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Eine Hymne auf die Tauschregale

Kürzlich war ich mit meinem Freund im Urlaub – Costa Rica, mit dem Rucksack von Süden nach Norden, von Dschungel zu Strand, von Faultier zu Tapir. Das bedeutete: leicht packen! Nach langen Überlegungen einigten wir uns auf zwei Bücher, jeder eins. Als wir gebräunt, übermüdet und von Mücken zerstochen nach drei Wochen heim kamen, hatten wir kein Buch mehr dabei – allerdings 7,5 gelesen. Wie das geht? Die Bücherregale in den Hostels waren unsere Quellen! Vollbepackt mit Taschenbüchern aus aller Herren Länder gab es hier aktuelle Bestseller und Klassiker, von denen ich einige schon immer lesen wollte. Teilweise hatten die Reisenden kleine Botschaften und Daten hineingeschrieben. Die Touristen, die ganz schnieke versuchten, am Strand auf ihren I-Pads die Schrift zu entziffern, lachte ich hinter meinen ausgeblichenen und durch Salzwasser und Wind gewellten Seiten nur aus. Mein Fazit dieser „Lese“-Reise: Bücher müssen gelebt und gelesen werden, und auch so aussehen. Trotz der Vorteile des E-Lesens kommt ein Reader an dieses Erlebnis einfach nicht ran – und tauschen kann man E-Books auch nicht.

Wer ist eigentlich Murphy?

Es ist wieder so weit, Mittwochabend, bekanntes Szenario: Es ist sau kalt, ich bin tot müde, habe Hunger und hadere mit mir, ob ich trotzdem noch einen kurzen Stopp beim Supermarkt einlegen soll. Schnell habe ich die Lage gepeilt, wenige Kunden, die Schlange an der Kasse recht übersichtlich – passt. Verlassen habe ich den Supermarkt dann nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde und das, obwohl ich nur ganze drei (!!) Teile eingekauft habe. Und warum? Na, weil ich, wie immer, an die laaaaangsamste Kassiererin der Welt geraten war. Da steht man da und macht ein Wechselbad der Gefühle durch. Anfangs habe ich noch Mitleid mit der armen Frau, vielleicht arbeitet sie erst seit zwei Tagen an der Kasse und kennt sich noch nicht aus, okay, da will ich mal nicht so sein. Nach weiteren drei Kunden beginne ich dann doch einigermaßen vernehmbar vor mich hinzuschnauben und genervte Augenroll-Blicke mit den Mitwartenden auszutauschen, wieder zwei Kunden später ─ die Schlange hinter mir wird bei dem Schneckentempo nicht kürzer

So long, dear January

Wir haben es geschafft. Der längste, tristeste und eintönigste Monat des Jahres ist fast vorbei. Ein Monat, in dem keiner auf die Idee kommt, eine Party zu schmeißen oder zu einem schönen üppigen Essen einzuladen, weil wir ja alle schon viel zu viel an Weihnachten geschlemmt und getrunken haben. Der Himmel ist grau, das Fahrrad bleibt im Schnee stecken, der Wind pfeift eisig und gemein. Zudem ist das Geld knapp, denn auf magische Art und Weise ist der Januar auch in dieser Hinsicht viel zu lang. Und was soll man auch kaufen? Mützen im Schlussverkauf? Die können wir doch schon lange nicht mehr sehen. Wer hat eigentlich diesen störrischen Januar erfunden? Er stellt sich vor all die schönen Aussichten, die wir auf das Jahr haben könnten. Aber nicht mehr lange.

Gute Vorsätze: Dieses Jahr ist weniger nicht mehr

Alle Jahre wieder werden Gott und die Welt gefragt, was sie sich zum neuen Jahr vorgenommen haben. Die meisten Vorsätze sind allerdings mit Verzicht verbunden, und ich frage mich, was so positiv daran ist, auf Dinge zu verzichten? Meine Freundin zum Beispiel nimmt sich jedes Jahr vor, wochenweise nicht zu trinken (als wäre sie ein Schluckspecht, der ab dem Nachmittag nicht mehr gerade stehen kann). Geht man mit ihr im Januar ins Kino und schlägt danach vor, noch ein Glas Wein zu trinken, heißt es: „Nö, du, lass mal, ich trinke ja gerade nicht …“ Also geht man lustlos heim und wartet, dass die guten Vorsätze gebrochen werden. Da lobe ich mir doch meinen Bruder: Der nahm sich letztes Jahr vor, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Er qualmte ein Jahr lang und hatte dann einfach keine Lust mehr. In diesem Sinne: Ich verzichte dieses Jahr auf nichts, sondern mache so viel wie möglich (schlafen, essen, rauchen, trinken, shoppen, in die Luft gucken und möglichst ganz viel nichts tun).