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Der Tag einer Lektorin auf der Frankfurter Buchmesse – Oder: Wer bin ich und wenn ja, wem sitze ich hier eigentlich gerade gegenüber?

Buchmesse Frankfurt 2014

Es ist Donnerstagmorgen, noch nicht ganz hell und ich mache mich auf den Weg zum HBF in München. Die Frankfurter Buchmesse hat gestern begonnen und zwei meiner Kolleginnen sind bereits in der hessischen Bankenmetropole, um Agenten, Verleger und weitere wichtige Verlagsmenschen zu treffen. Während der Buchmesse gilt in Frankfurt der Ausnahmezustand. Die Hotels sind zum Bersten gefüllt, Restaurants und Bars nehmen spezielle Buchmessenpreise und das Messegelände wird zum Hochsicherheitstrakt.

Und in genau dieses Getümmel werde ich mich jetzt stürzen.

Buchmesse Frankfurt 2014

Nach der unvermeidlichen Verspätung fährt der Zug in Frankfurt ein. Auf der Fahrt konnte man rechts und links schon an den Gesprächsthemen erkennen, dass die halbe Verlagsbranche Münchens um mich herum versammelt ist. »Hast du das schon gelesen …?«, »Triffst du dich mit …?«, »Bist du heute Abend auch bei …?«. Wie immer habe ich das Gefühl, das Wichtigste zu verpassen und sowieso bei den interessanten Leuten nicht eingeladen worden zu sein, aber lasse mir natürlich nichts anmerken.

Nachdem ich in Frankfurt meinen Koffer im Hotel abgegeben habe, haste ich auf dem Messegelände sofort in die Halle 6.0, wo sich hinter mobilen Wänden das erstaunlich unglamoröse Agents Center verbirgt. Hier sitzen Verleger, Lektoren, Literaturscouts und -agenten über nummerierte Tische gebeugt und unterhalten sich über (mal mehr mal weniger interessante) Buchprojekte.

Buchmesse Ausrüstung

Mein erster Termin ist noch relativ entspannt. Ich treffe unsere Scouts, die normalerweise in London sitzen, um für uns den britischen Buchmarkt zu beobachten. Sie bringen mich auf den neuesten Stand, wir tauschen Klatsch- und Tratsch aus und freuen uns über den lauwarmen Kaffee (eigentlich geht es vor allem um den Kaffee :o). Eine halbe Stunde später geht es dann mit einem amerikanischen Agenten weiter, der versucht, mich von seinen Autoren und Projekten zu überzeugen. Und hierin besteht auch meine Hauptaufgabe der kommenden Tage: Ich muss versuchen, in der Masse der angebotenen Buchprojekte die besten und für unser Verlagsprogramm passendsten herauszufiltern und gegebenenfalls schnell zu beurteilen.

Und so hasten meine Kollegen und ich im Halbstundentakt von Agent zu Agent und versuchen, Bücherorakel zu spielen. Viel zu oft muss ich dabei von Halle 6 zu Halle 8 rennen, komme mehrfach zu spät und vergesse, wer vor mir sitzt. Ich spreche viel Englisch, manchmal Deutsch und fürchte mich immer vor meinen Treffen mit den Spaniern morgen, die meine eingerosteten Spachkenntnisse auf den Prüfstand stellen werden. Heute habe ich noch kein außergewöhnliches Manuskript entdeckt. Vieles passiert mittlerweile in den Wochen vor der Messe, aber natürlich muss man dennoch wachsam bleiben.

Mittlerweile ist es 18 Uhr, und vor einer halben Stunde habe ich mich von meinem letzten Termin für diesen Tag verabschiedet. Meine Füße tun  weh, und ich sehne mich nach etwas Ruhe (es ist schon ziemlich laut überall). Aber gleich beginnt der schöne Teil des Tages: Ich treffe mich mit Kollegen auf einen After-Messe-Drink im Hessischen Hof. Lange werde ich aber wohl nicht bleiben, denn ich will noch ein paar Seiten lesen, bevor morgen die nächsten Termine, Manuskripte und lauwarmen Kaffees auf mich warten.

Viele liebe Grüße,

Eileen – Lektorin, Redaktion Herzenszeilen

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