Alle Artikel in: Kolumne

Besinnlich scheitern

Kennt ihr das? Jedes Jahr nehme ich mir vor, alles rechtzeitig zu organisieren, um nicht in den vorweihnachtlichen Stress zu geraten. Und dann kommt immer irgendwie das Leben dazwischen, und alle guten Vorsätze sind dahin. So war das auch mit dem Adventskalenderprojekt. Eigentlich wollte ich ein Last-Minute-DIY-Tutorial für euch schreiben, aber Pustekuchen. Stattdessen kommt eine eilige email rein, die schnell beantwortet werden muss, die Besprechung dauert länger als geplant, das Kind muss auch noch vom Kindergarten abgeholt werden, einkaufen war ich auch noch nicht, und es kündigt sich auch noch spontaner Besuch am Abend an. Somit platzt der ganze Tagesplan. Da hilft es nur noch, alle Waffen zu strecken, sich erst mal eine Tasse Tee zu machen und sich dabei in Ruhe einen Plan B zu überlegen. 

Warum wir die bessere Hälfte suchen

Heute am Welttag der Philosophie scheint es mir wichtig, einen Moment innezuhalten. Was kann uns die Philosophie heute noch mitteilen? Haben wir nicht längst die „Liebe zur Weisheit“ verloren? Keine Ahnung, denke ich und frage mich, was das sein soll – „Weisheit“? Das Bestreben, die Welt und die menschliche Existenz zu ergründen, fand ich immer schon sehr abstrakt. Der kategorische Imperativ von Kant ist schon sehr viel praktischer, aber ganz im Ernst. Wann habe ich je nach derjenigen Maxime gehandelt, durch ich zugleich wollen konnte, dass sie allgemeines Gesetz würde? Obwohl … Erst gestern habe ich eine alte Frau auf dem Fahrrad ermahnt, als sie über eine rote Ampel fuhr – war das gemeint? Im Gedächtnis geblieben ist mir allerdings das mythische Wesen der Antike: der Kugelmensch. Platon beschreibt ihn im Symposion. Demnach waren die Menschen ursprünglich Kugeln mit zwei Köpfen und acht Gliedmaßen. Sie waren stark und mächtig und somit ein Dorn im Auge des Gottes Zeus. Also zerschnitt er diese fast gottgleichen Menschen in zwei Teile. Seitdem – so der Mythos – suchen …

Heute ist nicht alle Tage

Wenn der Sommer definitiv vorbei ist und sich die kalte Jahreszeit mit Dauerregen und grauen Tagen ankündigt, haben wir nichts mehr zu lachen. Die erste Erkältungswelle erfasst die Kollegen, wer trotzdem noch Fahrrad fährt, sieht mit Daunenjacke und Pudelmütze aus, als würden drei Wochen Antarktis bevorstehen. Den Herbst, da sind sich alle einig, will niemand. Klar, das bunte Laub ist hübsch, aber danach sind die Bäume kahl und alles ist dunkel. Woran liegt es, dass ich nicht in das allgemeine Wehklagen einstimmen kann? Ich liebe dieses nasskalte Wetter, finde den Nebel am Morgen erfrischend und die langen Abende gemütlich. Endlich kann ich wieder warme Pullover anziehen und meine ohnehin große Schalsammlung noch durch ein paar Zukäufe erweitern. Ich muss nicht mehr wöchentlich meine Fußnägel lackieren und brauche nur noch einmal täglich zu duschen. Vorbei ist es mit dem blöden Salat, jetzt gibt es nahrhafte Eintöpfe und dazu den leckeren Rotwein, der jeden Weißwein alt aussehen lässt. Am Wochenende muss ich nicht mehr früh aufstehen, um ohne Stau an den See zu kommen. Ich bleibe einfach …

Zeichen und Wunder

Es gibt sie ja: Menschen, die nicht lesen. Meine Schwester zum Beispiel gehört dazu. Während ich mich unsere ganze Kindheit lang nirgendwo wohler fühlte als in einer Bibliothek und zuhause mein Bücherregal wie einen Schatz hütete, konnte sie ein Buch nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Als ich älter wurde, leuchtete mir neben dem Spaß auch der Sinn des Lesens völlig ein, und ich – ganz große Schwester – beschenkte sie regelmäßig zu Geburtstag, Weihnachten und Ostern mit Kinder- und Jugendbüchern. Alle von Herzen ausgewählt, war ich doch überzeugt, dass sie einfach noch nicht die richtige Lektüre gefunden hatte. Die Geschenke wurden mit einem Seufzen ausgepackt, mit einem gequälten Lächeln begutachtet und verschwanden im Regal, um zu verstauben. Irgendwann, meine Schwester war inzwischen ein Teenager, gab ich auf. Keine Geschenke, keine Anspielungen, keine Versuche mehr. Wenn sie sich unbedingt um das Glück des Lesens bringen wollte, gut! Ich wollte ihr dabei nicht mehr im Weg stehen, immerhin war sie fast erwachsen. Von außen betrachtet zumindest schien ihr Leben auch ganz in Ordnung zu sein, ohne Bücher, …

Shanti!

Seit zwei Wochen sitze ich wieder am Schreibtisch. Der Sommerurlaub ist vorbei, der Herbstwind weht durch München, die Buchmesse naht. Und ich? Bin immer noch tiefenentspannt. Zu verdanken habe ich das meiner Freundin, die mich überredet hat, sie in den Yoga-Urlaub zu begleiten. Und zwar nicht auf Bali, nein, ins Allgäu. Ins Familien- und Rentnerparadies samt Kuhglocken, Käse, Bergfanatikern und Frauen im Dirndl. Ich habe schon aufregendere Urlaube gebucht. Tapfer erzählte ich den Kollegen von einem „Yoga-Retreat in den Bergen“, um wenigstens das Wort „Allgäu“ zu vermeiden. Und blickte auch mit ein wenig Sorge auf die Woche: Aufstehen um sieben Uhr, um direkt zur Bewegung anzutreten – und das in den Ferien? Urlaub in der Gruppe, womöglich mit lauter Veganern und Gesundheitsfanatikern, die nur ayurvedisches Heilwasser trinken und wahrscheinlich nicht einmal ein Glas Wein am Abend? Während meine Freundin freudig ihre bequeme Kleidung und Wollsocken in ihren Wanderrucksack packte, schmuggelte ich mir eine kleine Flasche Rotwein in den Koffer – nur um sie bei meiner Rückkehr unangetastet wieder auszupacken. Nicht nur, dass es in unserem …

Endlich Sommer! Oder: Gottseidank werden die Tage wieder kürzer

Was ist denn nur los in unserer Gesellschaft der Unzufriedenheit? Im Winter ist es zu kalt; wenn es schneit, liegt zu viel Schnee; wenn es nicht schneit, is kein Winter … und im Sommer? Genau das gleiche Spiel. Jetzt haben wir mal wieder richtig Sommer und Rudi Carrells „Gesang“ wurde endlich erhört, da beschweren wir uns doch tatsächlich, dass es zu heiß ist! Zielstrebig werde ich in der Mittagspause in die schattigste Ecke gelotst, die Fenster werden verrammelt, die Jalousien heruntergezogen. Ist es nicht schade, dass wir immer rummäkeln? Das gilt nicht nur für das Wetter. Wenn man zufrieden ist mit sich und seiner Welt, ist man ja gesellschaftlich völlig uninteressant. Stattdessen braucht man Dramen, über die man jammern kann, Sorgen, die Mitleid erhaschen, und überflüssige Kilos, die man mit Blick auf die Sahnetorte schuldbewusst mit den Fingern kneifen kann. Ich für meinen Teil möchte versuchen, etwas zufriedener zu sein. Ein Mittsommervorsatz sozusagen. Wenn die Sonne scheint, produziert mein Körper zumindest genug Vitamin D, mein Serotoninwert steigt (der Botenstoff des Glücks, wie es heißt!) und  …

Männer im Sommer

Endlich Ferien – von wegen

Hier in München war es schon so richtig heiß, fast vier Wochen Hitze pur, nur wenige kühle Nächte sorgten dafür, dass das Gehirn wieder auf Betriebstemperatur kam. Gerade macht die Sonne mal hinter den Wolken Pause, aber der August wird wieder schön mollig. Den meisten Kollegen scheint das nichts auszumachen, denn sie haben ja bald URLAUB. Sabine ist schon nach Dänemark geflogen und Uschi freut sich auf Italien (Liege 6, Reihe 15, an der Adria). Toll, denke ich und verfluche mich, dass ich bereits Ende Mai drei Wochen freinahm. Was damals eine gute Idee war, erweist sich heute als totaler Quatsch, denn nun kann ich schuften, während alle anderen in die Fluten springen. Neid kenne ich bisher nur, wenn eine Frau einen Porsche fährt, dass Kollegen Ferien machen, gehörte bislang nicht auf meine schwarze Liste. Nun vergeht kein Tag, an dem ich nicht genervt mit den Augen rolle, wenn es wieder heißt „Ich bin dann mal weg“. Ich könnte direkt mit meinen Stöckelsandalen angreifen, stattdessen flöte ich „Erhol dich gut …“. Noch sechs kurze Wochen, …

Man heiratet nicht für sich, sondern für andere!?

Wenn man in einem gewissen Alter ist, dann flattern zum Jahresbeginn zwangsläufig Hochzeitseinladungen und Save-the-Date-Kärtchen ins Haus. Liebevoll gebastelt, gestaltet oder gedruckt sind sie erst der Anfang des nun einsetzenden Wahnsinns: Bastelrunde für die Tischdeko, Auswahl der Lieder für die Kirche, DJ oder Band, Junggesellenabschiede, Torte, Hochzeitstanz, Einlagen der Gäste, oder Einlagen lieber gleich verbieten? Braut und Bräutigam beschäftigen sich Tag und Nacht damit und manchmal auch ihr Umfeld. Und wenn es dann soweit ist, der große Tag ist  da, dann ist es doch gelegentlich ein eher skurriles Schauspiel: Eine völlig verspannte Bridezilla steht in einem sündhaft teuren Kleid in der perfekten Location, verkrampft einen Strauß in der Hand und schaut auf steife Hochzeitsgäste, die alles kritisch beäugen und sich sicher sind, dass sie es bei ihrer eigenen Hochzeit einmal besser machen werden. Wie oft habe ich auf Hochzeiten schon gedacht: „Oh Gott, jetzt chillt Euch doch alle mal!“ Aber könnte man das nicht auch zu uns Hochzeitsgästen sagen? Jeder feiert die Hochzeit, die zu ihm passt. Und während dem einen vor Lachen die Tränen …

Freundliche Worte kosten nichts und bringen viel ein

„Freundliche Worte kosten nichts und bringen viel ein“, soll schon Blaise Pascal gesagt haben. Aber wenn es doch so viel bringt, warum fällt es vielen dann so schwer, einfach mal freundlich zu sein? Davon schließe ich mich nicht aus. Wie oft erwische ich mich dabei, wie ich auf meinem Fahrrad durch die Innenstadt hetze und innerlich jeden Fußgänger beschimpfe, der es wagt, meinen Weg zu kreuzen? Oder die anderen Fahrradfahrer, die meinen, sie dürften meine Schussfahrt vom Gasteig runter zur Isar abbremsen … Frechheit! Und heißt es nicht auch: „Dreistigkeit siegt?“ Vor einigen Monaten hatte ich eine Reihe von Begegnungen binnen weniger Minuten, die mir eine Lehre in Freundlichkeit oder besser in Unfreundlichkeit beschert haben. Eine Freundin war zu Besuch, es war Oktoberfest, und wir schlenderten Sonntagmorgens zur Theresienwiese. Für den Weg wollte ich mir einen Kaffee kaufen, und so hüpfte ich schnell in die kleine türkische Bäckerei, die just an dem Morgen eröffnet hatte. Allerdings bekam ich auf meine Bestellung nur ein „Kaffee erst heute Mittag“ zurück. Nun, dachte ich, auch nicht schlimm, versuch …

Ein ganzer Schrank voll nix zum Anziehn

Wir Frauen haben ja viele Probleme, aber wenn es um Entscheidungen in der Kleiderwahl geht, dann wird es eng. Jeden Morgen wieder die quälende Frage: Was ziehe ich an? Mit schmerzverzerrten Gesicht stehe ich vorm Kleiderschrank. Besonders jetzt im Frühling fällt die Entscheidung schwer, man kann all die dunklen Sachen nicht mehr sehen, aber ist die weiße Hose nicht zu weiß? Außerdem habe ich drei Meetings, da sollte auf jeden Fall der Blazer mit, doch dann ist mir in dieser H&M-Bluse zu warm. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich mich beeilen muss, trotzdem hadere ich weiterhin mit meinem Schicksal. Die Kombination blaue Strickjacke und beige Jeans hatte ich doch schon gestern an, geht also auch nicht. Wo ist denn überhaupt dieses lässige T-Shirt mit der goldenen Schrift? Futsch, wie so vieles, wenn es morgens eilt. Ich frage mich, warum die Designer heutzutage 10-15 Kreationen im Jahr abliefern, davon aber nichts bei mir im Schrank zu finden ist?Egal, ich muss jetzt los, die Schuhe sind die Rettung, jetzt noch irgendein Tuch, das den Fleck …