Allgemein, Rezensionen, Urlaubslektüre
Schreibe einen Kommentar

Liebling des Monats: »Shark Club« von Ann Kidd Taylor

»Ich schob eine lange Haarsträhne beiseite, die vor meiner Tauchmaske schwebte, und glitt durch die bläulich-grüne Unterwasserwelt von Bimini. 

Es war der letzte Tag meines Forschungssemesters, und ich hielt Ausschau nach Sylvia, einem anderthalb Meter langen, vier Jahre alten Zitronenhai-Weibchen. Die Strahlen hellen Sonnenlichts, die vorhin noch das Meer durchschnitten hatten, begannen sich aufzulösen und hinterließen Schatten, die dunkel über die Oberfläche strichen. Ich blickte nervös zu Nicholas, meinem Tauchpartner, dann prüfte ich die Uhrzeit.« (»Shark Club« von Ann Kidd Taylor)

Die »Haiflüsterin« – so wird Maeve, die Protagonistin in »Shark Club« von Ann Kidd Taylor genannt. Maeve ist Meeresbiologin. Ihre große Leidenschaft sind Haie, obwohl sie als Kind von einem gebissen wurde. Sie beobachtet das Verhalten von Haien und kehrt zwischen zwei Forschungsreisen zu ihrem 30. Geburtstag zurück nach Hause, auf eine kleine Insel südwestlich von Florida.

Wenn sie sich früher ihr Leben mit 30 vorgestellt hat, sah sie sich immer als Meeresbiologin, aber auch als Mutter. Doch Daniel, der Mann, mit dem sie Kinder bekommen wollte, hat sie vor sieben Jahren bitter enttäuscht mit einem Seitensprung, aus dem ein Kind hervorging. Als Maeve nun Jahre später diesem Kind und wenig später auch Daniel begegnet, weiß sie, dass die Zeit gekommen ist, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen.

Zwei Dinge machen »Shark Club« für mich zu etwas Besonderem: Am allerbesten gefällt mir, dass es sich um keine banale Liebesgeschichte handelt, wie wir sie kennen (und trotzdem lieben, da nehme ich mich nicht aus ;)). Denn Ann Kidd Taylor gelingt es, die üblichen Beziehungskonstellationen aufzubrechen und etwas Neues zu schaffen, das ich so bisher nicht gelesen habe. In »Shark Club« geht es um Liebe in ihren unterschiedlichen Facetten – nicht nur um die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern auch um die Liebe zu einem Kind, das nicht das eigene ist. Maeve muss sich zwar zwischen zwei Männern entscheiden – typisch, ja – aber es geht auch um andere Lebensfragen: Wie viel Zeit muss vergehen, damit man jemandem vergeben kann? Und macht man sich nicht selbst schuldig, wenn man viel zu lange an der eigenen Enttäuschung und Wut festhält und seinen eigenen Schmerz über alles anderes stellt?

Was an »Shark Club« außerdem einzigartig ist, ist das Thema Haie, das sich in Maeves Liebe zu den Tieren manifestiert. Als Leser taucht man mit Maeve in eine faszinierende Unterwasserwelt ein und begleitet sie ins Unbekannte. Und man leidet mit Maeve, als klar wird, dass jemand in großem Stil Jagd auf Haie macht und ihre Flossen abschneidet. Hier ergibt sich eine Spannungshandlung als Sidekick, denn Maeve ist fest entschlossen, den Schuldigen zu finden, auch wenn sie sich damit in Gefahr begibt. Normalerweise bin ich bei Liebesgeschichten mit zusätzlicher Spannungshandlung skeptisch, aber in diesem Fall gewinnt das Buch dadurch noch an Authentizität und Emotionen. Die Autorin schafft bei uns Lesern ein Bewusstsein für ein ernstzunehmendes Problem, und das tut der romantischen (und außergewöhnlichen!) Liebesgeschichte trotzdem keinen Abbruch.

»Shark Club« ist deshalb meine Empfehlung für den Sommer: Der Roman garantiert Sonne, Strand, türkisblaues Wasser, Haie und natürlich Liebe pur und ist perfekt für die Picknickdecke, den Liegestuhl oder die Hängematte bei »30 Grad im Schatten!

»Shark Club« erscheint am 10. April 2018 im PENGUIN Verlag. Viel Spaß beim Lesen!

Shark Club

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.