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Buchtipp: Nina George, »Das Lavendelzimmer«

Nina George Das Lavendelzimmer Buchempfehlung Paris

Ich muss gestehen, dass ich eine vollkommen falsche Vorstellung von Nina Georges Roman Das Lavendelzimmer hatte. Aber wer denkt bei dem Cover und Titel nicht zunächst an eine entlegene Villa in der Provence, Geheimnisse hinter verschlossenen Türen, vielleicht eine zweite Zeitebene, die eine vergessene Familiengeschichte aufdeckt …? Nun, einen verschlossenen Raum gibt es tatsächlich, aber das war es auch schon fast mit den Genreassoziationen. Ist Das Lavendelzimmer vielleicht eine Mogelpackung?

Im Mai 2013 erschien das (kleine) Hardcover der deutschen Autorin Nina George bei Knaur und arbeitete sich schnell auf der Bestsellerliste nach oben. Da mich das Cover sehr anspricht und ich gerade etwas Urlaubsgefühle gebrauchen kann, hab ich mir das Buch letzte Woche geschnappt  – zugegeben ohne den Umschlagtext gelesen zu haben. Gemessen an meinen Erwartungen war ich dann sehr überrascht, als sich Das Lavendelzimmer als literarisch emotionales Roadmovie zweier – später dreier – Männer auf einem alten Lastschiff entpuppte.

Aber von vorn: Joan Perdu lebt in Paris und ist Buchhändler. Aber nicht irgendein Buchhändler. Perdu leitet die pharmacie littéraire, eine schwimmende BNina George Das Lavendelzimmer Buchrezensionuchhandlung, in der er die „Krankheiten“ seiner Kunden mit Geduld und dem richtigen Buch zu heilen weiß. Er kennt Bücher, die trösten, die beruhigen, die erheitern, ermutigen, belehren und entspannen. Doch leider kann er sich selbst nicht heilen. Denn die Liebe verließ ihn vor über 20 Jahren und nur einen Brief in einem verschlossenen Zimmer – dem Lavendelzimmer – blieb zurück. Doch als Perdu die stille und traurige Catherine kennenlernt, keimt ein Funken in ihm auf, den er längst erloschen glaubte. Er macht sich auf und verlässt Paris, um endlich über seine Trauer hinwegzukommen. Er wagt einen Neuanfang, um Abschied zu nehmen. Zusammen mit zwei Katzen, dem jungen, orientierungslosen Autor Max und tausenden geliebten Büchern schippert er auf seiner Lulu (so heißt die Literarische Apotheke) in Richtung Süden, in die Heimat seiner verlorenen Liebe Manon. Auf dem Weg gabeln sie noch einen kleinen italienischen Koch auf, und die drei Männer werden zu Freunden, Vater und Sohn, Mentor und Schüler. Gemeinsam überwinden sie ihre Dämonen und finden sich selbst und die Liebe wieder.

So erzählt hört sich der Roman recht männlich an, doch das ist er nicht. Er ist eine Kreuzung aus  Liebesgeschichte, Entwicklungsroman und Roadmovie sowie ein Spaziergang durch die Literatur, mit großartigen Schauplätzen und zauberhaften Menschen. Die Atmosphäre – ob in dem quirligen Wohnhaus in Paris, auf einem Weingut in Südfrankreich oder auf einem mit Büchern vollgestopften Lastschiff – hat mich sofort in den Bann gezogen und begeistert. Nina George vertieft sich in Bilder, erfindet Worte (Wunschlichkeit!) und strickt Figuren, die lebendiger und komplexer kaum sein können. Wer sich zudem für Literaturgeschichte interessiert, wird allerlei Wissens- und Lesenswertes erfahren. Ich hatte an einigen Stellen das Bedürfnis, einen Stift zu holen, um erinnerungswürdige Passagen zu unterstreichen, und das passiert mir wirklich fast nie.

Fazit: Ein Buch übers Lesen, Lachen, Weinen, Lieben, Leben, Sterben und die Wunschlichkeit. Auch wenn es ganz anders ist als erwartet, sehr zu empfehlen! Ich muss jetzt weg – Frankreich ruft mich! Und weiß jemand, wo ich ein altes Lastschiff auftreiben kann?

Wie fandet ihr das Buch? Möchtet ihr nicht auch mal in einer literarischen Apotheke beraten werden?

2 Kommentare

  1. Brendel Sandra sagt

    wie komme ich an dieses wundervolle buch ran, ich würde es sehr gern lesen

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