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Gefährliche Liebe

Gefährliche Geliebte

Als ich vor einigen Wochen meine Reisetasche für Japan packte, war eines klar: Haruki Murakami muss ins Gepäck – der japanische Autor, der schon seit Jahren als Nobelpreis-Kandidat gehandelt wird und als Kultautor gilt, und den ich bis dato noch nie gelesen hatte. Ich wusste nicht, was mich erwartete, entschied mich wegen des Titels spontan für »Gefährliche Geliebte«, begann zu lesen – und seitdem hat die Welt einen Murakami-Fan mehr.

Murakami schreibt von der Liebe. Und wie er das tut. Die Liebe in diesem Roman hat eine Wucht, die mich gleichzeitig tief berührte und erschreckte. In Murakamis Roman ist sie zugleich Erfüllung und Zerstörung. Wenn Hajime, die Hauptfigur, mit der Liebe in Berührung kommt, kehrt sie seine besten und seine schlechtesten Seiten hervor. Hajime ist zwölf, als er Shimamoto kennenlernt. Beide spüren sofort, dass das Band zwischen ihnen ein ganz besonderes ist. Doch irgendwann, noch immer sind sie viel zu jung, um ein Paar zu sein, zieht Shimamoto um. Es sind nur wenige Kilometer, die sie fortan trennen, doch sie reichen, um sich aus den Augen zu verlieren. Das Gefühl der Einsamkeit lässt Hajime für viele Jahre nicht los. Er übersteht die Schulzeit irgendwie, lernt Frauen kennen, zieht für das Studium nach Tokio, lebt so vor sich hin. Bis er Yukiko kennenlernt. Sie schafft es, sein Herz zu berühren. Sie heiraten, bekommen zwei Töchter, sind glücklich – bis an einem regnerischen Abend Shimamoto wieder auftaucht …

In zwei Tagen habe ich den Roman durchgelesen, und ich werde ihn mit Sicherheit noch einmal lesen. Denn: »Gefährliche Geliebte« ist eine alte Übersetzung aus dem Englischen. Auch wenn es mein Lesevergnügen nicht geschmälert hat, war dies doch an manchen Stellen spürbar, klang der ein oder andere Anglizismus durch. Direkt aus dem Japanischen übersetzt wurde der Roman noch einmal neu unter dem Titel »Südlich der Grenze, westlich der Sonne« bei Dumont. Wie das wohl ist, denselben und doch einen neuen Roman zu lesen? Ich bin gespannt.

 

 

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