Autoren, Bücher, Gastbeiträge
Kommentare 2

Männer und Frauen und die Sache mit der Freundschaft

Freunde fürs Lieben

Können Männer und Frauen befreundet sein? Diese Frage stellt sich die Autorin Felicitas Pommerening – und zwar nicht nur in ihrem neuen Roman … Lest hier einen Gastbeitrag von Felicitas.


 

Männer und Frauen können nicht befreundet sein …

von Felicitas Pommerening

Vor wenigen Wochen ist Freunde fürs Lieben erschienen, mein neues Buch, in dem es um die enge Freundschaft von Fin und Marie geht. Seitdem erreichen mich viele, viele Stimmen. Berührte Leserinnen erzählen mir, wie sie sich in ihren besten Freund verliebt haben oder er in sie – oder aber, wie irgendein Dritter nicht versteht, was da los ist (nämlich nix).

Gibt es sie also nicht, die unkomplizierte Freundschaft zwischen Mann und Frau?

Ausgerechnet letztes Jahr, ausgerechnet während ich an diesem Buch geschrieben habe, ist ein besonderer Mensch in mein Leben getreten. Ein Mann. Wir haben eine turbulente Zeit erlebt, auch viele ernste Situationen, die wir zusammen meistern mussten. Ich denke gerade deswegen haben wir sehr schnell gemerkt, wie gut wir zusammen passen. Wenn man mitten in einer Krise viel miteinander lacht – dann heißt das etwas. So eine Zeit habe ich vorher noch nie erlebt. Und auch so eine Verbindung noch nicht. Jetzt hat sich alles ein bisschen beruhigt und wir haben keine regelmäßigen Krisengespräche mehr – aber Freunde sind wir natürlich immer noch.

Er, ein Mann und ich, eine Frau. Geht also doch! Ha!

Aber natürlich weiß ich: Ein Jahr ist nicht viel. Unsere Freundschaft ist noch jung. Und die Leserstimmen zu meinem Buch geben mir zu denken. Mein eigenes Buch gibt mir zu denken! Es hat übrigens zwei große Herzen auf dem Cover … Wird meine eigene Geschichte früher oder später auch unter so einen Buchdeckel passen? Unweigerlich?

Zu Recherchezwecken habe ich mal nach entsprechenden Studien geguckt – wobei ich das nicht wirklich empfehlen kann. Im Labor ist es nämlich recht eindeutig: Sehr, sehr oft hat der Mann eine andere Einstellung zu der Freundin, als diese das selber einschätzt. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Die völlig platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau gibt es nicht.

Tja. Und jetzt? Müssen wir uns alle von unseren besten Freunden trennen, sofern sie nicht homosexuell sind?

Ich sage: Nein! Blödsinn. Wir lassen uns auch nicht scheiden, nur weil Wissenschaftler veröffentlichen, was vergebene Männer für Phantasien haben. (Auch diese Studien gibt es und ich würde sie ebenso wenig empfehlen.) Was bei jemandem im Kopf herumschwirrt – oder auch im Herzen – ist seine ganz private Angelegenheit. Vielleicht muss man es sogar anders drehen: Ein kleines Fragezeichen, ein bisschen Unwissenheit über die Gedanken des anderen können auch eine schöne, unbedenkliche Spannung ausmachen – in Liebes- und in Freundschaftsbeziehungen gleichermaßen.

Bleiben allerdings die vielen Leserstimmen, die mir wie eine Warnung vorkommen. Aber deswegen von Anfang an vorsichtig sein? So will ich nicht durchs Leben gehen!

Wahre Freundschaft ist so selten wie wahre Liebe. Wenn ich schon das Glück habe, so etwas zu erleben, dann will ich keinen Schritt zurückgehen, nur weil es statistisch gesehen noch kompliziert werden könnte! Ich sage also: Ja, es gibt sie, die richtige Freundschaft zwischen Mann und Frau. Ich wünsche es mir.

Mein neuer männlicher Freund liest jetzt übrigens gerade mein Buch. Liest also die Geschichte über Freundschaft und Liebe … und bald gibt er mir sein Feedback dazu. Aus irgendeinem Grund bin ich ganz aufgeregt deswegen. Das könnte man auch falsch verstehen – lieber formuliere ich das ihm gegenüber mal nicht. Aber einem Laboranten könnte ich es sagen. Und der würde dann sicher wissend nicken. Zum Glück ist das Leben komplexer als Laborsituationen.


 

Felicitas‘ neuer Roman Freunde fürs Lieben ist im Berlin Verlag erschienen.

Freunde fürs LiebenFelicitas Pommenering

2 Kommentare

  1. Petra sagt

    Liebe Felicitas, ich freue mich auf dein Buch. Allen Studien zum Trotz, habe ich seit vielen Jahren den besten und wertvollsten Freund, der auch mal vier Jahre lang mein Partner war. Als wir feststellten, dass wir als Freunde besser miteinander können, haben wir uns getrennt – was natürlich erst einmal schmerzhaft war. Trotzdem haben wir überlegt, dass wir in so vielen Dingen perfekt harmonieren und dass so etwas sehr, sehr wertvoll ist und nicht einfach so weggeworfen werden darf. Kaum jemand versteht, dass wir – sofern keiner einen neuen Partner hat – oft zusammen in Urlaub fahren und sehr oft telefonieren. Über dem ständigen Zwinkern und „wissendem“ Kichern stehen wir zwischenzeitlich. Es ist nicht notwendig, sich rechtfertigen zu müssen. Wir beide wissen, dass nichts diese Freundschaft zerstören wird und sollte einer von uns eine neue, wirkliche Liebe im Leben finden, so wird der- oder diejenige richtig sein, der/die versteht, dass eine solche Freundschaft wertvoll und schön ist und sich einfach mit uns freuen. Dieser Mensch wird freudig „in unserer Mitte aufgenommen“. Liebe Grüße von Petra

    • Hallo Petra,
      das finde ich sehr schön, wie du das beschreibst. Das stelle ich mir unglaublich schwierig vor, diesen Schritt zu gehen, also sich zu trennen, wenn man sich ja doch noch sehr mag und auch gut zusammenpasst. Freut mich für dich, dass es so gut ausgegangen ist!
      Ich bin gespannt, wie dir „Freunde fürs Lieben“ gefällt und wünsche die auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen!
      Liebe Grüße, Felicitas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.