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Autorin Ranka Keser über das Schreiben

Schreiben

Ranka Keser ist eine Autorin mit Leib und Seele: Sie schreibt hauptberuflich, begeistert sich für verschiedene Genres und schreibt Geschichten für Erwachsene genauso wie für Kinder. Ihre Leidenschaft für das Schreiben gibt sie auch in Schreibseminaren weiter. Im Interview erzählt sie, welche Erfahrungen für sie hilfreich waren, gibt uns Einblicke in ihren Schreibprozess und stellt uns ihren neuen Roman vor, der gerade im Diana Verlag erschienen ist.

Liebe Frau Keser, Sie sind Autorin und Leiterin von Schreibseminaren. Kann man das Schreiben lernen?

Egal, für welchen Beruf man sich entscheidet, man braucht dafür zwei Dinge: Begeisterung und Talent. Wer sich für Zahlen nicht begeistern kann, wird schwerlich als Bankkaufmann glücklich werden. Genauso ist es mit dem Schreiben: Hat man schon als Kind viel gelesen und geschrieben? Ist man willens, sich weiterzuentwickeln und viel Zeit zu investieren? Wenn man fürs Schreiben brennt und erzählerisches Talent hat, dann kann man auch das Handwerk verbessern.

Viele Menschen träumen davon, einen Roman zu veröffentlichen. Was würden Sie ihnen raten?

In meinen Anfangsjahren habe ich an Workshops teilgenommen und war Mitglied in einer Autorengruppe, in der wir uns gegenseitig Texte vorlasen. Das fand ich sehr hilfreich. Wichtig ist, mit Kritik umgehen zu können. Natürlich wird jeder lieber gelobt als kritisiert, aber allein das freundliche Loben bringt einen nicht weiter, sondern die Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen als Autor oder Autorin. Schließlich will man irgendwann mit seinem Manuskript auch die Verlage überzeugen.  Dafür muss man üben. Wer beispielsweise nicht gerne Dialoge schreibt, sollte gerade daran feilen – und ein ehrliches Feedback darüber bei seiner Schreibgruppe einholen.

Welche Strategien sind für Sie beim Schreiben am hilfreichsten?

Jeder Autor und jede Autorin arbeitet anders. Ich kenne Autoren, die jeden Tag nur eine oder zwei Seiten schreiben. Bei ihnen sitzt jeder Satz perfekt, und sie müssen später kaum noch etwas überarbeiten. Ich mache es genau umgekehrt. Zunächst lege ich Karteikarten über die Figuren an. Danach schreibe ich die Geschichte in einem Guss runter. Ich bin dann so im Flow, dass ich mich um Rechtschreibung oder Grammatik erstmal gar nicht kümmere. Deshalb muss ich das Geschriebene später mehrmals überarbeiten. Jeder muss für sich selbst herausfinden, nach welcher Methode er vorgehen möchte. Wichtig finde ich, die Geschichte komplett zu kennen, bevor man anfängt. Eine Geschichte anzufangen, mit der Einstellung „Mal sehen, was passiert“ ist nicht empfehlenswert.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen fürs Schreiben?

Bei mir ist zuerst die Grundidee da. Sozusagen „Boy meets girl“ plus Nebensatz. Dann kommen immer mehr Puzzleteile hinzu, ich denke mir die Figuren aus und erstelle eine Art Profil. Dafür habe ich mir eine Checkliste angelegt, in der ich die Figur beschreibe (samt Kindheit, Ängsten, Lebensmotto etc.). Daraufhin erstelle ich ein Exposé, also eine Inhaltsangabe, über die Geschichte. Daran arbeite ich mehrere Wochen, bis die Geschichte ausgereift ist. Erst dann beginne ich mit dem Manuskript. Das fertige Manuskript weicht ca. 10 Prozent vom Exposé ab, weil während des Schreibens neue Impulse hinzukommen und sich weitere Ereignisse ergeben, die man zunächst noch nicht auf dem Schirm hatte.

Ideen für literarische Stoffe gibt es im Grunde überall: In der Zeitung, im Leben der Freunde, in Erzählungen von Bekannten … und dann fügt man noch seine eigene Fantasie hinzu. Ich würde beispielsweise nie eine Figur komplett aus dem wirklichen Leben übernehmen. Man kann die Charaktere origineller und interessanter gestalten, wenn man sie selbst formt.

Sie schreiben in unterschiedlichen Genres, für Kinder genauso wie für Erwachsene. Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Genau deshalb arbeite ich in mehreren Genres: Weil mir wirklich alles, was ich schreibe, großen Spaß macht. Wenn ich mir vorstelle, ich würde mein Leben lang nur Krimis oder nur Kinderbücher schreiben, würde ich implodieren. Aber nach einem Sachbuch freue ich mich wieder auf einen Roman – und umgekehrt. Manche denken, man müsse sich unbedingt spezialisieren. . Aber in der Kunst muss man genaugenommen gar nichts. Wenn jemand jahrzehntelang nur in einem Genre zu Hause ist, dann ist das absolut in Ordnung. Andere arbeiten dagegen lieber vielseitig. Ich denke, ,an sollte als Künstler/in, egal ob bei der Literatur, der Musik oder im Schausspiel, authentisch sein. So wie man sich mit den Jahren selbst verändert, kann sich auch die Affinität zum Genre verändern. Vielleicht werde ich irgendwann nur noch in einem Genre zu Hause sein – aber dann, weil ich es selbst so will.

Wie lange schreiben Sie an einem Roman? Wie viel Zeit davon ist Recherche und wie viel Schreiben?

Das ist unterschiedlich. Sachbücher, Krimis und Frauenromane erfordern mal mehr und mal weniger Recherchearbeit. Mit Ideenfindung, Inhaltsangabe, Schreiben und Korrigieren, sind es ca. acht bis zehn Monate. Ohne Vor- und Nacharbeit (also das reine Manuskriptschreiben) dauert es ca. vier bis fünf Monate.

Wo, wie, wann schreiben Sie?

Ich habe zum Glück ein großes Wohnzimmer, und neben dem Fenster steht mein Schreibtisch. Ich arbeite am PC. Meine Arbeitszeiten sind Montag bis Freitag von ca. zehn bis achtzehn Uhr, mit einer Stunde Pause. Wenn der Abgabetermin näher rückt, schreibe ich auch bis spät abends, oder samstags ein paar Stunden zusätzlich.

Lesen Sie auch andere Bücher, während Sie schreiben? Und verraten Sie uns Ihre Lieblingsautoren?

Ich lese immer mehrere Bücher parallel. Das sieht bei mir ungefähr so aus: Ein Krimi, ein Klassiker, ein Sachbuch … oder ein Roman, eine Autobiografie, ein Ratgeber … je nach Lust und Laune. Jedenfalls liegen immer mehrere Bücher auf meinem aktuellen Lesestapel.

Meine Lieblingsautoren wechseln mit den Jahren. Andere gehören seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsautoren, wie z.B. Jane Austen und Marian Keyes.

Würden Sie uns Ihren neuen Roman Das Herz ist ein gutes Versteck vorstellen?

Mein Roman Das Herz ist ein gutes Versteck ist die Geschichte der 46-jährigen Rieke, die beschlossen hat, für den Rest ihres Lebens alleine zu bleiben. Sie hat Menschen verloren, über deren Verlust sie nie richtig hinweggekommen ist. Und dann kreuzt Werner ihren Weg …

Es war mir wichtig, die Geschichte auch humorvoll zu erzählen, ohne den ernsten Hintergrund damit zu schmälern. Wir alle können – auch in mittleren Jahren – noch mal umdenken, unsere Haltung und Einstellung ändern. Das erfordert Mut und Stärke. Schicksalsschläge können tiefgehen, aber trotzdem kann man nach vorne blicken. Und ganz ohne Liebe, Freundschaft oder Familie, geht es schwerlich – das begreift auch Rieke, als ihr richtig bewusst wird, was sie an den Menschen hat, die ihr nahestehen. Manchmal muss man eben auch ein Risiko eingehen. Das bewahrt sie zwar nicht vor Schmerz, in jedem Fall macht es aber ihr Leben reicher.

Das Herz ist ein gutes Versteck

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