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»Immer montags beste Freunde« – Laura Schroff im Interview

Laura Schroff immer montags beste Freunde

Täglich läuft man an fremden Menschen vorbei und beachtet sie nicht. Besonders an Bettlern oder Obdachlosen. Als Laura Schroff morgens durch die Straßen von New York hetzt, hat sie keine Zeit für den kleinen Jungen an der Straßenecke und geht weiter – doch dann bleibt sie stehen und geht zurück, um ihm etwas zu essen zu kaufen. Im Interview erzählt sie uns von ihrem Buch, das von der einzigartigen Freundschaft erzählt, die aus diesem Moment entstand. Ihr könnt auch noch ein Exemplar von Immer montags beste Freunde gewinnen und Testleser werden bis zum 19.10. Schaut vorbei auf: testleser-werden.de

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Was hat Sie dazu bewegt, Ihre Geschichte mit Maurice aufzuschreiben und mit anderen zu teilen?

1997 brachte Good Housekeepers einen kurzen Artikel über meine Freundschaft mit Maurice, woraufhin ich ein überwältigendes Echo von Freunden und Kollegen aus der Werbeanzeigenbranche erhielt. Mir wurde ständig geraten, ein Buch zu schreiben und unsere Geschichte festzuhalten. Die Leser liebten diese Geschichte und wollten mehr erfahren. Aber erst als ich 2007 ein Vorruhestandsangebot von Time Inc. wahrnahm und nach Florida zog, hatte ich genug Zeit, über ein solches Buch nachzudenken. In den ersten Jahren meiner Freundschaft mit Maurice wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass sich andere für unsere Geschichte interessieren könnten. Erst als ich mit meinem Co-Autor Alex Tresnioski anfing, an dem Buch zu arbeiten, wurde mir klar, dass Maurice´ und meine Erfahrungen eine wichtige Botschaft bargen. Das war der Grund, warum ich unsere Geschichte unbedingt veröffentlichen wollte.

Immer montags beste Freunde von Laura Schroff

 

 

Haben Sie je Ihre Freundschaft mit Maurice infrage gestellt? Konnten Bemerkungen und Befürchtungen von Freunden Zweifel in Ihnen wecken?

Ehrlich gesagt nein, obwohl es vielleicht vernünftig gewesen wäre. Ich wusste vom ersten Moment an, dass Maurice ein ganz besonderes Kind ist. Sein Gesicht und seine Augen strahlten ein solches Vertrauen aus. Am Anfang unserer Beziehung drängten mich Freunde und Verwandte, vorsichtig zu sein, und lieferten mir alle möglichen Gründe dafür, den Rückzug anzutreten. Aber ich war immer überzeugt, dass Maurice ein wirklich guter Junge in einer wahrhaft schlimmen Lage war und aus einem ganz besonderen Grund in mein Leben gekommen ist. Außerdem gab mir Maurice nie auch nur den geringsten Anlass für Zweifel oder Misstrauen, daher stellte ich unsere Freundschaft niemals infrage.

 

Wie wäre Ihr Leben wohl verlaufen, wenn Sie an jenem ersten Tag nicht zu Maurice umgekehrt wären?

Das ist ganz einfach: Mein Leben wäre niemals so reich gewesen. Maurice hat unendlich viel Glück und Freude in mein Leben gebracht und in vielerlei Hinsicht meine Ansichten übers Leben allgemein und meine Kindheit insbesondere verändert. Es war unglaublich bereichernd, Zeit mit ihm zu verbringen, mit ihm zu reden, zu backen und all unsere Montagabendrituale zu zelebrieren. Ihm war es damals genauso wenig bewusst wie mir, dass er ein Kind war, das einem Erwachsenen die wahre Bedeutung von Liebe, Vertrauen und Freundschaft vermittelte. Meine Familie und meine Freunde bekommen ständig von mir zu hören, dass wir alle so ein Kind wie Maurice treffen müssen, das uns die Augen öffnet und zeigt, wie glücklich wir uns schätzen können. Es klingt vielleicht egoistisch, aber Maurice half mir, mit vielen Problemen und schlimmen Erinnerungen in meinem Leben zurechtzukommen. Keine meiner Leistungen erfüllt mich mit mehr Stolz als der Umstand, dass Maurice mein Freund und der Sohn ist, den ich nie hatte. Ich kann nur hoffen, dass ihm unsere Beziehung genauso viel gegeben hat wie mir.

 

 

Inwiefern hat Ihre eigene Kindheitsgeschichte Ihr Verhalten gegenüber Maurice beeinflusst?

Ich hielt es für wesentlich, Maurice mit Hilfe unserer allwöchentlichen Rituale so viel Struktur wie möglich zu bieten, denn danach hatte ich mich als Kind gesehnt. Ich wollte, dass alles immer gleich ablief, dass sich nichts veränderte, dass wir nicht ständig umzogen und unser Leben auf den Kopf gestellt wurde. Dies ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft unseres Buches: den Wert einfacher, kleiner Rituale im Leben eines Kindes zu vermitteln. Ich habe oft über Verlässlichkeit nachgedacht und versucht, Maurice genau das zu geben. Mein Dad war manchmal ein großartiger und manchmal ein furchtbarer Vater. Ich hingegen wollte verlässlich für Maurice da sein. Er sollte auf mich zählen können.

 

Zu Beginn Ihrer Geschichte schreiben Sie von dem „unsichtbaren Band“, das Sie und Maurice verband. Würden Sie das als Schicksal bezeichnen? Glauben Sie an so etwas wie Vorsehung, Schicksal und Bestimmung?

Ich halte mich für einen ausgesprochen spirituellen Menschen und bin überzeugt, dass Schicksal und Bestimmung in unserem Leben eine große Rolle spielen. Vor ein paar Jahren sagte mir ein sehr lieber und weiser Freund: „Es ist dir nicht bestimmt, eigene Kinder zu haben, sondern viele Kinder zu inspirieren.“ Ich hoffe, das konnte ich in liebevoller Weise bei Maurice, seinen Kindern, meinen Nichten und Neffen und hoffentlich auch bei meinen kleinen Großnichten und Großneffen verwirklichen. Wenn man im Leben etwas für andere bewirken kann, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, so beweist das, dass man aus einem bestimmten Grund miteinander zu tun hat. Maurice und ich hoffen, unsere Geschichte trägt dazu bei, dass unsere Gesellschaft die Benachteiligten anders betrachtet und begreift, wie schwer es manchmal ist, einen Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn dieses Buch das auch nur ansatzweise erreicht, bewirkt unsere Freundschaft noch mehr Gutes. Also ja, ich glaube an Bestimmung und ich glaube, dass Maurice und ich uns deshalb begegnet sind. Nicht nur, um einander zu helfen, sondern um möglichst auch andere Menschen zu inspirieren.

 

Monatelang war das Memoir auf der New York Times-Bestsellerliste und auch bei uns schon Spiegel-Bestseller – hier der tolle Buchtrailer.

 

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