichen Postkarte an seinen bei der Mutter aufwachsenden Sohn. Und Sophia, deren Vater, einen Klavierstimmer aus Polen, er im Altenheim bis zu dessen Tode gepflegt hatte. Doch Sophia und er haben sich getrennt, bei seinem Fußballverein läuft es auch  nicht besonders und ob sein Sohn die Postkarten überhaupt erhält, weiß er auch nicht.

Derart antriebslos hat er keine Ahnung, was er sich in den letzten Sekunden seines Lebens wünschen soll. Doch bevor es zu spät für tiefschürfende Gedanken ist, klingelt es erneut und Sophia steht vor der Tür. Der Tod ist eine solche Unterbrechung nicht gewohnt, doch neugierig lässt er sich auf die Störung ein und verschiebt das Ableben des Erzählers, um Sophia die Tür zu öffnen. Daraufhin entspinnt sich ein schwarzhumoriges und morbides Roadmovie, das Sophia, den Tod und den Erzähler (zusammen mit dessen Mutter) für ein paar kostbare Lebensstunden durch die halbe Republik jagt.

Auf dem Weg sammelt der lethargische Held allerlei verloren geglaubte Lebensfäden wieder auf: die Beziehung zu seiner Mutter, seine Gefühle zu Sophia und die Verbindung zu seinem Sohn, den er seit sieben Jahren nicht gesehen hat. Und er schließt sein Leben ab. Das erscheint unmöglich, aber Thees Uhlmann schafft es, dass ich am Ende nicht enttäuscht oder traurig war, sondern mir dachte: „Ja, so ist das eben.“ Ich möchte behaupten, so war es gedacht.

Der Autor hat einen besonderen Stil, der zwar ab und zu verloren geht, aber die Schonungslosigkeit und Eigensinnigkeit der Geschichte gut wiederspiegelt. Hier als Beispiel eine Unterhaltung zwischen dem Tod und dem Helden:

Er: Niemand kann klingeln, wenn ich arbeite. Ist nicht vorgesehen.
Ich: Nicht vorgesehen. Nicht vorgesehen… herrlich. Der Tod hat etwas sehr angenehm Deutsches an sich.
Er: Was machen wir jetzt?
Ich: Der Tod fragt mich, was wir jetzt machen? Wahnsinn. Wir fragen, ob der da vor der Tür Skat spielen kann. Schließlich sind wir dann zu dritt. Kannst du Skat?
Er: Nein.
Ich: Ich auch nicht.

Fazit:

Mir hat dieses morbide und dennoch herzerwärmende Roadmovie gut gefallen. Selten fand ich den Tod so sympathisch. Für mich eine Leseempfehlung!

Der Autor geht überdies bald auf Lesereise, u.a. in Essen, München und Frankfurt.

Thees Uhlmann Sophia der Tod und ich08

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