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„Geh nicht fort“ von Margaret Mazzantini

Buchempfehlung Margaret Mazzantini: Geh nicht fort

Zugegeben, über die italienische Autorin Margaret Mazzantini bin ich vor vielen Jahren über das Kino gestolpert. 2004, während meines Auslandsstudiums in Italien, habe ich den großartigen Film Geh nicht fort mit einer noch großartigeren Penelope Cruz gesehen und war gefangen. Zwar tragen unendlich scheinende Freiheit weit weg von daheim, Open Air-Kino, warme Luft und die ersten sprachlichen Fortschritte – check, ich verstehe endlich etwas – nicht gerade zu Objektivität bei, aber was solls! Später habe ich mir dann die Buchvorlage zu Gemüte gezogen und : Geh nicht fort ist in der Tat eine tolle Geschichte.

Mazzantini hat sich einen Mann als Helden genommen: Timotheo ist ein erfolgreicher Chirurg in Rom und hat eigentlich alles im Leben. Er lebt mit seiner schönen und emanzipierten Frau Elsa zusammen, besitzt ein luxuriöses Wochenendhaus am Meer, er hat viele tolle Freunde und seine wohlgeratene fünfzehnjährige Tochter Angela. Doch in sich trägt er ein trauriges Geheimnis. Als Angela nach einem Rollerunfall im Koma liegt, bricht sein Leben schließlich zusammen. Und während seine Tochter im OP ums Überleben kämpft, erzählt er ihr stumm seine Lebenslüge. Dabei begleiten wir Timotheo fünfzehn Jahre zurück. In den unendlichen Weiten der römischen Peripherie beginnt er nach einer Autopanne eine Affäre mit dem Zimmermädchen Italia. Schnell wird daraus eine tiefe, obsessive und ungleiche Liebesbeziehung, mit der Timotheo seine Ehe aufs Spiel. Elsa ahnt scheinbar nichts und lässt ihren Mann ein Doppelleben führen. Bis sie schwanger wird, und eine Entscheidung von ihm fordert.

Ich sage euch gleich: Der Roman ist kein leichter Tobak. Sondern eine eindringliche und schonungslose Geschichte vom stillen Kampf eines Mannes, der erst im Dunkelsten Moment seines Lebens zu sich findet, lange nachdem er das Leben derer, die ihm lieb waren, zerstört hat. Von leidenschaftlicher und verzweifelter Liebe. Von Glück und Vergänglichkeit. Und von der Tragik verpasster Chancen – kurz, eine italienische Lebensbeichte. Gleichzeitig ist das Buch wunderbar zu lesen, sehr intensiv, mit fast poetischem Charakter. Und fast nebenbei zeichnet es ein ziemlich schonungsloses Bild des heutigen Italien. Den schmalen Grat zwischen Dekadenz und Ignoraz auf der einen Seite und Armut und Hoffnungslosigkeit auf der anderen.

Fast bekomme ich Lust, das Buch mal wieder raus zu kramen. Obwohl, vielleicht schaue ich am Wochenende einfach den Film! Oder fahre gleich zurück nach Italien.

 

3 Kommentare

  1. Anna sagt

    Liebe Petra, danke, danke für deinen schönen Worte – ich freue mich sehr! Dass dir das Buch auch so gut gefällt wie mir und vor allem über deine Begeisterung für unsere Buchempfehlungen. Toll, so ein Feedback zu bekommen und dadurch zu wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und euren Geschmack treffen. Und sicher, es kommt mehr 🙂 Viel Freude weiterhin mit Herzenszeilen und Frohes Ostern!
    Anna

    • Petra sagt

      Danke, liebe Anna! Ich habe dein Antwort erst jetzt gelesen…. Ich freue mich schon sehr auf eine weitere schöne Liebesgeschichte….. Lese gerade „Die kleine Geschichte einer großen Liebe“ von Hubertus Meyer-Burckhardt. Ich finde das Buch aber leider eher langweilig…. schade.
      Sei lieb gegrüßt von Petra

  2. Petra sagt

    Ich habe letzte Woche dieses schöne Buch gelesen. Es ist zwar recht schwermütig, aber ich war fasziniert von der Ehrlichkeit, mit der der Professor über sich und sein Leben „gerichtet“ hat. Ganz lieben Dank für Eure Buchempfehlungen! Ich freue mich immer wieder, wunderschöne Liebesromane durch Euch kennen- und lieben zu lernen. Gerade verschlinge ich „Die verborgene Sprache der Blumen“ – auch von Euch empfohlen. Wunderschön. Bitte mehr Tipps! Dankeschön!

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