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Lust und Leid der Freiberuflichkeit

Nicht selten sitzt man ja im Büro und denkt, ach wäre es schön, jetzt einfach raus zu gehen und Kaffee trinken zu können, einfach, weil die Sonne scheint, das Leben lockt und man die to-do-Liste auf dem Schreibtisch noch ein wenig vor sich hinschieben möchte. Wie gerne wäre man in solchen Momenten Freiberufler und könnte (wie der Name schon sagt) frei über seine Zeit verfügen und sich selbst einteilen, wann welche Arbeit erledigt wird.

Dass jedoch auch das Leben als Freiberufler so seine Tücken hat, schildert uns die Übersetzerin Kerstin Winter.


 

Für mich bitte etwas mehr Ommm …

Es wäre sicher vermessen zu behaupten, jeder, der vorgesetztenfrei arbeitet, müsse so hektisch, panisch und rappelig sein wie ich, aber ich wage mal die These, dass tiefenentspannt und freiberuflich nicht zusammengehen. Vielleicht wäre das anders, wenn ich eine Strandhüttenvermietung zur Hochsaison in Mimizan-Plage hätte (längst abbezahlte Strandhütten, versteht sich), aber das habe ich nicht. Ich kann mir zur Hochsaison nicht einmal eine Strandhütte leisten. (Selbst wenn ich könnte – wozu eigentlich?)

Ich bin Freiberuflerin der hektischen Art. Dieser Typ zeichnet sich durch vergleichsweise wenig Arbeitsgerät aus (Laptop und Keksdose – Flucht ist jederzeit möglich), ebenso wie eine gewisse Nomadenhaftigkeit. Damit meine ich nicht die zahllosen Wanderungen vom Arbeitsplatz zum Kühlschrank, deren Häufigkeit proportional zur Schreibblockade wächst. Ich raffe meine Sachen zusammen, um dort zu arbeiten, wo es vermeintlich besser, inspirierender, ruhiger, demonstrativer ist. An manchen Tagen bringe ich es auf eine stattliche Kilometerzahl.

Übersetzering

Rappeligkeit kennt Abstufungen. Es gibt die „Mein Gott, das schaff ich nie“-Rappeligkeit, die sich in zwei Hauptausformungen manifestiert: Zeitlich („Mein Gott, niemals kann ich den Termin halten“) und inhaltlich („Mein Gott, das kapier ich doch im Leben nicht“ – wobei man hier noch die Feinabstufung zwischen Nix kapieren und Nicht die richtigen Worte finden machen kann, aber dazu ein andermal).

Es gibt die „Juhuu, ein neuer Auftrag“-Rappeligkeit, die ziemlich schnell in die obengenannte abrutschen kann (mit allen Unterkategorien).

Und es gibt die „Du muss dich SOFORT entspannen und UNBEDINGT runterkommen!!!!“-Rappeligkeit, die einem das Leben echt schwermachen kann. Denn gegen sie ist kaum ein Kraut gewachsen. Obwohl … recht gute Wirkung erzielt ein grundsolider Planter’s Punch, was, zugegeben, um zehn Uhr morgens als Option ein klein wenig problematisch ist.

Autogenes Training soll ja auch helfen. Ich konnte das auch mal, aber irgendwie war nie Zeit zum Üben.


 

Vielen Dank, liebe Frau Winter, für den interessanten Einblick in Ihren Arbeitsalltag! Wir verharren jetzt alle mal eine Minute, atmen tief ein, sagen leise „ooooooommmmmm“ und gehen zurück an unseren Schreibtisch.

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