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Freitagstipp: The Hate U Give von Angie Thomas

Angie Thomas ist mit ihrem Debüt eine außerordentlich gute Gradwanderung gelungen. The Hate U Give ist die Geschichte einer 16-jährigen, die zu sich selbst, ihrer Identität und ihrer Stimme finden muss. Gleichzeitig ist es jedoch auch das Porträt einer amerikanischen Gesellschaft, die tief gespalten ist. The Hate U Give überzeugt durch wundervoll gezeichnete Charaktere, durch berührende, aber auch schockierende Momente und durch eine Heldin, die einen noch lange nach der Lektüre begleitet.

Starr ist 16, lebt mit ihren Eltern und ihren Brüdern in Garden Heights und liebt ihre Sneakers und Basketball. Sie ist eine ganz normale 16-jährige, die mit den Alltagssorgen eines Teenagers zu kämpfen hat. Bis zu jenem Tag. Starr wird Zeugin, als ihr Freund Khalil, mit dem sie von einer Hausparty Nachhause fährt, grundlos von einem Polizisten erschossen wird.

The Hate U Give von Angie Thomas

Plötzlich verändert sich alles für sie. Nicht nur muss sie das traumatische Erlebnis verarbeiten, sie wird auch zur wichtigsten Zeugin der Anklage. Doch Starr zögert, sie weiß nicht, wie sie mit der Situation fertigwerden soll. Muss sie vielleicht schweigen, um ihre Familie zu schützen und die Fassade aufrecht zu erhalten? Oder sollte sie sich Gehör verschaffen und dafür sorgen, dass Khalil Gerechtigkeit wiederfährt? Starr ist zwiegespalten, nicht nur aufgrund der Entscheidung, die sie treffen muss, sondern auch aufgrund ihrer Lebensumstände.

Denn während der Alltag in Garden Heights, ihrem Viertel, bestimmt ist von Gangs und Drogen, müssen sich die meisten ihrer Mitschüler nur Gedanken um die nächste Klausur oder den Schulball machen. Denn Starr besucht eine Privatschule, die vor allem von den Kindern einer weißen Oberschicht besucht wird. Aus diesem Grund trägt sie zwei Gesichter zur Schau: Eines in Garden Heights und eines an ihrer Schule.

Doch Khalils Verlust und die Proteste, die durch seinen Tod ausgelöst werden, lassen Starr nach und nach erkennen, dass sie niemandem etwas vorspielen muss. Sie ist es sich selbst und Khalil schuldig, die Wahrheit auszusprechen. Sie muss zu ihrer Identität stehen und der Gesellschaft zeigen, welche Ungerechtigkeit und Ausweglosigkeit noch immer für viele junge Afroamerikaner besteht.

Das ist auch die tiefere Bedeutung, die dem Titel des Romans innewohnt, dass ein Zitat des Rappers Tupac Shakur ist. „The hate you give little infants fucks everybody“, sagt er in einem seiner Songs. Und meint: Wenn wir die Probleme von heute ignorieren, zerstören sie unsere Gesellschaft morgen auf vielfache Weise. Und das erkennt letztlich auch Starr und stellt sich gegen ein ungerechtes System, gegen den Täter, sie stellt sich sogar gegen Menschen, die sie jahrelang für Freunde gehalten hat. Denn sie begreift, dass auch sie die Macht hat, etwas zu verändern.

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