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Affären, Geheimnisse, Intrigen – Holly

Anna Friedrich, Holly

Heute in unserer Freitagskritik: Holly, die Romanserie von Anna Friedrich. Eine Serie in Buchform, das hat mich als bekennenden Serienfan natürlich sofort interessiert. Die erste Staffel hat sechs Bände, jeden Monat erscheint ein neues Buch mit ungefähr 150 Seiten in Print und auch als E-Book. Spannende Idee, doch funktioniert das?

Holly ist eine Zeitschrift. Und zwar die angesagteste, glamouröseste und überhaupt beste Frauenzeitschrift, die es in Deutschland gibt. Im Berliner Büro wird entschieden, was die Trends von morgen sind, was Frauen lesen und worüber sie sprechen. Verlagswesen, Glamour, Berlin – in dieser Welt spielt die Romanserie. Die Bücher kommen dann auch wie eine Zeitschrift daher, eingepackt in einer Plastikhülle sind sie auch am Kiosk erhältlich – monatlich neu.

Im ersten Band Die verschwundene Chefredakteurin lernen wir die exzentrische Verlegerin Elisabeth kennen, die souveräne Chefredakteurin Annika, die ehemalige Kollegin Christa, die mit ihren revolutionären Ideen und einer kompletten Neuausrichtung des Magazins gescheitert ist, die junge, idealistische Journalistin Sibel, Simone, die Neue, die von oben geschickt wird und die Workflows analysieren soll (was ja nie gut klingt und immer nur böse enden kann), und Larissa, die in dem Szene-Restaurant arbeitet, dass die Holly-Mitarbeiterinnen gern mit ihrer Anwesenheit beehren. Männer gibt es natürlich auch noch (gut aussehende!), und damit hat Anna Friedrich alle Zutaten für ihren Stoff: Affären, Geheimnisse, Intrigen, das wird schon auf dem Cover angekündigt und auch erfüllt. Leider blieben für mich dabei die Figuren auf der Strecke – und die Liebe auch.

Vor allem drei der Frauen – Simone, Sibel und Larissa – haben Geschichten und Probleme, die mich interessieren. Doch jedes Mal, wenn man gerade mehr über sie erfährt, springt die Geschichte weiter zur nächsten Figur. Ich musste mich beim Lesen richtig konzentrieren, um zu verstehen, um wen es gerade ging. Eine Serie braucht natürlich ein großes Personal, wahrscheinlich muss ich einfach dranbleiben und den nächsten Band lesen. Trotzdem bleibe ich eher mit einem Gefühl der Verwirrung als der Neugier zurück. Es ist kein Text, der leicht zur Identifikation einlädt. Die Erzählstimme beschreibt viel und ausführlich; beispielsweise was unsere Heldinnen tragen, aus welcher Kollektion und in welchen Farben. Ich interessiere mich dafür zu wenig, Modefans kommen hier sicher auf ihre Kosten. Und dann gibt es da noch die »Kamera«. Die Kamera führt uns durch die Geschichte, sie zoomt in eine Szene, springt von einem Gespräch am Berliner Redaktionstisch zu einem heimlichen Treffen in Hamburg und sogar bis nach Frankreich. Wie in einer Fernsehserie eben. Das hätte es für mich nicht gebraucht. Ich bleibe gern im Buchuniversum.

Ich hätte mir mehr Nähe zu den Figuren, weniger Handlungsstränge, statt zahlloser Intrigen rund um die Zeitschrift mehr Liebe und echte Gefühle gewünscht – obwohl ich die Idee sehr spannend finde, hat mich Holly bisher noch nicht überzeugt. Wie ging es euch?

 

 

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