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»Wer bin ich und warum?« – Ildikó von Kürthys neues Buch im Freitagstipp: Neuland

Neuland

Wer die Bücher von Ildikó von Kürthy liest, muss eine Grundvoraussetzung erfüllen:  Man muss weit davon entfernt sein, seinen körperlichen Zustand als ideal zu betrachten. Die Frage „Wer bin ich und warum?“ zieht sich leitmotivisch durch die Kürthy-Werke. Meine These: Weil die meisten Frauen an ihrer Optimierung arbeiten wollen – mich eingeschlossen –, ist die Autorin so erfolgreich. Ich fühle mich verstanden von dieser Frau, die mir aus der Seele spricht. Denn irgendetwas ist immer doof, seien es die Haare, die Pfunde zu viel auf der Waage, die Falten, die gestern noch nicht da waren, oder das Wetter. Das können wir bekanntlich nicht ändern, sehr wohl aber uns selbst. Vor allem, wenn die Hälfte des Lebens schon vorbei ist und nicht mehr viel Zeit bleibt für etwas Neues. So macht sich IvK auf die Suche nach dem besseren Leben, inneren Frieden und einer neuen Frisur. Was dann passiert, können wir nachlesen in Neuland. Wie ich mich selber suchte und jemand ganz anderen fand.

Neuland

Dieser spannende Selbstversuch nimmt ein ganzes Jahr in Anspruch und ich möchte ihr sofort zurufen: „Super Idee, ich mache mit.“ Weil mein Chef mir aber nicht ein Jahr freigeben will, lese ich. Ich lache mit IvK, deren Hobbys Kuchenessen, Sonnenbaden und Seriengucken ist.  Ich weine, als sie über ihren blinden Vater schreibt und wie sie auf den Spuren ihrer Mutter noch einmal in das Hospiz geht, wo diese gestorben ist. Ich wundere mich darüber, dass sie die Fettzellen ihrer Oberschenkel schockgefrieren lässt und dafür 2975,00 Euro zahlt. Sehr plausibel dagegen finde ich ihre Gedanken zum Thema Altern. Sehnen wir uns nicht alle danach, unserem schlaff gewordenen Bindegewebe im Gesicht den Kampf anzusagen? Aber hilft allein Hyaluronsäure, oder muss es auch ein neuer Mann sein? Wahrscheinlich, denn das Exemplar, das da zu Hause auf dem Sofa sitzt und seine Persönlichkeitsentwicklung für abgeschlossen hält, trägt nicht gerade zum Verjüngungsprozess bei.

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Auch wenn unsere Meinungen beim Thema „Blondine“ auseinander gehen, kann ich fast alles unterschreiben, was Frau von Kürthy erzählt. Diese geistreiche Selbstironie, mit der sie uns 12 Monate an ihrer Verwandlung teilnehmen lässt, ist göttlich. Und dass sie, als alles vorbei ist und sie mit dem erschienenen Buch auf Lesungstour geht (unbedingt hingehen!), genauso aussieht wie vor den ganzen Experimenten, ist genial. Denn wie langweilig wäre das Leben ohne Problemzonen.

 

 

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