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Buchrezension: »Morgen kommt ein neuer Himmel«

Lori Nelson Spielman Morgen kommt ein neuer Himmel

Wenn ihr die Bestsellerlisten des letzten Jahres ein bisschen mitverfolgt habt, dann seid ihr sicher auch über Lori Nelson Spielman gestolpert (Hier geht’s zu unserem Jahresrückblick). Seit 45 Wochen ist das Buch auf der Paperbackliste und meistens irgendwo zwischen Platz 2 und 5. Ich hab mich also gefragt: Ist es nur wieder so eine Jojo Moyes-Geschichte (so sieht das Cover jedenfalls aus), oder was steckt dahinter. Letztes Wochenende hatte ich dann fünf Stunden Zugfahrt vor mir, kein gutes Manuskript zur Hand und konnte mich endlich mal wieder in ein „richtiges“ gedrucktes Buch vertiefen.

Brett ist Mitte dreißig, als ihre Mutter stirbt. Auch ihr Vater lebt nicht mehr, und so bricht die letzte elterliche Stütze in ihrem Leben weg. Bei der Testamentsverlesung dann der nächste Schock: Das Familienunternehmen, für das Brett Lebensziele Lori Nelson Spielmanbereits jahrelang gearbeitet hat, wird ihrer Schwägerin vermacht, und ihre zwei Brüder bekommen ein beträchtliches Erbe ausgezahlt. Nur Brett geht leer aus. Sie bekommt einen Brief – und eine Liste. Die Liste stammt von Brett selbst. Sie schrieb sie, als sie noch ein Kind war. Ihre Mutter gibt ihr nun den Auftrag, diese Lebensziele zu verfolgen und binnen eines Jahres zu verwirklichen. Dabei hilft ihr der von ihrer Mutter engagierte – gut aussehende – Anwalt Brad (ungünstige Namensgebung Brett-Brad). Und nach einigem Zögern macht Brett sich an ihre Aufgaben: Sie tritt als Stand-up-Comedian auf, versucht sich in ihrem alten Lehrerberuf, baut eine verlorengeglaubte Freundschaft wieder auf und findet – wie könnte es anders sein – die Liebe.

Die Geschichte hört sich sehr bekömmlich an, und das ist sie auch. Ich muss sagen, dass mein Eindruck ein bisschen zwiegespalten ist, denn die erste Hälfte des Buches hat mir nicht so richtig gefallen, dafür die zweite umso besser. Am Ende allerdings klappte ich zufrieden die letzte Seite um. Würden wir hier mit Sternchen bewerten, müsste ich wohl den dreieinhalbten Stern von fünf vergeben ;). Mich hat zu Beginn vor allem Bretts Ehemann gestört, bzw. seine Abwesenheit. Er ist nicht bei der Beerdigung, nicht bei der Testamentsverlesung, schläft wie sich später herausstellt mit Bretts bester Freundin, und dass unsere Heldin die Liste wochenlang vor ihm geheim hält, fand ich auch nicht plausibel. Ich meine: Ist schon klar, dass sie am Ende einen anderen kriegt, aber ein bisschen Ambivalenz hätte die Geschichte noch reizvoller gemacht. Und dann Brad (der Anwalt), der aus scheinbar heiterem Himmel in ihr Leben tanzt, sie nach nur zwei Begegnungen „B.B.“ nennt, sie liebevoll umarmt und ihre moralische Stütze ist. Da musste ich ein bisschen seufzen.

Aaaaaber, als dann die Geschichte so richtig in Fahrt kam, haben Bretts Abenteuer Spaß gemacht. Vor allem ihre Arbeit im Frauenhaus und ihre Suche nach der Liebe sind wirklich süß. Auch dass etwas ernstere Themen angesprochen werden – Armut, Bildungsstandards, Existenzängste, weil sie auf einmal ohne Geld dasteht – hat mir gut gefallen. Am Ende ist es ein Roman über die täglichen Chancen, einen Unterschied zu machen, in seinem eigenen Leben und in dem seiner Mitmenschen. Ein Roman über das Überwinden von Ängsten und darüber, dass der direkte Weg manchmal nicht der beste ist.

Fazit: Tolle Verpackung, kein neues Konzept und auch nicht perfekt gemacht, aber berührend und durchaus lesenswert.

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