Kolumne
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Freundliche Worte kosten nichts und bringen viel ein

„Freundliche Worte kosten nichts und bringen viel ein“, soll schon Blaise Pascal gesagt haben. Aber wenn es doch so viel bringt, warum fällt es vielen dann so schwer, einfach mal freundlich zu sein? Davon schließe ich mich nicht aus. Wie oft erwische ich mich dabei, wie ich auf meinem Fahrrad durch die Innenstadt hetze und innerlich jeden Fußgänger beschimpfe, der es wagt, meinen Weg zu kreuzen? Oder die anderen Fahrradfahrer, die meinen, sie dürften meine Schussfahrt vom Gasteig runter zur Isar abbremsen … Frechheit! Und heißt es nicht auch: „Dreistigkeit siegt?“

Vor einigen Monaten hatte ich eine Reihe von Begegnungen binnen weniger Minuten, die mir eine Lehre in Freundlichkeit oder besser in Unfreundlichkeit beschert haben. Eine Freundin war zu Besuch, es war Oktoberfest, und wir schlenderten Sonntagmorgens zur Theresienwiese. Für den Weg wollte ich mir einen Kaffee kaufen, und so hüpfte ich schnell in die kleine türkische Bäckerei, die just an dem Morgen eröffnet hatte. Allerdings bekam ich auf meine Bestellung nur ein „Kaffee erst heute Mittag“ zurück. Nun, dachte ich, auch nicht schlimm, versuch ich es im Café gegenüber. Dort ignorierte man mich so lange, bis ich mir wie eine Zierpflanze vorkam und etwas enttäuscht wieder ging. Auf dem Weg zum nächsten Café zeigte ich meiner Freundin mein Viertel (das schöne Westend), pries die kleinen Lädchen und Werkstädten an und fühlte mich auch ohne Kaffee angenehm cosmopolit. Als wir dann an meinem Lieblingscafé vorbeikamen, war ich guter Hoffnung. Okay, ich will dazu sagen, dass in den Wochen der Wiesn die Gastronomie wirklich die Hölle ist, aber ich war den Tränen nahe, als ich in meinem Lieblingsladen an der Theke ebenfalls zunächst ignoriert und dann so doof angeblafft wurde von wegen „Bestellungen da vorne abgeben!“, dass ich mich nur noch umdrehte und ging. Warum war die Welt an diesem Morgen so scheiße zu mir? Hätte nicht mal eine Person nett sein können? Es geht mir nicht um den Kaffee, aber der Ton macht die Musik!

Warum ich gerade jetzt darüber schreibe? Weil ich gestern Abend kurz vor acht (um punkt acht klappt der Einzelhandel in München die Bürgersteige hoch) nach dem Joggen noch einkaufen musste und nur einen Zehneuroschein dabei hatte. Ich wollte für ein paar Freunde kochen und mir fehlten die letzten Zutaten. An der Kasse dann das Dilemma: Der Käse durfte nicht mehr mit. Doch während ich noch überlegte, ob ich vielleicht auf die Tomaten im Salat verzichten sollte, lächelte die Kassiererin milde meinen zerknitterten Zehner an, zwinkerte mir zu und sagte (polnischer Akzent): „Kein Problem, Schätzchen, das bleibt unter uns.“ Damit zückte sie ein Plastikkärtchen und der Rechnungsbetrag sprang von 11,13 auf 10 Euro. In diesem Moment war ihre Freundlichkeit unbezahlbar – fast so wie in der Visa-Werbung. Mein Fazit: Diese Frau hat nicht nur mir den Abend versüßt und mich mit dem Westend versöhnt, sie war quasi der Käse auf unserem Gratin und hat damit auch meinen Gästen den Abend gerettet! Wie viel man doch mit ein bisschen Freundlichkeit erreichen kann …

 

 

2 Kommentare

  1. Petra sagt

    Liebe Eileen,
    ich war 5 Wochen im Chiemgau und bin heute nach Hause gekommen nach München. Es hieß einkaufen in meinem Lieblings(bio)laden, da wird man immer (?) freundlich bedient…. ich stand an der Kasse (als einzige Kundin): Erst ignorierte mich die (neue) Kassiererin und räumte ungeniert ihre Flaschen ins Regal. Dann stapfte sie verdrossen zur Kasse, zog meine Waren über den Scanner, raunzte den Geldbetrag, gab mir das Wechselgeld…… kein Grüß Gott, Bitte, Danke, Wiedersehen, kein einziger Blickkontakt – wozu auch, nicht wahr? Willkommen zuhause oder sollte ich doch lieber die Stadt wechseln und zu den freundlichen Menschen auf dem Land zurückgehen? Schade….. Auf jeden Fall werde ich mich die nächsten Tage noch mehr bemühen, freundlich zu sein…..

    • Eileen sagt

      Die Situation kenne ich nur zu gut! Nach Urlauben fällt mir die allgemeine Unfreundlichkeit in Deutschland besonders auf. Ich fand es immer eine Zumutung, dass der deutsche Zollbeamte als erster Repräsentant unserer Gesellschaft für Auslandsreisende scheinbar nach seiner Griesgrämigkeit ausgesucht wird. Bestimmt ein hartes Auswahlverfahren. Ich glaube, Petra, das Problem gibt es nicht nur hier. Aber wenn wir beide uns ein bisschen Mühe geben, dann hat München schon zwei unfreundliche Bewohner weniger 😉

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