Kolumne
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Heute ist nicht alle Tage

Wenn der Sommer definitiv vorbei ist und sich die kalte Jahreszeit mit Dauerregen und grauen Tagen ankündigt, haben wir nichts mehr zu lachen. Die erste Erkältungswelle erfasst die Kollegen, wer trotzdem noch Fahrrad fährt, sieht mit Daunenjacke und Pudelmütze aus, als würden drei Wochen Antarktis bevorstehen. Den Herbst, da sind sich alle einig, will niemand. Klar, das bunte Laub ist hübsch, aber danach sind die Bäume kahl und alles ist dunkel. Woran liegt es, dass ich nicht in das allgemeine Wehklagen einstimmen kann? Ich liebe dieses nasskalte Wetter, finde den Nebel am Morgen erfrischend und die langen Abende gemütlich. Endlich kann ich wieder warme Pullover anziehen und meine ohnehin große Schalsammlung noch durch ein paar Zukäufe erweitern. Ich muss nicht mehr wöchentlich meine Fußnägel lackieren und brauche nur noch einmal täglich zu duschen. Vorbei ist es mit dem blöden Salat, jetzt gibt es nahrhafte Eintöpfe und dazu den leckeren Rotwein, der jeden Weißwein alt aussehen lässt. Am Wochenende muss ich nicht mehr früh aufstehen, um ohne Stau an den See zu kommen. Ich bleibe einfach zu Hause, schaue dem Regen beim Regnen zu, trinke Tee, lese ein gutes Buch und mache sogar ein Mittagsschläfchen – plötzlich hat man für alles mehr Zeit. Und allen, die das trotzdem doof finden, ruft der Sommer frei nach Paulchen Panther zu: „Heute ist nicht alle Tage, ich komm‘ wieder, keine Frage.“ 

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