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Kinotipp: The Danish Girl

Ich liebe es, bei schlechtem Wetter nachmittags allein ins Kino zu gehen. THE DANISH GIRL war genau der richtige Film für einen tristen Wintertag, 15:30, Originalversion – perfekt!

Das dänisch-amerikanische Künstlerehepaar Gerda und Einar Wegener führt in den 1920er Jahren ein bewegtes Leben in Kopenhagen. Eines Tages springt Einar als weibliches Model ein, weil Gerdas Freundin Ulla, die sie eigentlich zeichnen sollte, verhindert ist. Einar lässt sich zunächst zögerlich, dann voller Sinnlichkeit auf seinen Part als „Frau“ ein, streicht sachte über die schönen Stoffe, die Gerda ihm umgelegt hat, streift sich sogar die Feinstrümpfe und Damenschuhe über, und verschmilzt mit seiner Rolle. Tief beeindruckt verpasst Gerda ihm spaßeshalber den Namen Lili.

Dieses Porträt von Lili erlangt Berühmtheit, und so zeichnet Gerda duzende weitere Bilder ihres verkleideten Mannes. Allerdings ahnt sie nicht, dass Einar eine zunehmende Sehnsucht nach seiner jahrelang verdrängten weiblichen Seite entwickelt. Aus der ursprünglichen Verkleidungsaktion entwächst bald ein fatales Rollenspiel, dem sich Einar nicht mehr entziehen kann und will. Bei gesellschaftlichen Anlässen unternimmt er den Versuch, sich unerkannt in seiner Rolle als Lili Elbe unter das Künstlervolk zu mischen und studiert bei diesen Gelegenheiten die Körpersprache anderer Frauen, die er immer weiter perfektioniert. Und zuhause legt er „Lili“ gar nicht mehr ab, Einar bittet seine Frau sogar, ihre Nachthemden tragen zu dürfen, schminkt sich und wird immer unglücklicher. Psychiater, Ärzte aller Fachrichtungen werden aufgesucht, die alle zu einem Schluss kommen – Einar ist verrückt, gar schizophren und gehöre ins Irrenhaus, wie es damals noch hieß. Gerda, die ebenfalls still vor sich hin leidet, weicht nicht von Einars Seite, unterstützt ihn, wo sie kann, wohlwissend, dass ihre Ehe zu Ende ist, und sie den Mann, den sie einst geheiratet hat, auf immer verloren hat. Die Monate vergehen, bis Einar sich einer unabwendbaren Tatsache stellen muss: er möchte endgültig im Körper einer Frau, als Lili, leben und fasst den Entschluss, sich bei Dr. Warnekross einer geschlechtsangleichenden OP zu unterziehen. Dieser Eingriff ist lebensgefährlich und nur vereinzelt durchgeführt worden, dennoch wagt Einar den Schritt und wird 1928 zu einer der ersten Transsexuellen, die sich dieser Operation unterziehen – und diese leider nicht überlebt.

Der Film basiert auf der Buchvorlage von David Ebershoff (2002) und auf Lili Elbes Lebensbericht von 1931. Der großartige Eddie Redmayne brilliert als zerbrechlich-unglücklicher Einar, sein Minenspiel ist fantastisch, ebenso wie die langsame Metamorphose zu seinem wahren Ich, Lili Elbe. All seine Ängste, die Verzweiflung, die Abgründen, mit denen er zu kämpfen hat, nimmt man ihm zu jeder Sekunde ab. Und die wunderschöne Schwedin Alicia Vikander verkörpert gekonnt Einars Ehefrau Gerda, die ihren Mann auf seinem Weg begleitet, obwohl ihre Welt aus den Fugen gerät.

Am Ende bleibt ein zu Tränen rührendes Liebesdrama, schön eingefangen, leise und schnörkellos dargestellt, die von einer großen Liebe erzählt, die auch noch bleibt, wenn alles andere zerbrochen ist.

 

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