Kolumne
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Hast du keinen Friseur, dem du das erzählen kannst?

©Sam Manns/Unsplash

Neulich sagte eine junge Kollegin: „Ich hasse Friseure!“  Interessiert schaute ich auf ihre schönen langen naturblonden Haare und fragte nach dem Grund: „Ach, die können es doch nie richtig, und dann muss ich noch so viel dafür bezahlen.“  Recht hat sie, dachte ich und erinnerte mich an damals, als die Friseurin mir den Pony so kurz schnitt, dass ich eine Woche nicht in die Schule gehen konnte. Seitdem bin ich nirgends so kleinlaut wie beim Friseur. Ich fühle mich schon schlecht, wenn ich beim Eintreten diese Mischung aus Shampoo und Föhnluft rieche. Auf das freundliche „Na, was machen wir denn heute?“ von Inga kann ich nur meinen zu Hause geprobten Text erwidern: „Nicht zu kurz, bitte, und den Blondton diesmal nicht zu hell“. Ich merke, wie Inga ein falsches Lächeln aufsetzt, und versuche zu erklären, dass der Schnitt letztes Mal gut, aber eine Spur zu kurz war und dass ich vielleicht zu alt für das Dotterblond bin, das die nachwachsenden grauen Haare nur noch grauer erscheinen lässt. Es hilft nichts, sie lächelt weiterhin und findet mich zickig. Lieblos klatscht sie mir die Farbe auf den Kopf, und ich ertrage schweigend die groben Handgriffe. Sie quasselt dabei ohne Unterlass, während ich versuche, mich auf die Stargeheimnisse in der Bunten zu konzentrieren. Beim anschließenden Haarewaschen habe ich das Gefühl, mein Kopf wird durch den harten Rand des Beckens abgetrennt. Dann folgt der Schnitt. Ich hoffe, dass Inga sich noch daran erinnert, dass meine Haare nass länger wirken, und dass sie weiß: zwei Zentimeter sind nicht gleich vier Zentimeter. Als ich sie darauf hinweisen will, lässt sie theatralisch die Schere sinken und haucht: „Vertrau mir.“ Ich setze meine Brille ab, blind wie ein Maulwurf ergebe ich mich meinem Schicksal. Eine Stunde später bin ich fast 100 Euro los und fahre nach Hause. Mein Mann schaut mich überrascht an und fragt: „Wolltest du nicht zum Friseur?“

3 Kommentare

  1. Kristina sagt

    Mädels ich bin Friseur und ich verstehe nicht warum ihr überhaupt sitzen bleibt auf dem Friseurstuhl, wenn ihr euch nicht wohl fühlt und für etwas zahlt, was euch aber überhaupt nicht gefällt. Sagt was! Sagt eure Meinung. Und wenn die Friseurin das nicht kapiert oder barsch wird, dann steht auf und geht. Ihr müsst mit eurer Frisur zufrieden sein und nicht die Friseurin. Seid ihr schlecht beraten worden oder werdet ihr schlecht behandelt, dann geht und gebt keinen Cent dafür aus.
    Es gibt auch gute Handwerker im Friseur Handwerk. Hast du Nackenschmerzen vom Waschbecken? Es gibt Nackenkissen. Meint die Friseurin doch eine andere Haar Farbe? Dann soll sie auch gefälligst beraten! Ihr müsst nur nach dem richtigen Friseur suchen. Viel Glück dabei und Danke für den Text. Da achte ich jetzt noch besser auf meine Kunden und Ihre Wünsche.

  2. Franziska sagt

    O Gott ja. Ich bin gerade zwei Wochen mit einer Frisur herumgelaufen, die aussah, als hätte ich Henkel am Kopf, weil die neue Friseurin mir nicht glauben wollte, wie schwierig mein Haar sei, sondern es so schnitt, dass meine Locken herauskamen. Das taten sie auch, aber zugleich wurden die beiden großen Wirbel links und rechts am Kopf aktiviert, und nun hatte er Henkel. Oder Hörner. Passend zu meinem Sternzeichen Widder. Andere fanden das komisch, ich nicht. Nur gut, dass Mützen- und Kapuzenzeit ist!

  3. dieser Artikel spricht mir direkt aus dem Herzen. Ja, genau so ist es beim Frisör.
    Man äußert seine Wünsche, die nicht beachtet werden. Die Frisörin macht ihr
    eigenes Ding und am Ende muss man(frau) mit der Kreation mindestens drei
    Wochen rumlaufen, bis es eingermaßen wieder o. K. ist. Und es kostet eine Menge
    Geld.
    Daher gilt: vorsicht vor Frisören (oder -rinnen).

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